Die eidgenössische Volksinitiative «Für eine sichere und nachhaltige Altersvorsorge», kurz Renteninitiative, ist formell zustande gekommen. Sie fordert dasselbe – höhere – Rentenalter für Mann und Frau.

Die Schweiz ist eines der wenigen Länder, welches das Rentenalter von Mann und Frau noch nicht angeglichen hat. Männer müssen bis 65 Jahre und Frauen bis 64 Jahre arbeiten. Laut den Initianten werden bis ins Jahr 2030 zudem die meisten Länder ihr Rentenalter auf 66 oder höher angehoben haben. Die Schweiz bleibt bis anhin die Ausnahme. In der Vorlage «AHV21» ist eine Angleichung des Rentenalters zwar vorgesehen. Für den Fall, dass die Vorlage aber scheitert, wollen die Initianten die Ungleichbehandlung mit ihrer Initiative beheben. Indem das Rentenalter für Frauen um 2 Monate pro Jahr stärker erhöht wird als dasjenige der Männer, wollen sie bis ins Jahr 2032 eine Angleichung des Rentenalters beider Geschlechter auf 66 Jahre erreichen.

Rentenalter soll mit der Lebenserwartung verknüpft werden

Die Renteninitiative fordert zudem die Kopplung der Pensionierung an die Lebenserwartung. Dies, weil die Finanzierung und langfristige Sicherung aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung in Gefahr ist. Werde nichts unternommen, summiere sich der Fehlbetrag in der AHV in den nächsten 25 Jahren auf 200 Milliarden Franken, sagen die Initianten. Auch mit der geplanten AHV-Reform bleibe ein Minus über 120 Milliarden. Dieser Fehlbetrag gehe voll zulasten der jungen Generation, die ihr Alter kaum noch finanzieren könne.

Die Initianten führen Länder wie die Niederlande und Dänemark an, die das Rentenalter bereits erfolgreich an die Lebenserwartung gekoppelt hätten. Somit steige das Rentenalter in Holland, Dänemark oder auch in Italien bis ins Jahr 2050 auf über 70 Jahre. Die Initianten gehen nicht ganz so weit. Gemäss ihrer Initiative wird das Rentenalter ab 2033 um ungefähr einen Monat pro Jahr ansteigen und 2050 etwa 67 Jahre und 7 Monate betragen. 2070 wäre es dann bei 69 Jahren, so die Prognose.

Volksinitiative ist formell zustande gekommen

Die am 16. Juli 2021 eingereichte Renteninitiative der Jungfreisinnigen Schweiz kommt nun also definitiv vors Volk. Damit eine Volksinitiative in der Schweiz zustande kommt, sind 100.000 gültige Unterschriften erforderlich. Die Sammelfrist von 18 Monaten beginnt mit der Publikation im Bundesblatt zu laufen. Die Überprüfung der 108.279 samt Stimmrechtsbescheinigung eingereichten Unterschriften durch die Bundeskanzlei hat ergeben, dass davon 107.049 gültig sind. Das Komitee konnte gestützt auf Artikel 2 des Covid-19-Gesetzes auch Unterschriftenlisten ohne Stimmrechtsbescheinigung bei der Bundeskanzlei einreichen. Soweit dies nötig ist, holt die Bundeskanzlei die Stimmrechtsbescheinigungen bei den zuständigen Stellen, in der Regel bei den Gemeinden, ein.

Senioren-Organisationen sehen die Forderungen kritisch

Organisationen wie Pro Senectute Schweiz oder der Schweizerische Verband für Seniorenfragen, die Dachorganisation von Schweizer Seniorenorganisationen, stehen den Forderungen der Initianten kritisch gegenüber. Sie finden, es greife zu kurz, nur die durchschnittliche Lebenserwartung als Referenz für eine Rentenaltererhöhung zu nehmen. Es ist für sie auch politisch kaum umsetzbar, dass das Lebensalter als Massstab für die Pensionierung dienen solle. Beobachter monieren zudem, die Renteninitiative wolle zu viel. Nur über die Rentenaltererhöhung abzustimmen, wäre einfacher gewesen. Dies aber nur dann, wenn Arbeitgeber auch Jobs bis zum Rentenalter hin gewährleisen könnten.

Erfolg der Initiative ist fraglich

Dass junge Erwachsene konsequent weniger politisch partizipieren als ältere, ist bestätigt. Die durchschnittliche Stimmbeteiligung nimmt mit dem Alter allgemein zu. In der Schweiz stimmen die 66- bis 75-Jährigen an der Urne in der Regel doppelt so oft ab wie junge Erwachsene. Ende 2019 waren 20 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz unter 20 Jahre alt, 61,4 Prozent zwischen 20 und 64 Jahre und 18,7 Prozent 65 Jahre und älter. Es dürfte also spannend werden.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »