Der zweite Bericht des Bundesamts für Wohnungswesen zu Geschäftsmieten liegt vor. Er beleuchtet die Entwicklung der Geschäftsmieten infolge der Covid-19-Pandemie in der Schweiz zwischen Herbst 2020 und Mai 2021. Danach hat sich der Anteil der Unternehmen, die Zahlungsschwierigkeiten haben, fast vervierfacht.

Tatsächlich war die direkte Betroffenheit von Betrieben und Einrichtungen im zweiten Lockdown kleiner als im ersten Lockdown. 2020 waren 17 Prozent der Beschäftigten und rund 113.000 Mietverhältnisse von den Schliessungen betroffen. 2021 waren das noch 6,7 Prozent der Beschäftigten und 48.000 der Geschäftsmietverträge, wie aus dem zweiten Bericht des Bundesamts für Wohnungswesen zu Geschäftsmieten hervorgeht. Das liegt hauptsächlich daran, dass im Vergleich zur ersten Welle weniger Branchen betroffen waren. Die Belastung dauerte aber in der zweiten Welle länger an und war daher vor allem für die Gastronomie, den Detailhandel sowie die Freizeit- und Kulturbetriebe grösser. In der Gastronomie waren vom 22. Dezember 2020 bis am 18. April 2021 gut 80 Prozent der gesamten Miet- und Pachtzinse betroffen.

Viele Vermieter beklagen Mietzinsausfälle

71 Prozent der Geschäftsmieterinnen und -mieter in den betroffenen Branchen gaben an, dass ihr Umsatz im Jahr der Pandemie 2020 gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sei. Davon verzeichneten 36 Prozent der Unternehmen einen Umsatzrückgang von bis zu einem Fünftel, 33 Prozent meldeten Einbussen von 21 bis 50 Prozent. 13 Prozent verloren mehr als die Hälfte ihres Umsatzes. Entsprechend nahmen die Schwierigkeiten zu, die Miete begleichen zu können. Seit Beginn der Pandemie hat sich der Anteil der davon betroffenen Unternehmen von 8 auf 30 Prozent fast vervierfacht. Das betraf auch die Vermieterinnen und Vermieter. Seit Beginn der Pandemie ist der Anteil derjenigen, die von häufigen oder sehr häufigen Mietzinsausfällen betroffen waren, von 11 auf 17 Prozent gestiegen.

In knapp der Hälfte der Fälle erzielten Vermieter eine Einigung

Ungefähr die Hälfte der befragten Unternehmen verhandelte während der zweiten Welle mit dem Vermieter oder der Vermieterin über ein Entgegenkommen bei den Mietzahlungen. Bei 29 Prozent der befragten Mieterinnen und Mieter kam es zu einer Einigung, bei 16 Prozent wurde keine Lösung gefunden. Gegenüber dem Sommer 2020 gingen die Einigungen leicht zurück; wenn die Mietparteien allerdings miteinander verhandelten, fanden sie nach wie vor in zwei von drei Fällen eine Einigung. Aus Sicht der Vermieterinnen und Vermieter wurde in 44 Prozent der Fälle eine Einigung erreicht, in 5 Prozent nicht. Das Verhältnis von rund 9 zu 1 entspricht in etwa demjenigen vom Juni 2020.

Städte verzichteten vollständig oder teilweise auf die Miete

Bei den kantonalen und städtischen Massnahmen zeigte sich, dass die Mehrheit der Städte bei eigenen Geschäftsliegenschaften entweder vollständig oder zu einem grossen Teil auf die Miete verzichtete. In der ersten Welle hatten sieben Kantone ein Unterstützungsmodell, mit dem sie einen Teil der Mietkosten übernahmen. In der zweiten Welle taten dies noch drei Kantone.

Monitoring wird fortgesetzt

Der Bundesrat hat am 7. Oktober 2020 einen ersten Monitoringbericht zur Situation der Geschäftsmieten infolge der Covid-19-Pandemie vorgelegt. Inzwischen liegt der zweite Bericht vor. Trotz derzeit positiven Entwicklungen bei der Covid-19-Pandemie bestehen im Bereich der Geschäftsmieten Unsicherheiten. Der Bundesrat hat das Bundesamt für Wohnungswesen BWO deshalb beauftragt, das Monitoring in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Geschäftsmieten fortzuführen.

Aktuelle Beiträge

dpn Newsletter – Kompetent & unabhängig – Jede Woche neu
Jetzt anmelden »
dpn Newsletter
Jetzt anmelden »
Kompetent – unabhängig – jede Woche neu