Schweizerinnen und Schweizer ergreifen zunehmend Initiative, um ihre finanzielle Situation im Alter zu optimieren. So haben Einkäufe in die Pensionskasse wie auch Einzahlungen in die Säule 3a und in 1e-Vorsorgepläne zugenommen.

Ungeachtet der Notwendigkeit von Reformen gibt es schon heute verschiedene Stellschrauben, um die eigene finanzielle Situation im Alter vorausschauend zu verbessern. Denn die Schweizer Bevölkerung ist sich der wachsenden Bedeutung individueller Anstrengungen zur Sicherstellung eines angemessenen Lebensstandards im Alter zunehmend bewusst. Das belegt die neue «Vorsorgestudie 2022» der Credit Suisse, wonach Einzahlungen in die Säule 3a und freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse in den letzten Jahren tendenziell zugenommen haben. Erfreulich ist auch, dass sich die Wertschriftendurchdringung bei jungen 3a-Sparern – mit in der Regel langem Anlagehorizont – besonders deutlich erhöht hat. Frauen zahlen hingegen nicht nur seltener in die Säule 3a ein als Männer, sie verfolgen oft auch eine eher konservative Anlagestrategie mit einem Überschuss an Bargeld und einer erheblichen Unterinvestition in Aktien. 1e-Vorsorgepläne spielen zurzeit zwar noch eine untergeordnete Rolle, haben in den letzten Jahren aber an Bedeutung gewonnen.

Versicherte wollen Alterskapital in der beruflichen Vorsorge aufstocken

Die aktiven Versicherten der Schweizer Pensionskassen tätigten 2020 freiwillige Einmaleinlagen und Einkäufe (ohne Eintrittsleistungen, Rückzahlungen von WEF-Vorbezügen und Einzahlungen infolge Scheidung) im Wert von insgesamt über 6.8 Milliarden Franken. Dies geht aus den Daten des Bundesamts für Statistik hervor, wie die Credit Suisse schreibt. Das entspricht einem Betrag von rund 1550 Franken pro aktiven Versicherten. Im Vergleich zu 2010 (4.1 Milliarden Franken) erhöhte sich die gesamte Einkaufssumme folglich um gut zwei Drittel. Dieses deutliche Wachstum lässt sich gemäss Credit Suisse nur teilweise mit dem gestiegenen Versichertenbestand erklären. Einen wichtigen Grund sieht die Grossbank im zunehmenden Bewusstsein der Bevölkerung für die Herausforderungen der Altersvorsorge, etwa im Kontext sinkender Umwandlungssätze und schleppender Reformen. Das Thema habe im letzten Jahrzehnt klar an medialer Präsenz gewonnen. Mit Einkäufen hätten die Versicherten die Möglichkeit, ihr Alterskapital in der beruflichen Vorsorge aufzustocken, und somit bei gleichem Umwandlungssatz die Rentenleistungen aufzubessern beziehungsweise bei sinkendem Umwandlungssatz die Rentenverluste etwas auszugleichen.

Gute Börsenentwicklung animiert zu Einzahlungen

Als weiteren Grund nennt die Credit Suisse die solide Finanzmarktentwicklung in den letzten Jahren. So korreliere die Entwicklung der Einkaufssummen mit derjenigen von wichtigen Aktienindizes, etwa dem Swiss Market Index (SMI) oder dem globalen MSCI Index. In guten Börsenjahren werden also tendenziell mehr bzw. höhere Einkäufe in die berufliche Vorsorge getätigt. Das legt für die Credit Suisse die Vermutung nahe, dass die Versicherten etwaige Einkäufe oft nicht aus dem regulären Einkommen finanzieren, sondern eher aus ausserordentlichen Zuflüssen, wie Bonuszahlungen oder hohen Renditen auf dem privat angelegten Vermögen (oder auch aus Erbschaften). Ob jemand freiwillige Einzahlungen in die zweite Säule leistet, hängt laut den Erhebungen der Credit Suisse massgeblich vom Einkommen und vom Alter ab.

Private Vorsorge mit der Säule 3a wird zunehmend wichtiger

Rund 60 Prozent der Schweizer Erwerbstätigen zahlten 2019 in die Säule 3a ein. 2020 ist die Anzahl Personen mit einer 3a-Einzahlung gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Bei jungen Menschen unter 35 Jahren ist der Anteil der Personen, die in die Säule 3a einzahlen, allerdings klar unterdurchschnittlich. Dabei würde es sich aufgrund des Zinseszinseffekts lohnen, möglichst früh mit dem Vorsorgesparen anzufangen. Von den Erwerbstätigen mit Pensionskassen-Anschluss zahlt mehr als die Hälfte in die Säule 3a ein. In der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) des Bundesamts für Statistik (BFS) gaben 2019 insgesamt 53 Prozent der befragten Erwerbstätigen zwischen 18 Jahren und dem ordentlichen Rentenalter an, regelmässig in die Säule 3a einzuzahlen. Weitere 6 Prozent leisten nur unregelmässig Beiträge. Gegenüber einer früheren Umfrage aus dem Jahr 2015 hat sich das Bild damit nicht grundlegend verändert: Damals leisteten 55 Prozent der Erwerbstätigen regelmässig und 6 Prozent unregelmässig Beiträge.

1e-Vorsorgepläne gewinnen an Bedeutung

1e-Vorsorgepläne spielen mit einem Vorsorgekapital von 6.66 Milliarden Franken per Ende 2020 – dies sind 0.8 Prozent des gesamten Vorsorgekapitals – zurzeit noch eine untergeordnete Rolle. Sie haben in den letzten Jahren allerdings an Bedeutung gewonnen: Ende 2015, als die Erfassung dieser Daten erstmals erfolgte, waren es erst 1.69 Milliarden Franken (0.2 Prozent). Der Markt hat sich demnach innert fünf Jahren knapp vervierfacht. Die Credit Suisse geht davon aus, dass diese Vorsorgelösungen auch in den kommenden Jahren nochmals wichtiger werden. Sie führt eine 2021 von PwC durchgeführte Umfrage bei 17 Schweizer 1e-Stiftungen (davon 14 Sammelstiftungen) an, welche ebenfalls ein anhaltendes Wachstum signalisiert hätten. So habe das Anlagevermögen in den 1e-Plänen der befragten Stiftungen Ende 2020 rund 5.8 Milliarden Franken betragen, davon 4.3 Milliarden in Sammelstiftungen. Die Sammelstiftungen erwarteten bis 2026 ein jährliches Wachstum von 17 Prozent und einen Anstieg des Anlagevermögens auf rund 9.3 Milliarden Franken. Der 1e-Gesamtmarkt dürfte laut Credit Suisse im Jahr 2026 die Schwelle von 10 Milliarden Franken überschreiten.

Potenzial für 1e-Vorsorgepläne ist noch nicht ausgeschöpft

Mit Blick auf das Vorsorgekapital schätzt die Credit Suisse das Potenzial für 1e-Vorsorgepläne insgesamt auf rund 65 Milliarden Franken. Sie hat dazu den Kreis potenzieller 1e-Versicherter ausgehend von der Einkommensverteilung gemäss Schweizerischer Arbeitskräfteerhebung (SAKE) des Bundesamts für Statistik geschätzt. Danach verfügten 2020 rund 12 Prozent der Erwerbstätigen, welche die Eintrittsschwelle in die berufliche Vorsorge überschreiten, über ein Einkommen von mehr als 129.060 Franken.

1e-Vorsorgepläne sind klar nur für eine Minderheit der Schweizer Erwerbstätigen von Relevanz. Für die anbietenden Vorsorgeeinrichtungen sind sie hingegen attraktiv. Da Austrittsleistungen ausschliesslich in Kapitalform entrichtet werden, müssen keine Rückstellungen für zukünftige Umwandlungssatzverluste gebildet werden. Eine Umverteilung von den aktiven Versicherten hin zu den Rentnern findet folglich nicht statt. Da die in der beruflichen Vorsorge sonst geltende Garantie entfällt, wonach die versicherte Person beim Austritt Anspruch auf die eingebrachten Eintrittsleistungen und geleisteten Beiträge samt Zinsen hat, sind 1e-Vorsorgeeinrichtungen zudem nicht zur Bildung von Reserven für Wertschriftenverluste verpflichtet. Im Vergleich zu traditionellen Pensionskassen und Sammelstiftungen, die einen massgeblichen Anteil ihrer positiven Anlageergebnisse für die Umverteilung sowie die Reservebildung aufbringen müssen, verfügen 1e-Vorsorgeeinrichtungen unter dem Szenario langfristig steigender Finanzmärkte über ein wesentlich höheres Renditepotenzial. Dementsprechend stellt die Möglichkeit der Wahl einer individuellen Anlagestrategie für die Versicherten dann einen Vorteil dar, wenn sie gewillt sind, längerfristige Anlagerisiken selbst zu tragen.

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