ESG-Investing ist unter Schweizer Finanzanalysten hoch relevant. So spielen Nachhaltigkeitskriterien mittlerweile bei 90 Prozent der Finanzanalysten eine Rolle. Und die Zahl jener, die dank ESG-Investing höhere Renditen erwartet, steigt.

Die CFA Society Switzerland und die Credit Suisse führen seit Januar 2017 die Finanzmarkt-Umfrage Schweiz – eine monatliche Befragung von Finanzanalysten – durch. Vor einem Jahr haben sie eine Reihe von Sonderfragen eingeführt, welche die Einschätzungen der Analysten zum Thema ESG (Umwelt, Soziales, Governance) erhebt und über die Zeit beobachtet. Seit September 2020 hat sich das Bild nicht wesentlich verändert. Rund 60 Prozent der Umfrageteilnehmer geben aktuell an, dass Vermögensverwaltungskunden die Berücksichtigung von ESG-Aspekten in allen, nicht nur in speziellen, Anlageentscheidungen erwarten. Auch erwarten mittlerweile 10 Prozent mehr als im Vorjahr, dass ESG-Investing zu höheren Renditen führt. Noch rund 50 Prozent der Befragten sehen keine klaren Rendite-Auswirkungen.

ESG-Aspekte werden in allen Anlageentscheidungen gefordert

Das grösste Risiko beim ESG-Investing bleibt gemäss den Finanzanalysten die Einschränkung des Anlageuniversums, wobei nun auch die Sorge um «Fashion Investing» als ein ähnlich grosses Problem angesehen wird. Höhere Kosten sind nur in knapp 10 Prozent der Antworten als Hindernis genannt. Und obwohl das Thema Klimawandel im letzten Jahr massiv Beachtung erfahren hat, geben noch 35 Prozent an, dass Kunden kein stärkeres Engagement in Sachen Umwelt fordern.

Zins- und Aktienmarkterwartungen bleiben positiv

Die Zinsprognosen der Finanzanalysten bleiben praktisch unverändert. Am kurzen Ende erwarten 80 Prozent der Umfrageteilnehmer für die grossen Wirtschaftsregionen der Welt auch nach der jüngsten Runde von Zentralbanktreffen keine Veränderung. Am langen Ende dagegen zeigen für rund 70 Prozent der Befragten die Zeichen klar nach oben. Zum Schweizer Aktienmarkt haben sich die Erwartungen seit drei Monaten praktisch nicht verändert. Eine reichliche Hälfte der Analysten rechnet mit einem Preisanstieg im nächsten halben Jahr, ein Drittel erwartet eine Stagnation. Ähnlich verhält es sich mit den Prognosen zum EuroStoxx 50 und S&P 500, wobei die Erwartungen dort im Vergleich zum Vormonat ein wenig Optimismus eingebüsst haben.

Langfristige Inflationserwartungen sind gestiegen

Mehr als 40 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten einen Anstieg der Schweizer Teuerungsrate im kommenden halben Jahr. Die Streuung der Antworten, die gemäss Credit Suisse ein Indikator für Unsicherheit ist, bleibt allerdings hoch. Die Analysten haben aber auch die langfristigen Inflationserwartungen verglichen zum Juni nach oben korrigiert. Ihre Durchschnittsprognose für 2024 bis 2026 liegt mit 1,4 Prozent (nach 1,37 Prozent im Juni) deutlich über der Vorhersage der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die für das zweite Quartal 2024 lediglich eine Teuerungsrate von 0,8 Prozent prognostiziert.

Langfristige Wachstumsprognosen wurden zurückgenommen

Fast 60 Prozent der befragten Analysten rechnen damit, dass die aktuell gute Konjunktur noch mindestens ein halbes Jahr andauern wird. Allerdings sind die langfristigen Wachstumsprognosen, verglichen mit der Befragung im Juni, leicht zurückgegangen. Im letzten Quartal sahen die Umfrageteilnehmer das Wirtschaftswachstum in der Schweiz in den nächsten drei bis fünf Jahren noch mit 30-prozentiger Wahrscheinlichkeit bei durchschnittlich über 2 Prozent. Dieser Wert ist nun auf 22 Prozent gesunken. Stattdessen wird mit 54 Prozent ein durchschnittlicher jährlicher BIP-Zuwachs von 1 bis 2 Prozent wahrscheinlicher. Die Durchschnittsprognose der Analysten liegt mit 1.81 Prozent marginal unter dem Juni-Wert von 1.86 Prozent. Über die gesamte Corona-Pandemie zeichnet der CS CFA Society Switzerland Indikator drei eindeutige und tiefe v-förmige konjunkturelle Einbrüche, parallel zu den drei Viruswellen.

An der Umfrage, die zwischen dem 16.09.2021 und 23.09.2021 durchgeführt wurde, haben sich 39 Analysten aus der Schweizer Finanzbranche beteiligt.

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