Die SNB hat ihre Geldpolitik gestrafft und die Zinsen um 50 Basispunkte angehoben. Hypothekenspezialisten erwarten aber keine substanziellen Erhöhungen der Hypozinsen. Dabei ist der Eigenheimmarkt klar überbewertet.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat Mitte Juni 2022 bekanntgegeben, dass sie die Geldpolitik straffen und den Leitzins sowie den Zins auf Sichtguthaben bei der SNB um einen halben Prozentpunkt auf -0.25% anheben werde. Sie schloss zudem nicht aus, dass in absehbarer Zukunft weitere Zinserhöhungen nötig werden könnten, um die Inflation auf mittlere Frist im Bereich der Preisstabilität zu stabilisieren. Die Kapitalmarktzinsen stiegen bereits im ersten Halbjahr 2022 stark an. Das wirkte sich auch auf die Zinsen für Festhypotheken aus. Die Experten vom Hypothekenvermittler MoneyPark sehen aber mehrere Faktoren, weshalb die Zinsen für Festhypotheken ihren Peak erreicht haben und sich auf dem derzeitigen Niveau stabilisieren könnten.

Festhypotheken könnten ihren Peak erreicht haben

Die Angst vor einer weltweiten Rezession nimmt stetig zu. Die Experten befürchten, dass weitere Zinsschritte, insbesondere in Europa, die Konjunktur komplett abwürgen könnten. Auch zeigt sich ihrer Ansicht nach immer deutlicher, dass die Inflation nicht allein mit starken Zinserhöhungen bekämpft werden könne. Andere Faktoren, wie die Energie- oder Nahrungsmittelknappheit, würden zu schwer wiegen. Die Experten gehen davon aus, dass die Schweizer Wirtschaft in den nächsten Monaten weit weniger stark wachsen werde als dies noch Anfang des Jahres angenommen worden sei.

Hypothekarzinsen dürften sich auf derzeitigem Niveau einpendeln

Der Schweizer (Wohn-)Immobilienmarkt hat sich während der Pandemie krisenresistent gezeigt und in den Preisen massiv zugelegt. Gemäss den Experten sei weiterhin mit tiefen Risikoprämien zu rechnen. Gleichwohl hat der Richtsatz der zehnjährigen Laufzeit im ersten Halbjahr 2022 einen Anstieg von bis zu 200 Basispunkten verzeichnet. Die Experten weisen darauf hin, dass diese Zinsanstiegserwartungen übertrieben sein könnten. Sie erachten für die nächsten 18 Monate ein Einpendeln der Hypothekarzinsen auf dem derzeitigen Niveau als wahrscheinlichstes Szenario, auch weil die erwarteten Leitzinserhöhungen von SNB, EZB und Fed in die Zinsen für Festhypotheken bereits eingepreist seien. Damit würden die Zinsen im historischen Kontext immer noch auf einem tiefen Niveau liegen, doch räumen die Experten ein, dass weiterhin verschiedene Unsicherheiten bestünden, welche sowohl eine Zinsreduktion als auch einen Zinsanstieg auslösen könnten.

Rekordhohe Eigenheimpreise halten an

Aufgrund erhöhter Nachfrage und stagnierendem Immobilienangebot verzeichneten die Eigenheimpreise 2021 ein neues Allzeithoch. Daran dürfte sich auch im laufenden Jahr nichts ändern: «Die stabilen Werte eines Eigenheims haben während der Pandemie an Bedeutung gewonnen und der Einzug des Home-Office hat die Wohnraumnachfrage nachhaltig verändert», so die MoneyPark-Experten. Periphere Lagen dürften demnach besonders attraktiv bleiben, während der Preisanstieg in den Städten wohl geringer ausfallen wird.

Das belegt auch der UBS Swiss Real Estate Bubble Index. Er stieg im zweiten Quartal 2022 zwar nur marginal von 1,57 auf 1,58 Punkte an. Der Vorquartalswert wurde aber aufgrund revidierter Daten zu den Haushaltseinkommen deutlich nach oben korrigiert. Auch die UBS-Experten erachten den Schweizer Eigenheimmarkt damit im Vergleich zur eigenen Historie als überbewertet.

 

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