Das globale Brutto-Geldvermögen knackte 2020 erstmals die 200-Billionen-Euro-Marke. Die Schweiz war mit ihrem Netto-Geldvermögen pro Kopf das zweitreichste Land, hinter den USA.

Das Jahr 2020 war mit der Corona-Krise ein Jahr der Extreme: Covid-19 kostete weltweit Millionen von Menschen das Leben oder ihre Existenz. Die Weltwirtschaft stürzte in ihre tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig mobilisierten Politik und Zentralbanken riesige Summen zur Unterstützung von Wirtschaft, Märkten und Menschen. Viele Einkommen konnten dadurch stabilisiert und die Aktienmärkte gestützt werden. Das Geldvermögen der Haushalte überstand die Corona-Krise in der Folge gut: Das globale Brutto-Geldvermögen stieg um 9,7 Prozent und erreichte damit erstmals die Marke von 200 Billionen Euro. Das geht aus dem «Allianz Global Wealth Report 2021» hervor.

Netto-Geldvermögen pro Kopf der Schweizer ist das zweithöchste

Das Brutto-Geldvermögen der schweizerischen Haushalte stieg 2020 um 3,9 Prozent, nachdem es im Vorjahr noch beinahe doppelt so schnell gewachsen war (7,6 Prozent). Die Allianz-Experten führen dieses etwas langsamere Wachstum vor allem auf die Vermögensklasse Wertpapiere zurück, die mit plus 6,5 Prozent weniger stark wuchs als im Vorjahr (2019: 17,4 Prozent). Dabei legten schweizerische Haushalte rund 48 Milliarden Euro frisch an den Kapitalmärkten an, so viel wie noch nie, und beinahe zehnmal mehr als im vorangegangenen Jahr. Erstmals übertraf auch das Volumen frischer Spargelder insgesamt die 100 Milliarden Euro Marke. Und im Gegensatz zu ihren Nachbarn, die vor allem ihre Bankeinlagen kräftig aufstockten, reduzierten die Sparer in der Schweiz ihre Zuflüsse in Bankeinlagen (von 34 auf 29 Milliarden Euro) – die Negativzinsen trieben sie an die Börse. Zuflüsse zu Versicherungen und Pensionsfonds blieben mit 27 Milliarden Euro nahezu unverändert. Entsprechend unspektakulär fiel das Wachstum dieser Vermögensklassen aus. Bankeinlagen stiegen um 3 Prozent, Versicherungen und Pensionsfonds um 2,9 Prozent. Das gesamte Netto-Finanzvermögen stieg um 4,5 Prozent. Mit einem Netto-Geldvermögen pro Kopf von 212.050 Euro (227.470 Franken) blieb die Schweiz auf Platz 2 im Ranking der 20 reichsten Länder stehen. Angeführt wird die Liste wie im Vorjahr von den USA.

Verschuldung ist die höchste weltweit

Die Verbindlichkeiten der schweizerischen Haushalte stiegen im selben Zeitraum um 2,7 Prozent, was in etwa dem Wachstumstempo der letzten Jahre entspricht. Da das Wirtschaftswachstum gleichzeitig aber einbrach, sprang die Schuldenquote (Verbindlichkeiten in Prozent des Bruttoinlandprodukts) auf 135 Prozent, womit die Schweiz das Land mit der weltweit höchsten Verschuldung ist. Mit 101.210 Euro (108.571 Franken) liegt die Verschuldung pro Kopf auch erstmals über der 100.000 Euro Marke.

Andere europäische Länder sind weit zurückgefallen

Während sich an den Spitzenpositionen der Schweiz und den USA beim Netto-Geldvermögen in den letzten beiden Dekaden nicht viel geändert hat, sind auf den dahinter liegenden Rängen grosse Verschiebungen zu beobachten, wie die Allianz-Experten unterstreichen. Demnach sind einige europäische Länder wie Italien, Frankreich, Belgien oder Grossbritannien weit zurückgefallen. Als Konsequenz sehen die Top10 heute anders aus als im Jahr 2000: Sie haben sich laut den Experten zu einer skandinavisch-asiatischen Angelegenheit gewandelt.

Wachstum scheint auch 2021 intakt

Die Allianz-Experten erwarten auch für 2021 ein dynamisches Vermögenswachstum, sofern keine kräftige Korrektur an den Aktienmärkten eintrete. Diese hätten bisher aber gut performt. Sie rechnen mit einem Wachstum des globalen Brutto-Geldvermögens von etwa 7 Prozent, was den Impfkampagnen, und der Wiedereröffnung der Wirtschaft, bei einer zugleich extrem lockeren Fiskal- und Geldpolitik zu verdanken sei. Für die schweizerischen Haushalte und ihr Geldvermögen sehen sie im ersten Halbjahr bereits ein Plus von etwa 5 Prozent.

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