Europa hat den höchsten Prozentsatz an Investoren, die ESG-Produkte nutzen. Tatsächlich sehen viele Europäer ESG als wichtigen Baustein ihres Anlageansatzes und nennen den positiven Einfluss als Hauptgrund für die Einführung von ESG.

Um ESG (environmental, social, governance) in ihre Anlagestrategie zu integrieren, bevorzugen fast zwei Drittel (63 Prozent) der Investoren aktive Fonds. Dabei sind Aktien (80 Prozent) gegenüber Anleihen (58 Prozent) die weltweit beliebteste Anlageklasse. Dies geht aus der ESG Global Study 2022 von Capital Group hervor, einem der weltweit grössten Investmentmanager, mit einem verwalteten Vermögen von 2.7 Billionen US-Dollar. Für die Studie wurden 1.130 globale institutionelle Anleger aus 19 Märkten befragt, darunter Pensionsfonds, Family Offices und Versicherungsgesellschaften, sowie Dachfonds, Privatbanken und Finanzberater.

Aktive Manager treffen richtungsweisenden Anlageentscheide

«Die ESG-Akzeptanz scheint bei professionellen Anlegern weltweit fest verankert zu sein, wobei aktive Manager zunehmend die richtungsweisenden Anlageentscheide treffen», erklärt Jessica Ground, Global Head of ESG bei Capital Group. Und sie fährt fort: «Diese Präferenz unterstreicht die Komplexität der Bewertung von ESG-Themen und die Tatsache, dass die Reduzierung auf einen einzigen ESG-Score keine nuancierten Unternehmensbewertungen erfassen kann. Investoren setzen daher auf aktive Manager, die sich auf ihren tiefgreifenden Research, robuste Überwachungssysteme und Engagement bei der Analyse von Unternehmen konzentrieren können.» Da ESG-Aspekte für die langfristigen Aussichten von Unternehmen wichtige Faktoren seien, seien sie auch für den Investment-Research und die Analysen von Capital Group entscheidend, so Ground.

ESG-Vorgaben werden zunehmend übernommen

Der Anteil der Investoren, die auf ESG-Produkte setzen, ist gemäss Studie von 84 Prozent im Jahr 2021 auf heute 89 Prozent gestiegen, wobei Europa den höchsten Prozentsatz aufweist (93 Prozent). Der asiatisch-pazifische Raum verzeichnet mit einem Anstieg von 81 Prozent 2021 auf heute 88 Prozent den grössten Zuwachs aller Regionen.

Unter den weltweit befragten Investoren werden die Erfüllung von Kundenbedürfnissen (27 Prozent) und ein positiver Einfluss (25 Prozent) am häufigsten als Beweggründe für die Einführung von ESG genannt. Die nordamerikanischen Investoren messen der Erfüllung von Kundenbedürfnissen jedoch ein viel grösseres Gewicht bei (42 Prozent), während die europäischen Anleger am meisten vom positiven Einfluss angetrieben werden (28 Prozent). Von den drei Regionen nennen die Investoren im asiatisch-pazifischen Raum die Verbesserung der Performance (21 Prozent) als Hauptgrund für die Einführung von ESG.

Amerikaner sind von ESG am wenigsten überzeugt

Die Studie ergab auch, dass im Vergleich zu anderen Regionen Europäer ESG als wichtigeren Baustein ihres Anlageansatzes betrachten (31 Prozent gegenüber 26 Prozent weltweit). Nordamerikanische Investoren sind dagegen am wenigsten von ESG überzeugt: hier gab nicht mal jeder Fünfte an, dass ESG ein zentraler Investitionsaspekt ist (18 Prozent).

Weltweit ist fast ein Viertel (39 Prozent) der Meinung, dass ein Mangel an Produktinnovationen eine stärkere Einführung von ESG zum Teil verlangsamt. Die klassische Integration von ESG ist ausserdem die von den Anlegern am häufigsten genutzte Implementierungsstrategie (59 Prozent).

Der Fokus auf die Umwelt überschattet das S in ESG

Die Hälfte (50 Prozent) der befragten Investoren gibt an, dass die Fähigkeit eines Fonds, die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) zu erreichen, ein wichtiges Kriterium bei der Fondsauswahl ist. Fast zwei Drittel (64 Prozent) sind der Meinung, dass die Unterstützung von Unternehmen beim Übergang zu einer grünen Zukunft der Schlüssel zur Lösung der Klimakrise ist.

Das Thema ESG dominiert weiterhin die Allokationspräferenzen mit einem Anstieg des Anteils von 44 Prozent im Jahr 2021 auf heute 47 Prozent. Allerdings äusserten 41 Prozent der Investoren die Befürchtung, dass soziale Themen, das S in ESG, zugunsten von Klimafragen vernachlässigt werden.

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