Die Zerstörung der Umwelt und die Klimaerwärmung gehören zu den dringlichsten Problemen der Menschheit. Zu deren Lösung soll auch die Finanzindustrie beitragen, indem sie Anreize für nachhaltiges Investieren setzt. Das schafft auch neue Renditemöglichkeiten.

Nachhaltiges Investieren wird von der Finanzindustrie als neuer Wachstums- und Renditetreiber gefeiert. Neue Asset-Klassen verlangen aber auch nach mehr Wissen und einer gewissen Erfahrung. Darüber diskutierten Nachhaltigkeitsexperten und Asset Manager auf dem institutional assets Swiss Pension Forum in Zürich.

Ist nachhaltiges Investieren in der zweiten Säule gesetzlich verankert?

Wie gehen Pensionskassen mit der Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien um? Wie können die E- (für Environment), S- (für Social) und G- (für Governance) Kriterien ins Management von Pensionskassen integriert werden? Denn Schweizer Pensionskassen sind gesetzlich nicht dazu verpflichtet, ihre verwalteten Gelder nachhaltig zu investieren, wie Tamara Hardegger, Managing Director der Swiss Association for Responsible Investments (SVVKASIR), erklärt. Tatsächlich stammen bloss 8 Prozent des Anlagevolumens von Pensionskassen, die ihre Ziele auf das Pariser Klimaabkommen ausrichten. Die Klima-Allianz Schweiz hat dies anhand einer Untersuchung von 110 Vorsorgeinstitutionen ermittelt. Das bleibt nicht ohne Konsequenzen: Laut dieser Studie müssen Schweizer Pensionskassen innert 15 Jahren mit einem durchschnittlichen Verlust von 10 Prozent auf ihrem Vermögen rechnen. Die Ethos Stiftung fordert daher gesetzliche Massnahmen, damit Pensionskassen ihre Anlagepolitik nach Klimarisiken ausrichten. Hardegger leitet den Anspruch zum nachhaltigen Anlegen aus dem Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG), Artikel 1, ab. Demnach soll Rentnern mit der zweiten Säule die «Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise» ermöglicht werden. Für sie ist Nachhaltigkeit komplementär, denn Nachhaltigkeit zähle zur Lebensqualität.

Wie kann ESG in den Investment-Prozess einbezogen werden?

Lösungsansätze zur Frage, wie ESG-Kriterien im Investitionsprozess umgesetzt werden können, bietet Nina Roth, Director Responsible Investment bei BMO Global Asset Management. Sie zitiert zunächst eine YouGov-Studie zum Vertrauen von Endanlegern vom Juni 2020. Darin erklären 76 Prozent der Befragten, dass Investments ihrer Meinung nach die grösste positive Wirkung zeigen, wenn sie in Unternehmen eingebracht werden, die eindeutig daran arbeiteten, sich zu verändern, auch wenn sie noch nicht am Ziel sind. Nur 24 Prozent der Befragten sehen in der Vermeidung von Unternehmen, die sich noch verändern müssen, obwohl sie schon daran arbeiten, die grösste positive Wirkung. Als wesentlich erachtet Roth dabei die Kommunikation zwischen Unternehmen und Investoren.

Roth führt aus, wie sich BMO Global Asset Management bei Unternehmen engagiert: Strategisch, indem ESG-Fragen in die wirtschaftliche Argumentation mit einbezogen werden und das Engagement nach Möglichkeit auf der Verwaltungsrats- und Geschäftsleitungsebene eingebracht wird. Umfassend, indem das Engagement auf alle Regionen und Anlageklassen ausgeweitet wird. Wirkungsvoll – durch Hartnäckigkeit sowie die Überwachung von Ergebnissen. Entschlossen – durch die Unterlegung des Engagements mit klaren Eskalationsstrategien. Hier geht es etwa um die Bereitschaft, Stimmrechte als Eskalationsstrategie einzusetzen und – wenn nötig – gegen Beschlüsse der Geschäftsleitung zu stimmen. Und kooperativ, um dank der Zusammenarbeit mit anderen Investoren und Interessengruppen die Ziele zu erreichen.

Roth ergänzt, dass soziale Kriterien während der Covid-19-Pandemie ein stärkeres Gewicht erhalten haben. Die Pandemie habe deutlich gemacht, wie wichtig ein verantwortungsbewusstes Personalmanagement sei. Unternehmen würden danach beurteilt, was sie für die Sicherheit und das Wohlergehen ihrer Beschäftigten täten. Das wirke sich nicht nur auf die eigene Belegschaft aus, sondern auch auf Beschäftigte in den Lieferketten. Auch würde vermehrt ein Augenmerk auf die Vergütung von Führungskräften gelegt, wenn gleichzeitig Personal in Kurzarbeit ginge oder gar entlassen werde.

Wo liegen die aktuellen Trends beim nachhaltigen Investieren?

Anleger in Sachwerte sind auf dem Vormarsch! Ob Agrikultur und die Nahrungsmittelproduktion, CO2-Zertifikate, erneuerbare Energien, Forstwirtschaft, Infrastruktur oder Immobilien – das Investmentangebot bei den Secondaries über alle alternativen Anlageklassen hinweg wächst sprunghaft an. Christoffer Dahlberg, Head of Client Solutions Europe bei Stafford Capital Partners, zeigt auf, dass sich die Trends teilweise überholen. Habe man vor gut zehn Jahren noch vorwiegend auf Infrastruktur gesetzt, sei es vor etwa drei Jahren die Landwirtschaft gewesen, während heute Timber (Holz) die angesagte Anlageklasse sei. Die mögliche Rendite liege bei Real Assets zwischen 8 und 10 Prozent, die Dividende bei 4 bis 5 Prozent pro Jahr. Viele Alternatives wie etwa Infrastruktur seien heute aber schon ausgereizt, weshalb der Investitionsradius teilweise stark und unsinnig – etwa auf Vergnügungsparks – ausgeweitet werde. «Wichtig ist, das Risiko nahe bei der eigentlichen Anlageklasse zu halten», rät Dahlberg.

Forstwirtschaft als Rendite- und Nachhaltigkeitstreiber?

Dr. Ingo Marten, Partner Real Assets bei Stafford Capital Partners, führt einige Angebote aus. Etwa Wald-Fonds, deren Erträge «ganz ordentlich» seien. Er sieht darin einen Wachstumsmarkt aufgrund von «Makrotreibern» wie Inflation, Tiefzinsumfeld und Urbanisierung. Ausserdem sei Holz als Baustoff wesentlich klimaverträglicher als etwa Zement, und Bäume würden CO2 binden. Deshalb sei eine massive Aufforstung nötig. Hinzu komme, dass es weltweit hunderte von Milliarden an nicht investiertem Geld gebe, welches der Markt gar nicht unterbringe. Das ist reichlich Dry Powder – so nennt die Branche Geld, das sie bei professionellen Anlegern eingesammelt, aber noch nicht investiert hat. Nach den Risiken wie Dürren, Brände und Unwetter befragt, meint er, dass es sich dabei um speziell unterhaltene Forstflächen handle, wodurch solche Risiken eingegrenzt werden könnten.

Quelle FAZ Business Media Verlag

Impact Investing am Puls der Energiewende?

Auch Investments in Erneuerbare Energien wie Solar, Wasser und Wind würden gute Renditen liefern, sagen Michael Ebner, Geschäftsführer Asset-Klasse Sustainable Infrastructure, und Carsten Haubner, Portfoliomanager Infrastructure, KGAL Investment Management GmbH & Co. KG. Und sie propagieren das Impact Investing am Puls der Energiewende. Also das Investieren in Unternehmen, Organisationen und Fonds, um neben einer finanziellen Rendite eine messbare, positive ökologische Wirkung zu erzielen. Die beiden Asset Manager erläutern die Probleme, die sich ihrer Meinung nach aus dem European Green Deal ergäben. Sie sind überzeugt, dass aus dem ‘Net Zero 2050’-Ziel ein «Policy Gap» erwächst. Denn um dieses Ziel einhalten zu können, müsse man Energieträger ausserhalb des regulären Netzes zur Verfügung stellen, die schon «entcarbonisiert» seien. Also erneuerbare Energien – sonst erreiche man netto keines der anvisierten Ziele. Ebner spricht deshalb auch vom «kleinen halben Schritt», etwa bei Elektroautos, die zum Fahren Strom benötigten. Dies müsse grüner Strom sein, weshalb er Wasserstoff empfiehlt.

Haubner spricht sodann über das Investieren. «Um gute Renditen zu erzielen, muss man aggressiver – und aktiver – investieren», lautet seine Devise. Es reiche nicht aus, beispielsweise einfach einen Windpark zu kaufen und den dann vor sich hin produzieren zu lassen. Es gehe dabei vielmehr um «additionality», etwa darum, neue Energien zur Verfügung zu stellen. Das produziere Impact – und eine Nachhaltigkeitsrendite.

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