Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert seit 1991 über 10.300 Projekte zum Schutz der Umwelt mit einem Fokus auf die mittelständische Wirtschaft. Michael Dittrich, Stellvertretender Generalsekretär der DBU und für Finanzen und Verwaltung verantwortlich, macht sich für private Investitionen in Produktionsanlagen für erneuerbare Energien in Schwellenländern stark. Mit Guido Birkner diskutiert er die Frage, ob EbAV darin investieren sollten.

Herr Dittrich, die DBU hat ein Stiftungskapital in Höhe von 2,3 Milliarden Euro und managt Assets under Management im Wert von 2,9 Milliarden Euro. Welche Ziele verfolgt die Stiftung in der Kapitalanlage?

Michael Dittrich: Vor allem zwei Ziele. Zum einen wollen wir einen gleichmäßigen Fördermittelfluss gewährleisten, indem wir die Schwankungen an den Kapitalmärkten kompensieren. Zum anderen streben wir den inflationsbereinigten Kapitalerhalt an. Noch in den neunziger Jahren war der reale Kapitalerhalt für uns schwierig, weil damals die Regeln für die Rücklagenbildung in der Abgabenordnung für Stiftungen unzureichend waren. Inzwischen können wir den realen Kapitalerhalt inklusive Reserve sicherstellen. Allerdings könnte die aktuell hohe Inflation unseren Reservepuffer wieder abschmelzen.

Managen Sie die Kapitalanlage selbst oder lagern Sie aus?

Michael Dittrich: Rund 85 Prozent der Kapitalanlage managen wir selbst inhouse. Anders sieht es bei außereuropäischen Aktien aus, dort legen wir in fremdgemanagte Spezialfonds und Publikumsfonds an. Auch unsere Immobilieninvestments bilden wir in der Regel extern über Fonds ab.

In der Kapitalanlage ist die DBU wie alle Stiftungen frei, oder?

Michael Dittrich: Ja, Stiftungen haben bei den Kapitalanlagen einen großen Entscheidungsspielraum. Entscheidend sind die Vorgaben der Satzung und der Stiftungsgremien, bei uns des Kuratoriums. Überwacht wird die Einhaltung der Satzung von der staatlichen Stiftungsaufsicht, einer Behörde des niedersächsischen Innenministeriums. Hinzu kommen interne Prüfregularien, Wirtschaftsprüfer und der Bundesrechnungshof. Die Anlagerichtlinien hat unser Anlageausschuss vor Jahrzehnten erlassen, er überprüft sie regelmäßig und passt sie bei Bedarf an. Dabei geht es um die Strategische Asset Allocation, um Asset-Klassen und Leitplanken für die Kapitalanlage. 1991 sind wir mit 100 Prozent Staatsanleihen gestartet, heute halten wir weniger als 5 Prozent daran. Stattdessen sind wir heute zu knapp 60 Prozent in Renten, zu rund 30 Prozent in Aktien und zu knapp 10 Prozent in Sachwerten investiert. Unternehmensanleihen stellen mit rund 30 Prozent den größten Einzelposten bei den Renten dar. Unsere Sachwerte lassen sich in Immobilien und in Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien unterteilen. Bis heute haben wir rund 80 Millionen Euro in solche Energieanlagen investiert und werden diesen Anteil weiter steigern. Sie sind für uns ähnlich wie Immobilien eine langfristig solide Ertragsform.

Verfolgt die DBU konkrete Renditeziele?

Michael Dittrich: Wir wollen als Stiftung zwischen 50 und 60 Millionen Euro Fördermittel pro Jahr ausschütten, also ungefähr 2,5 Prozent unseres Stiftungskapitals. Die Inflationsrate müssen wir dabei jeweils hinzurechnen. Solange die Inflationsrate bei rund 1,5 Prozent lag, war eine Gesamtrendite von 4 bis 4,5 Prozent im Portfolio auskömmlich. Dieses Ziel konnten wir in den zurückliegenden zehn Jahren auch erreichen. In Zukunft rechnen wir weiterhin mit niedrigen Zinsen und einer Inflationsrate, die im Schnitt höher als in den vergangenen Jahren sein dürfte. Eine hohe Inflation kann für uns in einem mittel- bis langfristigen Szenario eine Herausforderung werden. Auch wenn die Inflation durch stabile Energiepreise im Jahr 2022 wieder zurückgehen sollte, wäre ein langfristiges Inflationsniveau von 2 bis 3 Prozent für uns zu hoch. Die Entwicklung im neuen Jahr ist für mich noch unklar, hier spielen auch Aspekte wie die Inflationserwartung für den privaten Konsum und die Lohnrunden eine wichtige Rolle.

Wie lange würde Ihr Puffer reichen?

Michael Dittrich: Wir legen in guten Jahren Reserven an, etwa über Aktien, deren Marktwert vor allem seit der Finanzkrise 2009 steigt. Bei Bedarf können wir diese stillen Reserven zu Erträgen machen. Damit können wir selbst bei einer höheren Inflation noch einige Jahre das reale Stiftungskapital erhalten. Strategisch müssen wir die Kapitalanlage im Augenblick nicht verändern, zumal wir als Stiftung anders als andere institutionelle Anleger keine langfristigen Verpflichtungen haben. Eine Stellschraube in schlechten Jahren ist daher auch ein Herunterfahren der Fördermittel.

Bietet die DBU ihren Beschäftigten eine Betriebsrente an?

Michael Dittrich: Ja, wobei wir nur in wenigen Fällen Pensionsverpflichtungen in der Bilanz haben. Für unsere Beschäftigten haben wir eine Direktversicherung abgeschlossen. Der Arbeitgeber zahlt darin ein, und die Beschäftigten können freiwillig Entgelt umwandeln. In der Leistungsphase können sie zwischen Kapitalauszahlungen und Renten wählen. Die Direktversicherung haben wir von Anfang an an einen Dienstleister vergeben und an die Beschäftigten abgetreten, so dass die DBU sie nicht mehr bewirtschaftet.

Wie sehen Ihre Investments in Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien konkret aus?

Michael Dittrich: Wir investieren seit Jahren in solche Anlagen. Mit unserem Ausstieg aus der Kohle vor sieben Jahren haben wir diese Investitionen deutlich verstärkt. Heute machen Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien etwa 4 Prozent unseres Portfolios aus. Wir wollen diese Investments weiter ausbauen, vor allem in Deutschland, aber auch in Europa und teilweise in Schwellenländern. Der zügige Ausbau der erneuerbare Energien ist im Hinblick auf den Klimaschutz und den Ausstieg aus fossilen Energien unverzichtbar. Der Investitionsbedarf in solche Anlagen ist weltweit so groß, dass die Mittel der öffentlichen Hand allein nicht ausreichen werden. Wir brauchen daher privates Kapital für solche Anlagen, aber unter vernünftiger Berücksichtigung von Renditeaspekten und des Risikomanagements. Sonst werden wir das Pariser Klimaziel nicht erreichen. Nehmen wir das Beispiel Indien ein aufstrebendes Land mit 1,4 Milliarden Menschen. Die dortige Stromerzeugung ist zu 70 Prozent kohlebasiert. Gleichzeitig ist Indien der fünftgrößte Produzent erneuerbarer Energien weltweit, aber es sind dort auch 280 Kohlekraftwerke in Betrieb und weitere 30 im Bau. Der Anteil der Kohleenergie in Indien sinkt zu langsam. Das Land braucht künftig auch viel mehr Strom als heute, die Regierung rechnet mit einer Verdoppelung des Bedarfs in den nächsten 20 Jahren. Zudem muss Indien sein Stromleitungsnetz ausbauen. Ohne Investorenkapital wird beides wie in anderen Schwellenländern nicht zu stemmen sein.

Welche Erfahrungen hat die DBU mit Investitionen in erneuerbare Energien in Schwellenländer gemacht?

Michael Dittrich: Es bestehen leider noch zahlreiche Hemmnisse für solche Investitionen, obwohl die natürlichen Rahmenbedingungen für Investitionen in Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien viel besser sind als etwa in Deutschland. Die Sonneneinstrahlung ist zum Beispiel in vielen Schwellenländern viel höher als bei uns. Ein Hemmnis für Anlagen zur Herstellung erneuerbarer Energien sind die hohen Zinsen für Kredite in diesen Ländern. Auch sind die Laufzeiten von Krediten häufig nicht lang genug für Energieanlagen. Hinzu kommen Probleme mit den heimischen Währungen in Schwellenländern, wenn in Dollar abgerechnet wird. Ein weiteres Hemmnis sind die Beharrungskräfte der fossilen Energien. Diese schaffen Arbeitsplätze, weshalb die Menschen vor Ort sie erhalten wollen. Auch existiert ein Ausfallrisiko. Beispielsweise ist die DBU derzeit in einem Fonds mit 16 Projekten für erneuerbare Energie in verschiedenen Schwellenländern investiert. Davon laufen 13 Projekte gut, die drei anderen wackeln oder laufen schlecht – aus verschiedenen Gründen wie Korruption oder Zahlungsausfällen. In einem früheren Fonds hatten wir auch Ausfälle durch Bürgerkrieg. So große Risiken einzugehen rechtfertigt sich für einen institutionellen Investor unter Marktbedingungen nur dann, wenn hohe Erträge in zweistelliger Höhe locken. Realistisch sind aber nur 4 bis 5 Prozent.

Wie lässt sich das Ausfallrisiko für Investoren absichern?

Michael Dittrich: Zum Beispiel durch eine breite Streuung des Anlagerisikos über viele Projekte in einem Green Bond. Wir kennen in Schwellenländern Projekte im Rahmen von Public Private Partnerships, an denen auch öffentliche Investitionsbanken wie die Europäische Investitionsbank beteiligt sind. Diese tragen dann das Risiko anderer Investoren bis zu einer bestimmten Höhe. Ein anderes Beispiel ist ein Projekt für Solarcontainer in Mali. Dafür übernimmt das Bundeswirtschaftsministerium eine Bürgschaft in Höhe von 95 Prozent des investierten Kapitals. Wenn wir privates Kapital in diese Regionen und in solche Projekte lenken wollen, brauchen wir Konditionen, die das Risiko für die Investoren akzeptabel machen. Wir haben mit derartigen Projekten gute Erfahrungen gemacht, auch wenn nicht alles reibungslos verläuft. Doch die Ausfälle sind in der Regel geringer, als viele Außenstehende annehmen. Letztlich ist die Betreuung eines solchen Investments aufwendig, deshalb halten wir nur wenige davon. Ein Beispiel ist ein Fonds  an dem die DEG, die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, beteiligt ist. Diese prüft die Projekte in Schwellenländern, während wir Anlagen für die Erzeugung erneuerbarer Energien in Deutschland und Europa selbst prüfen und investieren.

Eignen sich Anlagen für die Herstellung erneuerbarer Energien in Schwellenländern als Investitionsziele für Pensionseinrichtungen?

Michael Dittrich: Grundsätzlich lassen sich die angestrebten Renditen solcher Investoren in Schwellenländern erzielen, denn die Anlagen sind konkurrenzfähig. Allerdings können Störfaktoren auftreten, zum Beispiel plötzliche Gesetzesänderungen oder fehlende Rechtssicherheit bei der Durchsetzung von Forderungen. Auch Korruption und Misswirtschaft treten immer wieder auf, was auch unter ESG-Aspekten schwierig ist. Bis jetzt lassen sich diese Risiken noch nicht adäquat über entsprechende Renditen abbilden. Deshalb spreche ich mich zumindest in einem Übergangszeitraum für eine Risikoabdeckung durch Institutionen aus, die die Transformation in Schwellenländern befördern wollen. Nur so lassen sich institutionelle Anleger wie Pensionskassen, die wie alle institutionelle Anleger sehr empfindlich auf Ausfallrisiken reagieren, für Investments gewinnen. Allein würden sie solche Risiken nicht eingehen. Doch wir müssen Wege finden, um auch privates Kapital in die schnell wachsenden Länder zu lenken, sonst werden wir die globale Transformation und den Kampf gegen den Klimawandel nicht gewinnen. In Deutschland werden wir die Transformation und die Energiewende schaffen, aber wir brauchen auch Kapital für die Transformation in den Schwellenländern. Ich hoffe auf die kommende Regulierung, die EU-Taxonomie und darauf, dass dann globale Lieferketten und deren Beteiligte durch eine einheitlichere Berichterstattung und eine Definition der Nachhaltigkeitskriterien transparenter werden.

Rendite oder Impact – was ist für ein Investment der DBU ausschlaggebend?

Michael Dittrich: Die Rendite kommt klassischerweise aus dem magischen Dreieck aus Ertrag, Risiko und Liquidität. Damit lässt sich feststellen, ob sich eine Anlage lohnt oder nicht. Da Nachhaltigkeit für uns als Stiftung ein Satzungsziel ist, haben wir aus dem magischen Dreieck ein Viereck gemacht. Das heißt nicht, dass die Nachhaltigkeit die Faktoren Ertrag, Risiko und Liquidität dominiert. Aber ebenso, wie wir manche Investitionen etwa aus Risikoaspekten nicht tätigen, investieren wir an anderen Stellen auch nicht, wenn uns die Nachhaltigkeit fehlt. An dieser Stelle existiert ein Spannungsfeld. Wenn ich als Investor zum Beispiel besonders auf einen niedrigen CO2-Fußabdruck und auf mein Nachhaltigkeitsrating achte, dann verderben mir zum Beispiel Energiekonzerne und Zementstoffhersteller die Nachhaltigkeitsbilanz meines Portfolios. Doch statt eines kompletten Ausstiegs bevorzugen wir ein Untergewichten solcher Titel. Ich halte es für sinnvoll, solche Unternehmen anzuschauen, die unter Klimaschutzaspekten heute noch schlecht dastehen, aber eine glaubhafte Transformationsstrategie verfolgen. Es ist dann sinnvoll, Kapital für die Transformation zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Prämisse können dann auch Firmen aus kritischen Branchen Bestandteil eines klimafreundlichen Portfolios sein.

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