Die Zahl Anbieter mit einem Nachhaltigkeitsansatz hat stark zugenommen. Zwischen den Anbietern und ihren Portfolios bestehen aber trotz teils ähnlicher Bezeichnung der Investitionsstrategien und Investitionsziele grosse Unterschiede.

In der Studie «Marktüberblick Aktien Welt ESG» vergleicht der Pensionskassenberater PPCmetrics über 100 aktiv verwaltete, globale Aktienportfolios für Institutionelle Anleger, die auf einem strukturierten Investitionsansatz basieren, der E- (Environmental), S- (Social) G- (corporate Governance) Research in die Unternehmensanalyse und Portfoliokonstruktion integriert. Der Vergleich basiert auf einer Datenerhebung im Rahmen der von PPCmetrics begleiteten Mandatsausschreibungen bei führenden Vermögensverwaltern.

Anleger bevorzugen ESG-Impact-Produkte

Nachhaltigkeit wird in der Praxis auf verschiedenen Ebenen umgesetzt. Dabei erfolgt eine Einflussnahme auf die Unternehmen entweder direkt, durch Engagement, also den Dialog im Rahmen von Engagement Pools, oder durch Ausübung der Stimmrechte bei direkt gehaltenen Aktien. Die Einflussnahme über das Portfoliomanagement geschieht durch das Evaluieren von Negativkriterien, etwa den Ausschluss bestimmter Branchen, sowie von Positivkriterien. Diese werden in die Finanzanalyse integriert, in Branchenbeste unterteilt, oder in Themenanlagen (Impact Investing) umgesetzt. «Je ausgeprägter die Nachhaltigkeit umgesetzt ist, desto grösser ist in der Regel auch der Einfluss auf die Portfolioeigenschaften», erklären die Autoren Oliver Kunkel, Managing Director, und Rico Streun, Investment Consultant, dazu.

‘ESG-Impact’ Produkte verzeichneten im Bereich Aktien Welt über die letzten 3 Jahre den grössten prozentualen Mittelzufluss (Median von 57 Prozent). Dabei handelt es sich um Produkte, die ein klares nachhaltiges Investment als primäres Ziel haben.

Weitere Produktkategorien umfassen NO ESG (Produkte, die keinerlei ESG-Aspekte berücksichtigen), ESG-Exclusion Lists only (Produkte, die ausschliesslich eine Ausschlussliste auf der Grundlage von ESG-Kriterien implementieren) und ESG-Integrated (Produkte, die ESG-Kriterien einschliesslich Ausschlusslisten in den Anlageprozess integrieren, beispielsweise ESG-Research oder Best-in-Class-Ansatz).

Ausschlüsse erfolgen aufgrund von ESG-Aspekten

Im Median schliessen die analysierten Aktienportfolios in der Peer Group rund 7 Prozent des Volumens des Benchmarkuniversums aufgrund von ESG-Aspekten aus. Dabei werden Unternehmen im Erwachsenenunterhaltungssektor im Median komplett ausgeschlossen. Während Portfolios im Median beispielsweise rund 60 Titel ausschliessen, die in der Benchmark enthalten sind, schliessen einige mehr als 1.000 Titel aus. Für Unternehmen im Kohleförderungs- und Stromerzeugungssektor gilt im Median eine Umsatzschwelle von 5 Prozent, ab welcher ein Ausschluss erfolgt – bei einigen Portfolios gelten aber auch tiefere Umsatzschwellen, oder solche von 10 Prozent und mehr.

Engagement erfolgt hauptsächlich zu Governance-Themen

Rund 83 Prozent des Volumens des Benchmarkuniversums werden im Median durch detaillierten ESG-Research abgedeckt. Die analysierten Portfolios in der Peer Group haben im Median einen rund 11 Prozent höheren ESG-Score als die Benchmark.

Die analysierten Portfolios in der Peer Group haben im Median eine rund 56 Prozent tiefere CO2-Intensität als die Benchmark. Rund 94 Prozent der verglichenen Aktienportfolios üben die Stimmrechte innerhalb des Portfolios aus. Rund 88 Prozent der Vermögensverwalter in der Peer Group arbeiten mit einem externen Dienstleister im Bereich der Stimmrechtsausübung zusammen. Rund 85 Prozent der analysierten Aktienportfolios in der Peer Group verfügen über ein aktives Engagement-Programm. Und etwa 23 Prozent der Vermögensverwalter greifen beim Engagement auf einen externen Dienstleister zurück.

Im Median betreiben die Vermögensverwalter hauptsächlich Engagement zu Governance-Themen (39 Prozent), gefolgt von Umweltthemen (33 Prozent) und sozialen Themen (30 Prozent).

Zwischen den Anbietern und Portfolios bestehen grosse Unterschiede

Die Anzahl der Anbieter mit einem Nachhaltigkeitsansatz ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Trotz ähnlicher Bezeichnung der Investitionsstrategien, wie «ESG», «Nachhaltig», oder «Sustainable», sowie ähnlicher Investitionsziele, bestehen zwischen den Anbietern und Portfolios aber grosse Unterschiede, so das Fazit der Pensionskassenberater. PPCmetrics bezieht dies auf die ausgeschlossenen Unternehmen, die internen Ressourcen zur Analyse der Nachhaltigkeit, das Portfolioprofil hinsichtlich Nachhaltigkeit, und die Umsetzung von Proxy Voting und Engagement. Die Berater empfehlen daher, Anbieter und Portfolios einem detaillierten Vergleich zu unterziehen.

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