Das beitragsorientierte Vorsorgesystem setzt sich immer mehr durch. Das führt dazu, dass die Rentenleistungen den Renditen folgen. Um ausreichende Renditen zu erzielen, müssen Asset Manager von Pensionskassen immer innovativer werden. Wie ist das möglich?

Die Anlageverantwortlichen von Schweizer Pensionskassen sind bei ihren Investments an die Anlagerichtlinien der BVV2 gebunden. Während Kritiker finden, diese liefere zu wenig Spielraum, um damit ausreichende Renditen erzielen zu können, finden Befürworter, der Anlagespielraum reiche aus, wenn man ihn nur genügend ausnutze. Die Anlagechefs verschiedener Anlageklassen bei den drei Schweizer Vorsorgeeinrichtungen Publica, ASGA Pensionskasse und Migros-Pensionskasse tauschten sich dazu am institutional assets Swiss Pension Forum in Zürich aus.

Investitionen sind an die Anlagerichtlinien der BVV2 gebunden

Die Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge BVV 2, basierend auf dem Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge BVG, gibt die Anlagerichtlinien für Pensionskassen in der Schweiz vor. Danach gelten für die einzelnen Anlagekategorien bezogen auf das Gesamtvermögen folgende Begrenzungen: 100 Prozent für Forderungen in Schweizer Franken und Fremdwährung, wobei maximal 10 Prozent pro Schuldner; 50 Prozent für Schweizer Grundpfandtitel und Pfandbriefe, wobei maximal 10 Prozent pro Schuldner; 50 Prozent für Aktien Schweiz und Aktien Ausland, wobei maximal 5 Prozent pro Beteiligung; 30 Prozent für Anlagen in Immobilien, wobei maximal 5 Prozent pro Immobilie und maximal ein Drittel im Ausland; 15 Prozent für alternative Anlagen; 30 Prozent total für Fremdwährungen ohne Währungsabsicherung, und seit 2020, gut 10 Prozent für Anlagen in Infrastruktur. Geschaffen wurden diese Begrenzungen, um sicherzustellen, dass die Vorsorgegelder ausreichend diversifiziert angelegt und mögliche Marktverluste eingegrenzt würden. Ist das angesichts des heutigen Anlageumfelds noch angebracht? Wie investieren Schweizer Pensionskassen ihre Gelder üblicherweise?

Umschichtungen zwischen den Anlageklassen sollen es richten

Im Mehrjahresvergleich zeigt sich, dass Schweizer Pensionskassen auf das Anlageumfeld reagiert haben. So haben sie die Aktienquote von 30,7 Prozent im Jahr 2016 auf 32,7 Prozent 2020 angehoben. Auch der Immobilienanteil ist von 22,5 auf 24,4 Prozent gestiegen, und der Anteil an Hypotheken hat sich von 1,2 auf 1,5 Prozent erhöht. Der Anteil an Alternativen Anlagen ist dagegen leicht zurückgegangen, von 6,3 auf 6,0 Prozent, ebenso wie Darlehen, von 1,0 auf 0,7 Prozent. Der Obligationenanteil hat sich deutlich reduziert, von 32,4 auf 28,9 Prozent letztes Jahr. Das geht aus der Swisscanto Pensionskassenstudie 2021 hervor.

Doch das reicht kaum aus, um die bestehenden Rentenverpflichtungen aus den am Kapitalmarkt erzielten Renditen zu erfüllen. Die sich daraus ergebende Deckungslücke wird deshalb vielfach von den heutigen Erwerbstätigen querfinanziert. Die Umverteilung weg von den aktiven Versicherten hin zu den Rentnern und damit das Endvermögen der Versicherten werden von der Asset Allokation stark beeinflusst. Deshalb sollte sich diese ändern, und Pensionskassen sollten aggressiver investieren, wie Experten raten.

Anlage-Limiten können begründet erhöht werden

Die Pensionskasse Publica etwa will tendenziell weg von den Nominalwerten, und vermehrt in Sachwerte investieren, wie Stefan Beiner, Leiter Asset Management und Stv. Direktor bei der Pensionskasse des Bundes Publica erklärt. Er denkt dabei an Rohstoffe und Edelmetalle, doch genau wüssten sie es noch nicht. Für ihn ist klar, dass die Realwirtschaft in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren ein grösseres Wachstum erfahren wird als die Finanzwerte. Auf Realwerte in Form von Immobilien setzt auch die Pensionskasse ASGA, wie Peter Pickel, Leiter Immobilien, sagt. Dies, obwohl die Netto-Cashflow-Renditen in der Schweiz sinken. Doch er fügt an: «Die Wertänderungsrenditen werden stattlich ausfallen. Wir sind zufrieden.»

Stefan Beiner, Quelle FAZ Business Media Verlag

Liegt eine Lösung also in noch mehr Immobilien? Tatsächlich können Pensionskassen die Anlage-Limiten gemäss BVV2 umgehen, wenn die Vermögensanlagen sorgfältig ausgewählt, bewirtschaftet und überwacht werden, der Vorsorgezweck gewährleistet und die Risikoverteilung angemessen ist (vgl. Artikel 50 Absatz 4 BVV 2).

Pickel erklärt, in welchen Bereichen sie weitere Immobilieninvestitionen sehen: Wohnimmobilien Deutschland und Schweiz, Aktien, wo eine Korrelation zu Geschäftsimmobilien bestehe, und vereinzelt auch in der Industrie. Auch Reto Schaer, Leiter Immobilien Schweiz bei der Migros-Pensionskasse, hält Wachstum im Immobilienbereich für möglich. Er spricht von selektiven Zukäufen und verweist auf den Umstand, dass die Migros genossenschaftlich organisiert sei. So lasse sich beispielsweise ein Wohnturm auf einen Supermarkt obendrauf setzen. Sie könnten also Verdichtungen vornehmen.

Peter Pickel Quelle FAZ Business Media Verlag

Und wie stehen Schweizer Pensionskassen zu ESG?

2018 haben 166 Persönlichkeiten aus dem Bereich der Eidgenössischen Technischen Hochschule die Pensionskasse Publica aufgefordert, ihre Investitionen in klimaschädliche Unternehmen aufzugeben. Sie haben Massnahmen innerhalb der nächsten fünf Jahre verlangt. Umweltverbände haben die Pensionskassen immer wieder vor einer sogenannten ‘Carbon Bubble’ gewarnt, welche Vorsorgegelder gefährden könnte. Denn für die Fachleute stellen Investitionen im fossilen Sektor nicht nur ein grosses ökologisches Risiko dar, sondern auch ein erhebliches finanzielles. Die Publica meinte damals, das Thema Risikoanalyse sei ihr sehr wichtig. 2016 habe sie beispielsweise alle Kohleproduzenten aus ihrem Portefeuille verbannt. 2018 war sie daran, die Stromunternehmen, in welche investiert werden sollte, auf deren Klimaverträglichkeit hin zu überprüfen. Wie sieht es heute aus?

Publica habe bezüglich ihrer ESG-Anlagestrategie sieben Säulen definiert, wie Beiner ausführt. Er spricht von Fokusthemen wie Klimawandel und Klimaeffizienz, von Impact Investing, wo es hohe Transparenz brauche, von Dateneffizienz, und vom Engagement im Verbund mit anderen grossen Investoren. Er weist aber auch darauf hin, dass es teilweise externe Berater für diese Prozesse brauche, wo die Inhouse Ressourcen nicht ausreichten. Schaer wiederum erklärt, dass die Migros-Pensionskasse mehr in Infrastruktur investieren und ihr Engagement erhöhen wolle. Er erwähnt auch den Austausch von Gas- und Ölheizungen in ihren Liegenschaften, und dass man bereits 70 Liegenschaften mit Fotovoltaik ausgerüstet habe. Auch wolle man in den Ausbau von Elektro-Aufladestationen investieren. Pickel ergänzt, dass auch sie bei ihren Immobilienanlagen ESG-Kriterien berücksichtigen würden, etwa im Bereich CO2-Emissionen. Risiken sehen aktuell jedoch alle drei Pensionskassen in der steigenden Inflation, und in einer möglichen Zinswende.

Reto Schaer, Quelle FAZ Business Media Verlag

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