«Bietet die Demokratie keine Alternativen, sucht man nach Alternativen zur Demokratie.» Mit diesem Zitat versucht der Publizist Roger de Weck in seiner Keynote auf dem Swiss Pension Forum in Zürich Antworten auf die dringlichsten Fragen zur Zukunft des Schweizer Rentensystems zu geben.

Die Schweizer Bevölkerung lebt immer länger, wie in anderen industrialisierten Ländern auch. Die Schar der Pensionierten wird aufgrund der Babyboomer-Generation, die langsam in Rente geht, immer grösser. Doch statt nach Reformen zu streben, welche den Ausbau des Rentensystems ermöglichen würden, suche man nach Lösungen, um die Leistungen zu kürzen, kritisiert der Publizist Roger de Weck. Das sei sozial ungerecht. Und er deckt anhand kritischer Anmerkungen zu den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Realitäten in der Schweiz weitere «Ungerechtigkeiten» auf.

Wir befinden uns an einem «Kipppunkt»

«Unseren Kindern und Enkeln wird es einmal schlechter gehen als uns, anders als früheren Generationen», sagt de Weck. Er wähnt uns an einem «Kipppunkt». Man habe sich von der Industrialisierung verabschiedet und das Computerzeitalter und die Digitalisierung willkommen geheissen. Diese biete neben Chancen auch Herausforderungen. de Weck spricht von der Globalisierung und von der Marktwirtschaft, die den Mächtigen dieser Welt als Instrument diene, vom Klimawandel, der das Leben auf der Erde bedrohe, und davon, dass sich die Aussichten ins Ungewisse verschoben hätten. Er spricht auch von einem Ungleichgewicht; während die Reichen immer reicher würden, sähen wir einen Sozialabbau, der die Mittelschicht und die Demokratie erodieren lasse. Sie sei jedoch die Basis unseres Staates. Währenddessen würden sich die Zurückgelassenen in die Arme der Populisten werfen.

Zeit für die öko-soziale Marktwirtschaft ist gekommen

Quelle FAZ Business Media Verlag

de Weck würdigt die wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften Europas nach dem zweiten Weltkrieg: Neben der Gründung der Europäischen Union und dem erlangten Frieden habe man eine soziale Marktwirtschaft geschaffen, deren Rahmen die Schwachen geschützt habe. Heute hingegen würden transnationale Unternehmen den Markt diktieren und Datenriesen wie Google und Co. die Menschen bestimmen. Er erwähnt auch das Vererben von gigantischen Reichtümern, was die Ungleichheit noch verstärke. So befänden sich etwa 50 Prozent des weltweiten Vermögens in der Hand von immer weniger Menschen. Das sei auch für die Wirtschaft nicht gut, denke man etwa an die Banken, denn diese Vermögen würden von Family Offices verwaltet. Und selbst Gutverdienende könnten kaum noch Wohneigentum erwerben, nur noch ererben. Es sei nun an der Zeit, die dritte Stufe – beziehungsweise die öko-soziale Marktwirtschaft – zu zünden und den Liberalismus, der die individuelle Freiheit zelebriert, zu modernisieren.

Es braucht eine gute Sozialpolitik

Im Bühnengespräch mit Johannes Ritter, Korrespondent Schweiz der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, und Albert Steck von der Wirtschaftsredaktion der NZZ am Sonntag erläutert de Weck, was er unter einer liberalen Altersvorsorge versteht. Er sieht darin etwa die Sicherung von Wohneigentum. Auch spricht er die Sozialpolitik an. Die Altersvorsoge müsse angesichts der steigenden Zahl an Rentnern verstärkt, nicht gekürzt werden. Damit schaffe man nur einen kurzfristigen Ausgleich, statt die Altersvorsoge langfristig zu sichern. Ritter spricht das Credit Suisse Sorgenbarometer an, wo die Altersvorsorge regelmässig auf den vorderen Plätzen rangiert. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes im Alter bereitet Sorge. Steck führt dazu die Umbrüche in der Wirtschaft und den Fachkräftemangel bei neuen Technologien an. Er sieht eine Abkoppelung zwischen der globalen und der Binnenwirtschaft.

Parlament muss einen Ausgleich schaffen

Quelle FAZ Business Media Verlag

de Weck wiederholt seine Ansicht zur vorherrschenden Ungleichheit, welche Ressentiments schaffe. Der Finanzjournalist Albert Steck propagiert, die Pensionskassen wieder attraktiver zu machen, indem die Altersgrenze angesichts der steigenden Lebenserwartung flexibilisiert würde. Durch eine längere Beitragsdauer könnten auch die Einnahmen erhöht werden. de Weck erinnert daran, dass Bismarck in Deutschland in den späten 1880er Jahren das Rentenalter für das Deutsche Reich bei 65 Jahren angesetzt habe, zu einer Zeit, als das Lebensdurchschnittsalter nur 47 Jahre betragen habe. Der Publizist fordert ein starkes Parlament, das für einen gewissen Ausgleich anhand von Gesetzen sorge. In seinem neuen Buch zementiert er «Die Kraft der Demokratie».

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