Die gute Marktrendite wurde von der Zunahme der Verbindlichkeiten aufgrund niedrigerer Renditen auf Unternehmensanleihen nur teilweise aufgezehrt. Die im Index abgebildeten Unternehmensbilanzen erreichten einen neuen Höchststand.

Die im Laufe des vierten Quartals verzeichnete positive Rendite der Vermögenswerte von Schweizer Pensionskassen wurde durch den Rückgang des Diskontierungssatzes nur teilweise gemindert, sodass der Willis Towers Watson Pensionskassenindex bis zum Jahresende einen Anstieg von 1 Prozent realisierte. Die Vermögenswerte stiegen im Verlauf des Quartals um 2,5 Prozent, während die Renditen auf Unternehmensanleihen zum Jahresende rund 7 Basispunkte niedriger waren als am Ende des dritten Quartals. Der exemplarische Deckungsgrad, beziehungsweise das Verhältnis von Pensionsvermögen zu Pensionsverpflichtungen, stieg von 117,0 Prozent am 30. September auf 118,0 Prozent am 31. Dezember 2021.

Willis Towers Watson erhebt den Pensionskassenindex vierteljährlich und veröffentlicht ihn im Swiss Pension Finance Watch. Er basiert auf dem International Accounting Standard 19 (IAS 19) und US GAAP FASB ASC 715. Der Index stellt die quartalsweise Entwicklung des Ausfinanzierungsgrads unter den Rechnungslegungsstandards dar, statt den sonst typischen Deckungsgrad der schweizerischen Vorsorgepläne anzugeben.

Zum Deckungsgrad-Anstieg haben mehrere Faktoren beigetragen

Mehrere Faktoren haben dazu beigetragen, dass der Deckungsgrad in den Unternehmensbilanzen 2021 gestiegen ist: Eine Anlagerendite von rund 10 Prozent für eine typische Schweizer Pensionskasse, der Anstieg des Diskontierungssatzes um rund 20 Basispunkte und die Veröffentlichung der technischen Grundlagen BVG 2020. Die Pensionsvermögen werden bei einigen Unternehmen die Verbindlichkeiten deutlich übersteigen, aber der daraus resultierende Vorteil ist laut Willis Towers Watson womöglich begrenzt.

Manche Unternehmen ziehen aus dem Überschuss keinen Nutzen

«Wir haben schon seit einigen Jahren nicht mehr so viele Unternehmen gesehen, bei welchen die Pensionsvermögen die zugehörigen Verpflichtungen übersteigen. Und während Unternehmen, die ihre Abschlüsse nach US GAAP erstellen, das gesamte Netto in ihren Bilanzen ausweisen, kann nach IFRS die Anrechnung des Überschusses begrenzt sein», erklärt Adam Casey, Head of Corporate Retirement Consulting bei Willis Towers Watson in Zürich. Und er fährt fort: «Ein Nettovermögen kann bei Pensionsverpflichtungen nicht an das Unternehmen zurückfliessen. Für Unternehmen, die von dem Überschuss keinen Nutzen erwarten können, begrenzt der IFRS-Standard die Höhe des Überschusses, den das Unternehmen ausweisen kann.»

Steigende Leitzinsen wirken sich auf Anlageportfolios aus

Nach einem leichten Touchieren des negativen Bereichs in den drei Monaten bis zum 30. September hat sich die positive Performance im letzten Quartal 2021 fortgesetzt, welche seit dem Beginn der Covid-19-Pandemie im März 2020 an den Märkten zu beobachten war. Eine typische Schweizer Pensionskasse hat im vierten Quartal 2021 eine Rendite von 2,5 Prozent erzielt. Doch Michael Valentine, Investment Consultant bei Willis Towers Watson in Zürich, warnt: «Der scheinbar unaufhaltsame Aufwärtstrend der Marktbewertungen verschleiert die Bedeutung einiger zugrundeliegender Verhaltensverschiebungen, insbesondere der Inflation. An den letzten Sitzungen der US-Notenbank wurde der Ton zunehmend schärfer, da die Inflationsrate in den USA auf rund 7 Prozent gestiegen ist. Die daraus abgeleitete Aussicht, dass die Leitzinsen steigen werden, hat erhebliche Auswirkungen auf institutionelle Anlageportfolios, insbesondere in Bezug auf die Renditen von festverzinslichen Anlagen.»

Langfrist-Investoren benötigen gute Entscheidungsprozesse

Allerdings gibt es für Valentine durchaus Gründe anzunehmen, dass der Inflationsdruck nachlassen wird, sobald der Höhenflug der Energiepreise ein Ende nimmt, wie er anmerkt. Auch sei in diesem Zusammenhang die massive globale Verschuldung zu bedenken, der beschleunigte Übergang zu CO2-ärmeren Energiequellen, sowie die Frage, wie effektiv die Pandemie bewältigt werde. «Angesichts der Schwierigkeit, den Verlauf dieser komplexen, mehrschichtigen Entwicklungen vorherzusagen, müssen langfristig orientierte Investoren über besonders gut strukturierte Entscheidungsprozesse verfügen, also vor allem über eine starke Governance», rät Valentine. Und er ergänzt: «Wir empfehlen, in den Rahmen der Asset-Liability-Modellierung auch Stresstests und Szenarioanalysen einzubeziehen, um diese komplexen Fragen anzugehen, und ihre möglichen Auswirkungen auf das Portfolioverhalten besser zu verstehen.»

Wahl der Anlageklassen sollte Risiken berücksichtigen

Der nächste Schritt sei die Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse auf die Wahl der Anlageklassen, wie Valentine ausführt: «Bestimmte Anlageklassen, wie beispielsweise Insurance-Linked Securities, sind für die meisten Inflationsszenarien tendenziell gut geeignet. Zudem bieten Sachwerte wie Infrastruktur und Immobilien eine gewisse Inflationsabsicherung und dürften das Portfolio stärken. Demgegenüber sollte die festverzinsliche Komponente womöglich reduziert werden.» Zur Bewältigung der Energiewende habe Willis Towers Watson einfache, indexbasierte Lösungen entwickelt, welche die damit verbundenen Risiken sehr effektiv mindern würden, und den CO2-Fussabdruck der Portfolios zu verkleinern helfe. Gleichzeitig böten sie auch ein hohes Renditepotenzial.

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