Um bei steigender Inflation den realen Wert ihrer Investitionen zu erhalten, interessieren sich Anleger für die globalen Immobilienmärkte. Die Preise sind zwar gestiegen, doch eine Finanzkrise durch Immobilien drohe nicht, sagen Experten.

Anleger erweitern ihren Investmenthorizont zunehmend mit einem Blick auf die globalen Immobilienmärkte, um den realen Wert ihrer Investitionen zu erhalten. Die Immobilienpreise sind während der Corona-Pandemie in den meisten Industrieländern sowie in einigen Schwellenländern weiter gestiegen, wenn auch mit regionalen Unterschieden. «Die Preise steigen in verschiedenen Ländern parallel und deutlich, so dass sich die Frage nach einem möglichen gemeinsamen Faktor für diesen Anstieg stellt», sagt Vincent Mortier, Chief Investment Officer von Amundi. Einen möglichen Aspekt ortet er in den geldpolitischen Anreizen der grossen Zentralbanken, in Verbindung mit einer starken Nachfrage, sowohl aus privaten Gründen als auch aus Investitionsüberlegungen heraus: «Die Pandemie hat die Nachfrage nach Einfamilienhäusern angekurbelt, ebenso wie den Wunsch in Sachwerte zu investieren.»

Neue Finanzkrise durch Immobilien droht nicht

In den G10-Staaten verschärfen steigende Immobilienpreise und eine höhere Verschuldung der privaten Haushalte die Sorge, Immobilien könnten einmal mehr zum Auslöser für eine finanzielle Schieflage auf makroökonomischer Ebene werden. «Die Situation ähnelt derjenigen während der Finanzkrise 2008. Aktuell ist die Lage besonders kritisch, da die grossen Zentralbanken ihre Konjunkturprogramme zurückfahren», erklärt Mortier. In den USA könne der jüngste Anstieg der Hypothekenzinsen die Nachfrage der privaten Haushalte nach Wohnraum dämpfen. Ausserdem würden einige Kreditnehmer wohl nicht mehr in der Lage sein, eine Hypothek zu erhalten, oder sie würden durch die zusätzlichen Kosten abgeschreckt. «Die derzeitige Lage erscheint jedoch weniger angespannt als in der Zeit vor der Lehman-Pleite», beruhigt Mortier.

Überwiegender Teil der Verschuldung von Privaten ist festverzinslich

Gemäss Mortier dürften Immobilien aus mehreren Gründen keine Quelle für Systemrisiken sein: In den meisten Ländern steige die Kreditvergabe an private Haushalte zwar, doch in geringerem Tempo als Mitte der 2000er Jahre. Auch scheine die Verschuldung der privaten Haushalte weniger problematisch zu sein als in der Zeit vor der Lehman-Pleite: «In den USA ist das Profil des durchschnittlichen Kreditnehmers heute weitaus solider als Mitte der 2000er Jahre, als die Exzesse bei den Subprime-Krediten als Hauptursache für die nachfolgende Krise angesehen wurden», weiss Mortier. Ausserdem sei die Bankenaufsicht in den letzten 15 Jahren erheblich verschärft worden, ergänzt er. In mehreren grossen Ländern, wie unter anderem in den USA, Deutschland und Frankreich, sei der überwiegende Teil der Verschuldung der privaten Haushalte inzwischen festverzinslich, so dass die verschuldeten Haushalte nur noch in geringem Masse von Zinserhöhungen betroffen seien.

China ist ein Sonderfall

Mortier führt im Weiteren den Sonderfall China aus: Chinas Immobilienmarkt befinde sich in einem anderen Zyklus als die Immobilienmärkte in vielen anderen Ländern. Angesichts der jüngsten Schwierigkeiten grosser inländischer Bauunternehmen würden die Behörden versuchen, die chinesische Wirtschaft vom Immobiliensektor abzukoppeln, und die spekulativen Kräfte, welche die Preise in die Höhe getrieben hätten, zu bremsen. «China hat eine neue Ära der Wohnungsbauregelungen eingeläutet. Das Land nutzt die Immobilienbranche jetzt nicht mehr als antizyklisches Instrument zur Ankurbelung der Wirtschaft. Deshalb erwarten wir bei Amundi einen Rückgang der Verkäufe in diesem Jahr um etwa 10 bis 15 Prozent», so Mortier.

Alle analysierten Immobilieninstrumente zeigen positive Renditen

Anlegern stehen zahlreiche Instrumente zur Verfügung, wenn es um Investitionen in Immobilienmärkte geht. Von physischen Objekten über anspruchsvollere Finanzinstrumente, die durch Hypotheken gesichert sind, bis hin zu besicherten Schuldverschreibungen und Kredit-Verbriefungen.

Eine Amundi-Analyse des Risiko-Rendite-Profils zeige für alle Instrumente positive Renditen seit ihrem Auflegungsdatum, wobei US-Non-Agency-Papiere, also Private-Label-Papiere, im Allgemeinen höhere Renditen erzielten als staatlich garantierte Papiere, führt Mortier aus. Das schlage sich in einer höheren Risikoprämie nieder. Und er ergänzt: «Was das Risiko betrifft, so scheinen öffentlich gehandelte Real Estate Investment Trusts, so genannte REITs, aufgrund ihrer Aktienkomponente das volatilste Instrument zu sein. In jedem Fall können alle Instrumente Optionen sein, um ein global diversifiziertes Portfolio in einer Zeit hoher Inflation und steigender Zinsen zu ergänzen.»

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »