Die Zinsen für Festhypotheken in der Schweiz sind den Kapitalmarktzinsen gefolgt und zeigen eine Reaktion, die vom Ausmass her mit dem Anstieg nach dem Frankenschock 2015 vergleichbar ist. Die weitere Entwicklung ist ungewiss.

Die Wirtschaftsleistung in der Schweiz lag trotz erheblicher Konjunkturrisiken in den letzten Wochen leicht über dem Vorkrisenniveau. Die Kapitalmarktzinsen sind im ersten Quartal 2022 je nach Laufzeit um 60 bis knapp 100 Basispunkte angestiegen und verzeichnen Werte wie zuletzt Mitte 2014. So die Einschätzungen vom Hypothekarvermittler MoneyPark.

Weiterer Konjunkturanstieg wird nicht erwartet

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die Sanktionen des Westens haben das weltweite Wirtschaftswachstum jüngst negativ beeinflusst. Die noch nicht überwundenen Lieferengpässe drohen sich durch den Krieg wieder zu verschärfen und die Rückkehr auf das Vorkrisenniveau zumindest zu verzögern. Besonders kritisch akzentuiert sich die Lage bei den Energiepreisen für private Verbraucher und gewerbliche Nutzer. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in der Schweizer nimmt sich da positiv aus; gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft liegt das Bruttoinlandprodukt weiterhin leicht über dem Vorkrisenniveau und die Arbeitslosigkeit ist rekordtief. Ein weiterer Konjunkturanstieg wird jedoch nicht erwartet.

Inflationsanstieg zwingt Notenbanken zum Handeln

Die weltweit hochschiessende Inflation hat die wichtigsten Notenbanken der Welt – etwa die US- und die Europäische Zentralbank – veranlasst, ihre expansive Geldpolitik zu straffen. Ankündigungen dazu fielen bereits Ende 2021, weshalb die jüngsten Entscheide zu keinen weiteren Zinsanstiegen führten. Gemäss den Analysten von MoneyPark waren es insbesondere die durch den Krieg gestiegenen Rohstoffpreise bei Treibstoffen und Nahrungsmitteln, welche die Inflation und damit auch die mittel- und langfristen Kapitalmarkt- und Hypothekarzinsen weiter anheizten, bei gleichzeitig düster werdenden Wirtschaftsaussichten. «Diese Unsicherheit engt den Handlungsspielraum der Währungshüter ein, weshalb der Zinsanstieg aus unserer Sicht auf wackeligen Beinen steht. Ob wir nun eine bedeutende Zinswende mit einem nachhaltig höheren Zinsniveau sehen werden, ist derzeit äusserst schwierig einzuschätzen», so die Analysten.

Steigen die Zinsen weiter an?

Die Kapitalmarktzinsen haben im ersten Quartal einen historischen Anstieg verzeichnet. So stieg der SWAP-Satz für zehn Jahre um knapp 100 bps (1 Prozent). «Der Anstieg startete im Dezember 2021 mit der Ankündigung der US-Notenbank Fed, 2022 drei Zinserhöhungen vornehmen zu wollen, und wurde dann durch immer höhere Inflationswerte auf einen Stand getrieben, den wir zuletzt Mitte 2014 gesehen haben», fassen es die Analysten zusammen. Dabei habe der Kriegsausbruch in der Ukraine zwischenzeitlich rund 20 bps des Anstiegs vernichtet. Und sie ergänzen: «Rasch dominierte aber wieder die Einsicht, dass die explosionsartig gestiegene Inflation nur mit höheren Zinsen eingedämmt werden kann.»

Hypothekarzinsen dürften sich mittelfristig seitwärts bewegen

Nachdem sich die Zinswende bei den langen Laufzeiten bereits anfangs Jahr manifestiert hatte, sind nun auch die Richtsätze der kurz- und mittelfristigen Laufzeiten kräftig gestiegen und dürften damit 2022 einen höheren Durchschnitt aufweisen als in den vergangenen Jahren. «Rund die Hälfte des Hypothekarzinsanstiegs im ersten Quartal dürfte auf den Krieg in der Ukraine zurück gehen. Diesen Anstieg sehen wir auf wackeligen Beinen, da sich die durch den Krieg weiter forcierte Inflation schon bald in einen wirtschaftlichen Dämpfer verwandeln könnte und damit die Zinsen belasten dürfte. Entsprechend rechnen wir bei den Hypothekarzinsen mittelfristig mit einer Seitwärtsbewegung oder sogar leichten Korrektur nach unten», so das Fazit der Analysten. Doch sie räumen ein: «Zwischenzeitlich weitere Anstiege sind nicht auszuschliessen.» Um sinkende Hypothekarzinsen zu sehen, müssten die Kapitalmarktzinsen erst wieder sinken, betonen die Analysten: «Die Margen sind derzeit eher klein und damit ist bei gleichbleibenden oder steigenden Kapitalmarktzinsen nicht mit tieferen Hypothekarzinsen zu rechnen.»

Differenz zwischen dem günstigsten und teuersten Angebot steigt

Die Top-Hypothekaranbieter würden allerdings weiterhin attraktive Angebote offerieren, so die Analysten weiter. Ihre zwei- und fünfjährigen Hypotheken seien jüngst sogar wieder leicht günstiger gewesen als vor Kriegsausbruch: «Entsprechend steigt die Differenz zwischen dem günstigsten und teuersten Anbieter. Sie liegt bei der zehnjährigen Laufzeit bei über einem Prozent.»

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »