Die Pensionskassen in der Schweiz bewirtschaften ein mehr als doppelt so hohes Pensionskassenvermögen wie jene in Deutschland, das rund zehnmal mehr Einwohner zählt. Das verpflichtet trotz aller Vorsicht zu Rendite.

Die Anlageverantwortlichen von Schweizer Pensionskassen rüsten sich mit alternativen Anlagen gegen Marktturbulenzen und Zinsarmut. So gelingt es ihnen, attraktive Renditen zu erzielen. Dabei hilft den Leitern Kapitalanlage Private Equity, wie eine Analyse besagt. ‘Mackewicz & Partner Investment Advisers’ haben sich bei zwanzig Schweizer Pensionskassen, die 2021 ein Kapitalvolumen von über 340 Milliarden Franken verwalteten, eingehender mit der Anlageklasse Private Equity befasst. Dazu haben sie für die Jahre 2019, 2020 und 2021 Angaben über die Gesamtperformance, die Private Equity-Quote und die Private Equity-Performance erfasst.

Risiko macht sich langfristig bezahlt

Das in der zweiten Säule unter dem BVG (Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge) seit 1985 gebildete Vermögen beträgt in der Schweiz knapp 1,3 Billionen Schweizer Franken. Während das Pensionsvermögen in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren um 1,9 Prozent pro Jahr gewachsen ist, können sich die Rentner in der Schweiz über ein Wachstum von 6,7 Prozent im gleichen Zeitraum freuen. Dazu tragen nicht zuletzt die Kapitalanlagen bei.

Die Anlageverantwortlichen bei Schweizer Pensionskassen zielen mit risikoreicheren Anlagen wie Private Equity auf höhere Renditen ab. Manche Schweizer Pensionskassen kommen laut Studie auf Private Equity-Quoten im zweistelligen Bereich. Zudem sind auch die Quoten für Aktien und alternative Anlagen höher als etwa in Deutschland. Die Analysten von Mackewicz & Partner sehen darin einen wichtigen Grund, weshalb die 1.449 Schweizer Vorsorgeeinrichtungen 2021 nach Angaben der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) im Durchschnitt auf eine Netto-Vermögensrendite von beachtlichen acht Prozent kamen. So verhalfen die Kapitalanlagen den Pensionsvermögen zu einem Wachstumsschub von etwa 85 Milliarden Euro. Dieses Risiko macht sich laut den Analysten auch langfristiger betrachtet bezahlt: Die Performance-Mittelwerte der Schweizer Pensionskassen waren von 2011 bis 2021 nur 2011 mit minus 0,34 Prozent und 2018 mit minus 2,81 Prozent negativ.

Gute Anlagejahre sind nun eine Stütze

Das überdurchschnittlich gute Anlagejahr 2021 hat sich sehr positiv auf die finanzielle Lage der Pensionskassen in der Schweiz ausgewirkt. Das Jahr 2022 ist dagegen schlecht angelaufen. Die Kapitalanlagen haben Minusrenditen verzeichnet und die Deckungsgrade sind abgerutscht. Die sehr guten Jahre von 2019 bis 2021 haben es den meisten Pensionskassen erlaubt, Reserven zu bilden – die allerdings noch stärker beansprucht werden, wenn sich die aktuelle Entwicklung mit negativen Ergebnissen fortsetzen würde.

Private Equity-Quoten fallen insgesamt bescheiden aus

Richtet man den Blick auf die Allokation der Portfolios, so zeigt sich ein unterschiedlich starkes Risikoverhalten in Bezug auf die Anlageklasse Private Equity. Dabei weichen die Private Equity-Quoten der Peergroup-Teilnehmer in der Studie stark voneinander ab und reichen von 1,8 Prozent bei der ‘PKG Pensionskasse für KMU’ bis knapp 10 Prozent bei der ‘Pensionskasse der Stadt Zürich’. 2021 wird bezüglich der Rendite von Private Equity-Fonds als ein Rekordjahr in Erinnerung bleiben. Die Peergroup-Vorsorgeeinrichtungen in der Studie haben im letzten Jahr herausragende Ergebnisse mit ihren Private Equity-Investitionen erzielt. Alle Peergroup-Pensionskassen haben deutlich mehr als 30 Prozent Rendite erzielt.

Obwohl seit Jahren viel Überzeugungsarbeit für Private Equity und andere alternative Anlageklassen geleistet wird, fallen die Quoten über den Gesamtmarkt hinweg betrachtet eher bescheiden aus. So entfielen 2020 laut Swisscanto im Durchschnitt über alle Vorsorgeeinrichtungen in der Schweiz auf Private Equity nur 1,2 Prozent der Kapitalanlagen. Die Oberaufsichtskommission hat für 2021 einen Anteil von 1,9 Prozent ermittelt. Auf Infrastrukturanlagen entfallen sogar nur 0,7 Prozent.

Klima für Private Equity-Investitionen wird rauer

Auch wenn es etwas gedauert hat: Inzwischen haben Inflation, höhere Zinsen, Lieferengpässe, Personalsorgen und Energieknappheit besorgniserregende Dimensionen angenommen. Die Sorgen gehen so weit, dass mit den Zinserhöhungen (den ersten seit elf Jahren) der Euroraum wieder in Schwierigkeiten gerät und erneut eine Eurokrise ausbrechen könnte. Der Zuwachs der Renditen macht Anleihen wieder attraktiver und reduziert das Chance-Risiko-Verhältnis für Aktien und Private Equity. Es ist auch davon auszugehen, dass die steigenden Zinsen den Einsatz von Fremdkapital verteuern werden und sich die Eigenkapitalrendite einzelner Transaktionen aufgrund der vorsichtigeren Nutzung von Leverage reduzieren wird. Die Verantwortlichen der Vorsorgeeinrichtungen haben zwar grundsätzlich die Erwartung, dass die Unternehmen, die sich in den Portfolios ihrer Private Equity-Fonds befinden, aufgrund ihres Sachwert-Charakters einen geeigneten Inflationsschutz bieten. Trotzdem beschäftigt die Sorge, dass die Inflation insbesondere diejenigen Portfolio-Unternehmen treffen könnte, welche die Preissteigerungen für Energie, Rohstoffe oder Personal nicht oder nur bedingt an ihre Kunden weitergeben können. Das Investitionsgeschehen, welches im letzten Jahr das bisherige Rekordjahr 2007 übertroffen hat, wird sich wegen der im Moment noch unterschiedlichen Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern voraussichtlich deutlich verlangsamen.

Private Equity-Investitionen bedingen gute Nerven

Die Mackewicz & Partner Investment Advisers raten Investoren in Private Equity zu guten Nerven und einer kontinuierlichen Investitionsstrategie. Denn Market-Timing und Private Equity würden nicht so recht zusammenpassen. Investoren sollten auch in der Krise konstant weiter investieren. Eine gute „Bottom-up“-Fondsselektion, gepaart mit einer guten Diversifikation, werde auch in der aktuellen Krise zum Erfolg führen.

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