Die Deckungsgrade der Pensionskassen waren Ende 2021 dank guter Börsenlage so hoch wie nie zuvor. Die soliden Reserven ermöglichten den Sinkflug beim technischen Zins zu stoppen. Die Umwandlungssätze gehen derweil weiter zurück.

Für Schweizer Pensionskassen war 2021 ein erfolgreiches Jahr. Die Vorsorgeeinrichtungen erwirtschafteten eine Nettorendite von durchschnittlich 8,4 Prozent. Dies ist das zweitbeste Ergebnis der letzten Dekade und liegt deutlich über dem Zehn-Jahres-Schnitt von 5,4 Prozent. Die über die letzten Jahre erwirtschafteten hohen Renditen setzten die Kassen gezielt ein, um ihre finanzielle Lage zu verbessern. Diese komfortable Ausgangslage verschafft ihnen nun mehr Handlungsspielraum – insbesondere bei der Verzinsung der Altersguthaben. Aktiv Versicherte profitierten von einer höheren Verzinsung – über alle Kassen gesehen lag diese 2021 mit durchschnittlich 4,25 Prozent so hoch wie letztmals im Jahr 2001. Dies zeigt die 22. Ausgabe der Swisscanto Pensionskassenstudie.

Deckungsgrade waren noch nie so hoch wie Ende 2021

Die Deckungsgrade von privatrechtlichen Kassen lagen im Schnitt bei über 122,1 Prozent, das sind 6 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Insbesondere die positive Entwicklung am Aktienmarkt war hierfür verantwortlich. Mit diesem Wert haben die Kassen Ende 2021 erstmals die selbstgesetzten Zielgrössen bei den Wertschwankungsreserven von 18,5 Prozent übertroffen. Und dies, obwohl die Stiftungsräte die Vorgaben für den Durchschnittswert für die privatrechtlichen Vorsorgeeinrichtungen seit 2012 von 15,9 auf 18,5 Prozent erhöht haben. Dadurch verfügen die Kassen über freie Mittel für Leistungsverbesserungen. Die aktuelle Marktlage hat allerdings dazu geführt, dass die Deckungsgrade bis Ende März 2022 mit 117,3 Prozent wieder leicht unter die Zielgrösse gesunken sind.

Verzinsung der Altersguthaben variiert stark

Bei der Verzinsung der Altersguthaben hat sich allerdings eine Zweiklassengesellschaft herausgebildet: Pensionskassen, die ihre Wertschwankungsreserven bereits über 75% geäufnet haben, vermochten die Altersguthaben ihrer Versicherten doppelt so hoch zu verzinsen wie Kassen mit tieferen Reserven. Für die Musterschüler unter den Pensionskassen ist der Weg frei für eine Trendwende: Sie können künftig die Altersguthaben ihrer aktiv Versicherten höher verzinsen. Das Nachsehen haben Versicherte von Kassen, die mit der Umsetzung ihrer Hausaufgaben im Verzug stehen. Sind die Reserven zu wenig geäufnet, wird ihr Pensionskassenguthaben lediglich unterdurchschnittlich verzinst. Für Versicherte spielt es eine entscheidende Rolle, bei welcher Kasse sie über ihren Arbeitgeber versichert sind.

Umwandlungssätze gehen weiter zurück

Die soliden Reserven ermöglichen zudem eine Trendumkehr beim technischen Zinssatz. Dieser orientiert sich an der empfohlenen Obergrenze der Schweizerischen Kammer der Pensionskassen-Experten und zeigt, mit welchen langfristigen finanziellen Verpflichtungen die Einrichtungen kalkulieren. 2021 empfahlen die Expertinnen und Experten aufgrund ihrer Berechnungen, den Satz angesichts der steigenden Zinsen zu erhöhen; 2022 könnte eine weitere solche Empfehlung folgen. Damit liegen die aktuellen durchschnittlichen technischen Zinssätze neu unter der empfohlenen Obergrenze – die Kassen schätzen ihre Rentenversprechen demnach realistisch ein. Der Umwandlungssatz dürfte hingegen weiter sinken, wie die Zahlen der Pensionskassenstudie zeigen: für Männer mit Rentenalter 65 von durchschnittlich 5,43 Prozent im Jahr 2022 auf 5,25 Prozent im Jahr 2026.

Kassen können ihre Leistungsversprechen erfüllen

Die Pensionskassen haben die ertragsreichen Jahre also genutzt, und den technischen Zinssatz angepasst, die Wertschwankungsreserven geäufnet, auf Generationentafeln umgestellt, den Umwandlungssatz gesenkt und das Pensionierungsalter erhöht. Gemäss Heini Dändliker, Leiter Key Account Management Firmenkunden Schweiz bei der Zürcher Kantonalbank, sind die Kassen fit und können ihre Leistungsversprechen erfüllen: «Wir sehen eine Trendwende, indem die Umverteilung von aktiven Versicherten zu Rentnern endlich gestoppt werden konnte. Höhere Renten geraten in Sichtweite.»

Top-Kassen machen über zehn Mal so viel Rendite wie andere

Bei der Performance der Kassen ist die Spannbreite zwischen tiefsten und höchsten Renditen sehr gross – ein Trend, der sich in der Studie seit Jahren abzeichnet. 2021 lag der niedrigste Wert bei 1,34 Prozent; die beste Kasse erreichte mit 15,97 Prozent eine über zehn Mal so hohe Rendite. Dies zeigt sich auch in der mittleren Frist über fünf Jahre betrachtet: Das Zehntel der Kassen mit der tiefsten Performance konnte pro Jahr eine Rendite von 3,88 Prozent erwirtschaften; das erfolgreichste Zehntel kommt auf eine Rendite von jährlich 7,21 Prozent. Ursachen für diese Differenzen sind gemäss Studie strukturelle Gründe, wie etwa Kassengrösse, Brancheneigenheiten und Vermögensallokation. Und Iwan Deplazes, Leiter Asset Management bei der Zürcher Kantonalbank weiss: «Anlagen bleiben das Lebenselixier für Pensionskassen. Die richtige Anlagestrategie ist angesichts der aktuellen Marktlage wichtiger denn je.»

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »