Die Mehrheit der Schweizer blickt der Pensionierung positiv entgegen. Die Meisten rechnen jedoch mit weniger Rente aus AHV und Pensionskasse als in früheren Jahren. Fast zwei Drittel sparen zusätzlich fürs Alter.

Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer blickt der Pensionierung positiv entgegen. Auf einer Skala von 1 (sehr traurig) bis 10 (sehr glücklich) liegt der selbst deklarierte Durchschnittswert von Frauen und Männern bei jeweils 7,7. Deutliche Unterschiede gibt es jedoch abhängig vom Grad der Erwerbstätigkeit. Personen mit einem Teilzeitpensum und nicht Erwerbstätige blicken mit einem Mittelwert von 7,4 respektive 6,9 weniger optimistisch in die Zukunft als Vollzeitarbeitende (7,9). Eine positive Gefühlslage hinsichtlich Pensionierung hängt also auch von der Kaufkraftklasse und der finanziellen Absicherung für den Ruhestand ab. Wer finanziell nicht gut abgesichert ist oder nicht sparen kann, blickt der Pensionierung mit gemischten Gefühlen entgegen, wie aus dem aktuellen «Ruhestandsmonitor» 2022 der AXA Investment Managers Schweiz hervorgeht.

Erwartungen an die Renteneinkünfte sind gesunken

Nach der Pensionierung rechnen die Meisten mit einer Rente aus AHV und Pensionskasse von durchschnittlich 53 Prozent des letzten Lohnes. Das sind deutlich weniger als im Jahr 2014, als dieser Wert noch bei 65 Prozent lag. «Die Erwartungen an die finanziellen Leistungen aus der ersten und zweiten Säule sind in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken und haben seit unserem Messbeginn im Jahr 2011 einen Tiefstwert erreicht», erklärt Dr. Werner E. Rutsch, Mitglied der Geschäftsleitung bei AXA Investment Managers Schweiz. Er führt dies einerseits auf sinkende Umwandlungssätze und das Bewusstsein für die strukturellen Probleme der Pensionskassen zurück. Andererseits dürfte das schwierige wirtschaftliche und politische Umfeld zum Zeitpunkt der Umfrage in der zweiten Maihälfte die Stimmung der Studienteilnehmenden getrübt haben, wie er meint.

Mehrheit spart zusätzlich Geld an

60 Prozent der Frauen und 67 Prozent der Männer sparen zusätzlich zu AHV und/oder Pensionskasse fürs Alter. Personen zwischen 18 und 64 Jahren sparen eher als Pensionierte dies früher getan haben, und je höher das Arbeitspensum und die Kaufkraftklasse, desto mehr wird gespart. Das steuerbegünstigte Sparen in der Säule 3a steht bei der selbstverantwortlichen Aufstockung des Vorsorgekapitals an erster Stelle, gefolgt von Sparkonto, freiwilligen Einzahlungen in die Pensionskasse und Wohneigentum.

Wichtig sind vor allem medizinische Dienstleistungen und Wohnen

Für 81 Prozent der Befragten ist es wichtig bis sehr wichtig, genügend Mittel für medizinische Dienstleistungen und Pflege zu haben. 65 Prozent wollen ihre Mietwohnung halten können, 55 Prozent möchten in der Lage sein, ihr Wohneigentum zu behalten oder Wohneigentum zu kaufen. Weitere Bedürfnisse sind Reisen, den Nachkommen etwas zu vererben und weiter zu sparen. Weniger finanzkräftigen Personen ist das Halten der Mietwohnung am wichtigsten, gut situierten die Gesundheit. Falls Einsparungen nötig werden sollten, würden sich die Befragten am ehesten bei Luxusgütern, Spenden für wohltätige Zwecke und Weiterbildung einschränken. Bei Gesundheits- und Wohnkosten sehen sie praktisch kein Sparpotenzial.

Wunsch und Realität beim Pensionierungsalter driften auseinander

Dieses Jahr steht eine Volksabstimmung zur Reform der Altersvorsorge an. Laut Rutsch halten 68 Prozent der Männer und 62 Prozent der Frauen eine Altersvorsorgereform für notwendig. «Es wird sich zeigen, ob sich dies in der Akzeptanz eines höheren Rentenalters für die Frauen niederschlägt. 62 Prozent der Altersgruppe 18 bis 39 Jahre erkennen den Reformbedarf bei der Altersvorsorge; bei den 40- bis 64-Jährigen und den Pensionierten sind es sogar 66 Prozent respektive 67 Prozent», sagt Rutsch.

Das durchschnittliche Alter beim Austritt aus dem Arbeitsmarkt lag 2021 gemäss Bundesamt für Statistik bei 65,1 Jahren. Noch nicht pensionierte Frauen und Männer geben im Durchschnitt ein Wunsch-Pensionierungsalter von 62 Jahren an. Signifikante Unterschiede gibt es nur zwischen den Altersgruppen: Die 18- bis 39-Jährigen wünschen sich ein Pensionierungsalter von 61 Jahren, die 40- bis 64-Jährigen ein Pensionierungsalter von 63 Jahren, und die älteste Gruppe der Berufstätigen (65 Jahre und älter) würde gerne erst mit 68 Jahren in Pension gehen. All diese Nennungen liegen ein bis zwei Jahre über denen der Vorjahresstudie. Die erwerbstätigen Befragten wünschen sich also ein im Vergleich zur letztjährigen Umfrage höheres Rentenalter, das allerdings 3,1 Jahre unter dem aktuellen Durchschnitts-Pensionierungsalter liegt.

Kapitalbezug ist weniger beliebt

Würden die Befragten heute in Pension gehen, würden sich 46 Prozent für die Auszahlung des Vorsorgevermögens in Form einer monatlichen Rente, 27 Prozent für eine Mischung aus Rente und Kapitalbezug und 17 Prozent für den reinen Kapitalbezug entscheiden. Der Wunsch nach einem vollständigen Kapitalbezug bei der Pensionierung ist im Jahresverlauf von 28 Prozent auf 17 Prozent gesunken, monatliche Renten und der teilweise Kapitalbezug wurden beliebter. «Im letzten Jahr war die sehr gute Börsenentwicklung für einen deutlichen Anstieg der Personen, die den reinen Kapitalbezug gewählt hätten, verantwortlich. Dieses Jahr haben der Krieg in der Ukraine, die strauchelnden Aktienmärkte und die steigende Inflation die Lust auf den Kapitalbezug gedämpft», so Rutsch. Doch er ergänzt: «Viele Versicherte sind bei Pensionierung zum Kapitalbezug gezwungen, weil sie aufgrund der veränderten Einkommenssituation ihre Hypotheken amortisieren müssen. Das kann sich negativ auf die finanzielle Sicherheit im Ruhestand auswirken.»

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