Corona hat die Innovationstätigkeiten der Schweizer Unternehmen nicht gebremst, sondern viel eher beflügelt. Doch Innovation bedingt qualifiziertes Personal und an diesem mangelt es bereits.

Verwaltungsrätinnen und Verwaltungsräte sehen im Fachkräftemangel aktuell das grösste Hindernis für den wirtschaftlichen Erfolg. Geschicktes Personalmarketing und aktives Talentmanagement geniessen deshalb höchste Priorität. Zudem gewinnen Kooperationen an Bedeutung, vor allem mit anderen Unternehmen und mit Hochschulen. Gefordert ist nach Meinung der über 400 befragten Verwaltungsratsmitglieder aber auch die Politik. Sie muss die Rahmenbedingungen verbessern. Das geht aus dem neuen swissVR Monitor von Deloitte hervor.

Schweizer Unternehmen haben den Stellenwert der Innovation erkannt

Innovation ist der Treiber der Schweizer Wirtschaft. Das Land verfügt über wenig Rohstoffe und das Preisniveau ist hoch. Wer in der Champions League der Weltwirtschaft mitspielen will, muss innovativ sein – sei es auf der Ebene von Produkten und Dienstleistungen oder in Bezug auf Geschäftsmodelle und Prozesse. Schweizer Unternehmen haben den Stellenwert der Innovation erkannt: Der aktuelle swissVR Monitor lässt darauf schliessen, dass die hiesige Wirtschaft Innovationswillen hat. Die Befragung des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte, der Hochschule Luzern und der Verwaltungsratsvereinigung swissVR misst VR-Mitgliedern halbjährlich den Puls. Im Fokus der elften Ausgabe steht das Thema Innovation.

Pandemie war keine Innovationsbremse

Die Pandemie hat die Innovationsaktivitäten beflügelt: 19 Prozent der befragten Unternehmen haben ihre Aktivitäten im Laufe der Corona-Krise ausgebaut. 32 Prozent haben zudem ihren Innovationsfokus neu ausgerichtet und beispielsweise Digitalisierungsprojekte umgesetzt. Nur gerade 2 Prozent der Befragten haben ihre Innovationstätigkeit zurückgefahren, immerhin 7 Prozent haben diese vorübergehend eingefroren. Die Digitalisierung und damit verbundene Themen wie Robotik und Automation waren 2021 wie bereits im Vorjahr auch das Top-Traktandum in den Verwaltungsräten. Das dürfte sich aber noch dieses Jahr ändern.

Fachkräftemangel rückt in den Mittelpunkt

Der Fachkräftemangel rückt in den Mittelpunkt, wie die Befragung zeigt. Laut den 413 befragten VR-Mitgliedern wird das Thema Talente in den nächsten 12 Monaten den Ton angeben. Deshalb möchte die Mehrheit den Fokus noch stärker auf das Gewinnen von innovativen und gut ausgebildeten Mitarbeitenden richten: 57 Prozent der VR-Mitglieder sehen Verbesserungspotenzial bei der Rekrutierung und Ausbildung von qualifiziertem Personal.

Unzufrieden mit der Politik

Bei der Rekrutierung sind die Unternehmen auch stark von den wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen abhängig. 69 Prozent erhoffen sich von der Politik Lösungen, um den Fachkräftemangel einzuschränken. Gelingt dies nicht, könnte der wirtschaftliche Aufschwung gebremst werden. Die geschäftlichen Aussichten werden von VR-Mitgliedern aktuell um 9 Prozentpunkte weniger optimistisch beurteilt als bei der letzten Befragung vor einem halben Jahr (66% versus 75% positive Erwartungen).

«Qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten, stellt für Unternehmen die oberste Priorität dar, denn diese sind ausschlaggebend für ihre Innovationskraft», sagt Reto Savoia, CEO von Deloitte Schweiz. Steuerliche Anreize oder öffentliche Fördermittel könnten dabei hilfreich sein. Und er ergänzt: «Sie sind aber kein ausreichender Hebel für Innovation. Um den Fachkräftemangel zu entschärfen, müssen Unternehmen, Politik und Ausbildungsstätten an einem Strang ziehen.»

Verwaltungsräte müssen Innovation anstossen

Qualifizierte Mitarbeitende, eine offene Unternehmenskultur und Unterstützung durch die Geschäftsleitung – das sind aus VR-Sicht die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren für Innovation. Die finanziellen Mittel sind für wenige ein Problem. Handlungsbedarf besteht aber bei den internen Prozessen: 45 Prozent der VR-Mitglieder sehen im Silodenken ein grosses Hindernis bei der Entwicklung neuer Produkte und innovativer Dienstleistungen.

Doch auch der Verwaltungsrat selbst muss aktiv werden: Bei der Innovationskompetenz im Gremium gibt es ebenso Verbesserungspotenzial wie beim Austausch mit den Entwicklungsabteilungen. 30 Prozent der Verwaltungsratsmitglieder tauschen sich nicht oder kaum mit den zuständigen Personen in ihrem Unternehmen aus. Rund ein Viertel der Gremien verfügt über kein VR-Mitglied mit Innovationskompetenz und für ebenso viele ist dies auch kein Auswahlkriterium bei der Ernennung neuer Geschäftsleitungsmitglieder. «Es braucht mehr Innovationskompetenz in den Verwaltungsräten. Der VR muss entsprechend qualifizierte Mitglieder an Bord holen und als Katalysator für Innovationsprojekte wirken», sagt Christoph Lengwiler, Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern.

Kooperation ist für Innovation unabdingbar

Innovation funktioniert heute nicht mehr im Alleingang. Es braucht die richtigen Leute und vor allem auch die richtigen Partner. Der swissVR Monitor zeigt weiter: Die Kooperation mit externen Organisationen ist mindestens so wichtig wie die eigene Forschungsabteilung. Ein beachtlicher Anteil der Befragten setzt auf die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen (51%), Hochschulen und Forschungsinstituten (40%) sowie Investitionen auf in Start-ups (18%).

Die externe Sicht auf Innovationsthemen gewinnt denn auch zunehmend an Bedeutung. «Open Innovation» ist im Kommen: 38 Prozent spannen mit externen Stakeholdern wie Kundinnen und Kunden zusammen. Auch externe Beraterinnen und Berater (41%) werden verstärkt in Innovationsprozesse einbezogen. «Die Zukunft der Innovation liegt in der Kooperation. Unternehmen müssen sich mit anderen Akteuren aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammentun. Auch innerhalb der Unternehmen ist eine Zusammenarbeit über verschiedene Abteilungen und Silos nötig, denn Innovation entsteht oft an Schnittstellen. Im Alleingang geht es nicht mehr», sagt Cornelia Ritz Bossicard, Präsidentin swissVR.

Über den swissVR Monitor

Die aktuelle Umfrage wurde im Zeitraum vom 1. Dezember 2021 bis zum 10. Januar 2022 durchgeführt. Die 413 Teilnehmenden repräsentieren sowohl Verwaltungsratsmitglieder von börsenkotierten Unternehmen als auch von kleinen und mittelgrossen Unternehmen und stammen aus allen relevanten Branchen der Schweizer Wirtschaft.

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