Bob C. Doll, Chief Equity Strategist bei Nuveen wagt einen US-Investment-Ausblick für das begonnene Jahr.

Nach dem Corona-Jahr 2020 wird sich 2021 einiges an den Märkten ändern. Was Investoren in diesem Jahr erwartet und worauf sie zu achten haben, fasst Bob C. Doll in den folgenden zehn zukunftsweisenden Aussagen zusammen.

1. Das reale BIP der USA wächst so schnell wie seit zwanzig Jahren nicht mehr.

Doll erwartet, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr expandieren wird. Hauptsächlich solle dies im dritten oder vierten Quartal geschehen. Natürlich gäbe es noch immer Branchen, die an den Pandemie-Folgen leiden, wie beispielsweise die Reisen-, Freizeit- und Unterhaltungsbranche.

Jedoch haben auch viele Sektoren von Covid profitiert, dazu zählen der Technologiesektor und das Gesundheitswesen. Der Konsens für die BIP-Prognose im Jahr 2021 läge bei 3,8 Prozent. Doll geht davon aus, dass das BIP um mehr als 4 Prozent wachsen werde.

2. Die Inflation nähert sich der Zwei-Prozent-Marke, während die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen 1,5 Prozent erreicht.

Während die allgemeine Erwartung sei, dass Zinssätze und Inflation steigen werden, sieht Doll die Zielwerte für das Jahr 2021 entsprechen den Konsenswerten für das Jahr 2022. Ein Schlüsselfaktor sei die veränderte Politik der Federal Reserve, ein durchschnittliches Inflationsniveau und nicht einen Inflationsspitzenwert anzustreben.

Laut der Analyse sollen höhere Rohstoffpreise, ein schwacher US-Dollar und sektorale Bewegungen innerhalb der Aktienmärkte zu höheren Zinsen führen und auf eine Inflation hindeuten.

3. Der U.S. Dollar sinkt auf ein Fünfjahrestief.

Der Kurs des Dollars ist zurückgegangen. Jedoch hat er sich nur vom oberen zum unteren Ende seiner fünfjährigen Handelsspanne bewegt. Die schlechtere US-Zahlungsbilanz und niedrige Netto-Sparquote verbunden mit der Erwartung, dass sich das globale Wachstum schneller erhole als das US-Wachstum, führe zu Dolls Annahme, dass der US-Dollar im Jahr 2021 unter diese Handelsspanne fallen wird. Dies sei der Fall wenn sich der handelsgewichtete US-Dollar-Index 85 nähert.

4. Aktien erreichen das zwölfte Jahr in Folge ein Hoch, können aber mit dem starkem Gewinnwachstum nicht Schritt halten.

Da der US-Aktienmarkt seit 2009 jedes Jahr einen Höchststand erreicht hat, erwartet der Experte von Nuveen das auch dieses Jahr – trotz der Pandemie. Jedoch sei auch wichtig zu beachten, dass die Kurse von US-Aktien seit dem Tiefstand im März um knapp 70 Prozent gestiegen seien und diese Erholung teilweise vom aktuellen Jahr „geborgt“ wäre. Aktien scheinen zwar im Vergleich zu anderen Vermögenswerten nicht überteuert, im Vergleich zu ihren historischen Niveaus jedoch schon.

5. Aktien übertrumpfen Barmittel, aber Barmittel übertrumpfen Staatsanleihen zum ersten Mal seit dem Jahr 2013.

Optimismus bei Aktien, Zurückhaltung bei zinssensitiven Wertpapieren, rät Doll den Investoren. Er erwartet, dass Aktien in diesem Jahr besser abschneiden werden als Barmittel und Barmittel besser als US-Staatsanleihen. Aktien könnten im Jahresverlauf stagnieren und trotzdem besser performen als Barmittel, da Aktien derzeit höhere Renditen erreichen.

6. Value-, Small- und Nicht-US-Aktien (insbesondere Emerging-Markets-Titel) schneiden besser ab als Growth-, Big- und U.S.-Aktien.

Lange lagen laut Doll US-Large Cap- und Wachstumsaktien in den Märkten vorne. Er schätzt ein, dass Nicht-US-, Small-Cap- und Value-Aktien weiterhin ein Hoch erfahren werden.
Diese Entwicklung werde nicht gradlinig verlaufen, aber die vergleichsweise niedrige Bewertung von Nicht-US-Werten, Small-Caps und Value-Titeln verbunden mit voraussichtlichen Konjunktur- und Gewinnverbesserungen sollte diesen Trend beschleunigen.

7. Gesundheitswesen und Finanzwerte performen besser als Energie und Versorger.

Der Gesundheitssektor biete Investoren ein gutes Gewinnwachstum und angemessene Bewertungen. Vorausgesetzt, es entwickele sich kein politischer Gegenwind. Finanzwerte scheinen unterbewertet zu sein und der Experte erwartet, dass das Kreditwachstum wieder zunehme.

Die Branchen Energie und Versorger sehen weniger lukrativ aus. Bei Energie sei das Angebot stark und die Nachfrage schwach und im Bereich Versorger käme eine allgemeine zyklische Gewinnmitnahme zusammen mit einer bescheidenen Inflation und einem Zinsanstieg.

8. Die US-Staatsverschuldung steigt auf ihr Allzeithoch von mehr als 100 Prozent des BIP.

Die Pandemie hat viele staatliche Hilfen und Konjunkturprogramme ausgelöst. Dadurch sei das Haushaltsdefizit der USA von 5 Prozent des BIP im Jahr 2019 auf 15 Prozent im Jahr 2020 gestiegen. Doll geht davon aus, dass die Verschuldung im kommenden Jahr erneut 100 Prozent des BIP übertreffen wird. Auch soll sie mit zunehmenden Ausgaben und höheren Zinsen weiter rapide steigen.

9. Der Kalte Krieg zwischen den USA und China geht weiter, aber die Verhandlungen werden ruhiger und multilateraler.

Obwohl sich ihre Ansätze unterscheiden, teilen laut Doll Republikaner und Demokraten ihre Sorge über Chinas Ambitionen. Eine der Prioritäten von Präsident Biden sollte sein, das Thema multilateral anzugehen, im Gegensatz zum unilateralen Ansatz von Präsident Trump. Die Beziehungen zwischen den USA und China werden die Kapitalmärkte auch in den kommenden Jahren erheblich beeinflussen, so der Experte.

10. Trotz der Polarisierung durch den noch aktuellen Präsidenten werden Präsident Biden und moderate politische Kräfte Gesetzeskompromisse erreichen.

Die knappe Mehrheit der Demokraten im Senat begünstigt eine kompromissbereite Regierung. Der Experte erwartet ein Infrastrukturpaket sowie Reformen der Steuerpolitik und des Mindestlohns. Unwahrscheinlich ist, dass progressivere Maßnahmen der Demokraten wie der “Green New Deal” verabschiedet werden.

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