Das Vertrauen in die Schweizer Vorsorgewerke, die AHV und die Pensionskasse, schwindet. Anlass zur Sorge geben insbesondere die Pensionskassenrenten: Über 70 Prozent schätzen die Sicherheit der künftigen Renten als kritisch ein.

Fragt man Schweizer (konkret 700 Personen) danach, wie sie ihre Finanz- und Vorsorgesituation beurteilen, erhält man recht optimistische Antworten: Vier von fünf Befragten geben an, ihnen gehe es finanziell besser als vor einem Jahr. Ähnlich viele Befragte erwarten, dass sich ihre Finanzen in naher Zukunft sogar verbessern werden. Allerdings ist das Vertrauen in die 1. Säule AHV verglichen zum Vorjahr deutlich gesunken. Neu geht nur noch eine Minderheit davon aus, dass die AHV-Renten in Zukunft gleich sicher sein werden wie heute. Das zeigt der VZ Pensionierungs-Barometer 2021 (Studie nur als PDF verfügbar).

Noch mehr Anlass zur Sorge geben die Pensionskassenrenten: Über 70 Prozent schätzen die Sicherheit der künftigen Renten als kritisch ein. Trotzdem sind fast 90 Prozent der Befragten der Meinung, ihre Pensionierung problemlos finanzieren zu können. Ein Corona-Effekt? Denn im Frühjahr 2020 beherrschten noch Zukunftssorgen das Bild.

Zu erwartende Renten sind in den letzten zehn Jahren geschrumpft

Es scheint jedoch, dass viele Schweizer ihre finanzielle Situation im Alter als zu optimistisch einschätzen: Ein 55-Jähriger, der brutto 120.000 Franken verdient, konnte 2002 mit einer Rente aus AHV und Pensionskasse von 74.920 Franken rechnen. 2021 hingegen darf ein 55-Jähriger noch 59.780 Franken erwarten, wenn er mit 65 in Pension geht. Die prognostizierten Renten sind also um 20,2 Prozent gesunken, 2020 waren es noch 19,9 Prozent. Das bedeutet, dass zwischen 2002 und 2021 der Einkommensrückgang 15.140 Franken beträgt – 260 Franken mehr als noch 2020.

Tiefere Verzinsung und reduzierte Leistungen schmälern tatsächliche Renten

Noch unerfreulicher ist das Bild, wenn man die erwartete Rente mit der Rente vergleicht, die nach zehn Jahren effektiv ausbezahlt wurde. 2002 ging ein 55-Jähriger von 74.920 Franken aus. Tatsächlich sind zehn Jahre später aber nur 69.620 Franken geflossen. Das sind über 7 Prozent weniger. Dieser Trend hat sich verschärft: 2011 ging ein 55-Jähriger von 68.240 Franken aus, zehn Jahre später – heute – bekommt er nur 60.311 Franken. Das sind 11,6 Prozent weniger. Laut den Experten des VZ VermögensZentrum hat das mehrere Gründe: Im Obligatorium sank der Mindestzins von 4 auf 1 Prozent; in Zukunft könnten es sogar noch weniger sein. Auch sank der gesetzliche Umwandlungssatz schrittweise von 7,2 auf 6,8 Prozent. Dazu kommt, dass viele Pensionskassen den Umwandlungssatz von 6,8 Prozent nur im Obligatorium anwenden. Im Überobligatorium rechnen sie mit einem viel tieferen Satz. Die Folge ist ein «umhüllender» Umwandlungssatz, der bei vielen Pensionskassen schon auf unter 5 Prozent gefallen ist.

Vorsorgesystem erreicht die vorgegebenen Ziele immer weniger

Die Renten aus AHV und Pensionskasse sollten zusammen 60 Prozent des letzten Salärs ersetzen. Das Vorsorgesystem erreicht dieses Ziel aber immer weniger: Bei einem Mann, der brutto 100.000 Franken verdient, machen die Renten nicht einmal 54 Prozent des Lohnes aus, den er vor der Pensionierung bekam. 2002 jedoch betrugen die Renten aus AHV und Pensionskasse zusammen noch rund 62 Prozent des letzten Salärs. Die Einkommenslücke wird immer grösser.

Grossverdiener erleiden den grössten Schaden

Besonders viel Rente büssen jene ein, die über 86.040 Franken verdienen. Ein Teil ihres Lohnes ist im Überobligatorium versichert, wo einige Pensionskassen den Umwandlungssatz auf unter 5 Prozent gesenkt haben. Weitere Senkungen sind zu erwarten. Die AHV-Rente, die seit 2002 generell um rund 16 Prozent gestiegen ist, kann die sinkende Pensionskassenrente in den allermeisten Fällen nicht kompensieren. Die Einkommenslücke wächst weiter.

Womit müssen Schweizerinnen und Schweizer also in Zukunft rechnen? «Die Erfahrung aus der Vergangenheit und die aktuelle politische Diskussion zeigen, dass in zehn Jahren auch diese Rentenleistungen effektiv deutlich tiefer ausfallen dürften», so das Fazit der Experten.

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