Bereits jede zehnte Person in der Schweiz nutzt eine Smartphone-Bank. Solche Neo-Banken werden bisher lediglich als Zweit- und Drittbanken genutzt, könnten den etablierten Banken aber auch den Status als Hausbank streitig machen.

Smartphone-Banken machen klassischen Banken das Geschäft streitig. Es sind meist junge Technologie-Firmen, welche in einem ersten Schritt Basisdienstleistungen sehr günstig und ohne Filiale anbieten. Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung zeigt, dass rund 10 Prozent der Schweizer Bevölkerung bereits Smartphone-Banken nutzen – das sind bis zu 900’000 Menschen in der Schweiz. Auch der Bekanntheitsgrad dieser Banken ist bereits hoch. 43 Prozent der befragten Personen kennen mindestens eine Smartphone-Bank. Die Apps der Smartphone-Banken sind mittlerweile also in der Bevölkerung angekommen. Sie werden in der Zwischenzeit auch weit mehr als nur für Zahlungstransaktionen in den Ferien benutzt. So öffnet mehr als ein Drittel aller Nutzenden eine entsprechende App mindestes einmal pro Tag.

Kunden drohen abzuwandern

Etablierte Banken stellt das vor Herausforderungen, weiss Andreas Dietrich, Professor für Banking and Finance an der Hochschule Luzern: «Unsere Analyse zeigt, dass die Kundschaft von Smartphone-Banken diese viel häufiger weiterempfehlen als ihre Hausbank und die Kundenbasis bei Smartphone-Banken daher weiter rasch wächst.» Bisher würden Smartphone-Banken in der Regel als Zweit- oder Drittbank genutzt und seien somit eine Ergänzung und kein Ersatz für bestehende Bankbeziehungen. Die Umfrage habe aber gezeigt, dass sich viele Nutzende von Smartphone-Banken vorstellen könnten, künftig ihre Hauptbankbeziehung bei Anbietern wie Neon, Zak oder Yuh zu haben, statt wie bisher bei Regionalbanken, Raiffeisenbanken oder Kantonalbanken.

Jeder zweite Haushalt legt in Wertschriften an

In der Umfrage ging es letztlich auch ums Anlegen. Wie die Bevölkerungsbefragung ergab, legt in der Schweiz jeder zweite Haushalt in Wertschriften an. Die subjektiv wahrgenommene wirtschaftliche Situation (Einkommen, Vermögen) sowie Angst und Unwissen sind wesentliche Ursachen, weshalb sich Menschen dazu entscheiden, ihr Geld nicht anzulegen. Unter den anlegenden Personen ist der Anteil Frauen (40 Prozent) deutlich tiefer als derjenige der Männer (60 Prozent). Personen mit höherem Einkommen und Vermögen, höherem Bildungsabschluss sowie in der Deutschschweiz wohnhafte Personen investieren zudem häufiger. Jede fünfte nicht-anlegende Person in der Schweiz kann es sich vorstellen, künftig zu investieren. Dies entspricht einem Potenzial von rund 550’000 bis 600’000 Personen in der Schweiz. Damit Personen zunehmend anlegen, müssten gemäss den Studienautoren aber auch die Finanzkenntnisse der Schweizer Bevölkerung verbessert werden.

Nachhaltige Bank-Finanzierungen bergen Potenzial

Das Kreditvolumen der Schweizer Banken von 1.3 Billionen Franken entspricht fast dem Doppelten des Schweizer Bruttoinlandproduktes. Bankkredite tragen daher wesentlich zur Finanzierung der Schweizer Wirtschaft bei – und finanzieren die Umweltbelastung von Unternehmen und Privatpersonen mit. Gemäss den Studienautoren ist es für Retailbanken, welche Nachhaltigkeit strategisch verankert haben, deshalb wichtig, neben nachhaltigen Anlagen den Fokus zunehmend auf die nachhaltige Finanzierung zu legen. Dabei sei es einerseits zentral, die Nachhaltigkeit der Kreditnehmenden ganzheitlich zu beurteilen, indem neben dem Sicherungsmittel auch der Verwendungszeck bewertet wird. Andererseits sei es von grosser Bedeutung, zu analysieren, welche konkreten Nachhaltigkeitsmassnahmen Kreditrisiken einschränken können und welche vorwiegend von Wertvorstellungen getrieben sind. Mit Blick auf die Effektivität von Zinsvergünstigungen seien gezielte Preisnachlässe sinnvoll, beispielsweise auf dem Kreditbetrag, welcher für den Ersatz fossiler Energiesysteme durch erneuerbare Energieträger eingesetzt wird.

Kleinbanken weisen nach wie vor sehr gute finanzielle Kennzahlen aus

Das HSLU-Forschungsteam untersuchte die Jahresabschlüsse von 90 Instituten. Basierend auf neun Kennzahlen wurde die aus finanzieller Sicht beste Retailbank ermittelt. Insgesamt sind die meisten Kennzahlen stabil und die finanzielle Verfassung der Schweizer Retailbanken kann als gut bezeichnet werden. Insbesondere kleine Banken weisen weiterhin sehr gute Werte auf, was sich auch im Ranking niederschlägt. Die Banken auf den ersten drei Plätzen haben Bilanzsummen zwischen lediglich 280 und 565 Millionen Franken.

Mit Blick auf die Marktregionen der Banken zeigen sich teilweise deutliche regionale Unterschiede, wie die HSLU-Studie zeigt. So haben Banken in der Genfersee-Region die höchsten Zinsmargen und die beste Profitabilität, derweil Banken in der Zentralschweiz vergleichsweise überdurchschnittliche Effizienz-Kennzahlen ausweisen.

Frauenanteil in den Verwaltungsräten der Banken steigt

Die Frauenanteile in den Verwaltungsräten der Banken steigen weiter an. Unter den 518 VR-Mitgliedern waren per Juni 2022 141 Frauen (Vorjahr 132). «Die Tatsache, dass bei den seit 2015 neu gewählten 349 VR-Mitgliedern der Frauenanteil im Durchschnitt bei 34 Prozent lag, lässt einen weiteren Anstieg des Anteils der Frauen in Verwaltungsräten von Retailbanken erwarten», sagt Co-Studienautor Christoph Lengwiler. Wie die Analyse der seit 2015 neu gewählten VR-Mitglieder weiter zeigt, verlassen rund zehn Prozent aller Neugewählten innerhalb von drei Jahren das Verwaltungsratsgremium wieder. «Hier stellen sich offenbar bei der optimalen Personalauswahl für den Verwaltungsrat einige Herausforderungen», so Lengwiler.

Die 220-seitige «IFZ Retail Banking Studie 2022» kann unter ifz@hslu.ch für 190 Franken bestellt werden.

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