Die weltweit verwalteten Vermögen wuchsen 2020 um 11 Prozent auf 103 Billionen US-Dollar an. Die Rentabilität der Vermögensverwaltungsbranche hinkt allerdings hinterher. Neue Anlageklassen gewinnen an Bedeutung.

Der globale Vermögensverwaltungsmarkt wuchs 2020 um 11 Prozent, und damit etwas weniger stark als im Vorjahr, als der Anstieg knapp 15 Prozent betrug. Das Wachstum zwischen 2009 und 2019 lag jedoch bei annualisierten 7 Prozent. Angesichts der Marktturbulenzen zu Beginn des Jahres 2020, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, war das Wachstum beachtlich, finden die Berater der Boston Consulting Group (BCG) in ihrer jährlich publizierten «Global Asset Management-Studie».

Markt hat von Anlageperformance und hohem Neugeldzufluss profitiert

Angetrieben wurde das Wachstum von der guten Finanzmarktentwicklung und grosszügigen Neugeldzuflüssen. So sind 7,6 Prozent des erzielten Marktwachstums auf die gute Anlageperformance zurückzuführen. Globale Aktien legten gemessen am MSCI World Index um fast 16 Prozent an Wert zu.

Derweil beliefen sich die globalen Netto-Neugeldzuflüsse 2020 auf gut 2,8 Billionen Dollar, oder 3,1 Prozent der gesamten globalen Vermögen zu Beginn des Jahres. Dieses Wachstum steht einem durchschnittlichen Neugeldzufluss von 1-2 Prozent während der vorangegangenen Dekade gegenüber.

Private haben doppelt so viel Neugeld eingebracht wie Institutionelle

Die Vermögensportfolios von Privatanlegern wie auch von institutionellen Anlegern nahmen 2020 im Gleichschritt mit dem Gesamtmarkt um 11 Prozent zu. Die Privatanleger repräsentierten 41 Prozent des globalen Marktes. Den Grossteil, mit 59 Prozent, machten aber die institutionellen Anleger aus. Ihr Anteil wuchs auf 61 Billionen Dollar. Beim Neugeld trugen Privatanleger mit plus 4,4 Prozent jedoch doppelt so viel bei wie die Institutionellen (+2,2 Prozent).

Nordamerika bleibt der grösste Asset Management Markt

Nordamerika behielt seine Position als weltweit grösste Vermögensverwaltungsregion bei. Der Vermögensverwaltungsmarkt wuchs hier um 12 Prozent auf 49 Billionen Dollar an. Der Nahe Osten und Afrika legten ebenfalls um 12 Prozent zu, gefolgt von der Region Asien-Pazifik mit 11 Prozent, und schliesslich Europa, mit einem Marktwachstum von 10 Prozent. Dabei durchbrach Europa die 25-Billionen-Dollar-Marke. Zwischen 2009 und 2019 hatte das Wachstum annualisiert nur 6 Prozent betragen. Der grösste Vermögensverwaltungsmarkt innerhalb Europas ist Grossbritannien, mit einem Volumen von 6 Billionen Dollar. Das Wachstum dort betrug trotz Brexit 10 Prozent.

Schweizer Marktwachstum hält mit dem globalen Schritt

Die Schweiz ist in der aktuellen BCG-Studie nicht aufgeführt. Gemäss der «Swiss Asset Management Study 2021» der Hochschule Luzern und der Asset Management Association Switzerland wuchs die Asset Management Branche in der Schweiz 2020 um 10,6 Prozent. Damit erreichte sie einen neuen Höchststand gemessen an den im Inland verwalteten Vermögen von 2,8 Billionen Franken. Dies entspricht fast 400 Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts. Dieser Anstieg der verwalteten Vermögen (+ 268 Milliarden Franken) ist auf organisches Wachstum in Form von hohen Nettozuflüssen (+ 101 Milliarden Franken, 4,0 Prozent) und auf die Anlageperformance (+167 Milliarden Franken, 6,6 Prozent) zurückzuführen.

Rentabilität hinkt hinterher

Die Rentabilität der Vermögensverwaltungsbranche hat sich 2020 allerdings nicht verbessert, was BCG mit dem Druck auf die Gebühren erklärt. Der operative Gewinn im Verhältnis zu den Nettoeinnahmen lag bei 34 Prozent. Der Gewinnzuwachs betrug lediglich 1 Prozent. «Die Vermögensverwaltungsbranche ist grossen Veränderungen ausgesetzt, vor allem in der Distribution», sagt Lubasha Heredia, Managing Director bei der BCG und Partner, sowie Co-Autorin der Studie. «Diese stellen Herausforderungen, aber auch Wachstumschancen dar.» Die nächste grosse Aufgabe für die Vermögensverwaltungsbranche sieht sie in der Entwicklung von angemessenen Wachstumsstrategien. Dabei müsse man sich wieder vermehrt auf Differenzierung und Vorteil konzentrieren. Aber auch die Kundenbindung und die Talentsuche seien wichtig.

Neue Anlageklassen gewinnen an Bedeutung

Die meisten klassischen Anlageklassen erfuhren 2020 ein zweistelliges Wachstum und liessen ihre fünf- und zehnjährigen Durchschnittswerte hinter sich. Dennoch gewinnen neue Anlageklassen weiter an Bedeutung. Dazu zählen insbesondere Alternative Anlagen. Auch kostengünstige, passiv gemanagte Anlagen legen kontinuierlich zu. Deren Anteil am Gesamtvolumen erhöhte sich zwischen 2009 und 2020 von 12 auf 21 Prozent, und dürfte 2025 bei rund 25 Prozent liegen. Der Anteil aktiv verwalteter Fonds sank im selben Zeitraum von 39 auf 31 Prozent. Sie leiden besonders unter dem Gebührendruck. Bis 2025 dürfte sich dieser Anteil gemäss Studie auf 26 Prozent reduzieren, und damit dasselbe Niveau wie die passiven Anlagen erreichen. Insgesamt jedoch sollen alle Anlageklassen markant wachsen. Die Bosten Consulting Group geht bis 2025 von einer Zunahme der verwalteten Vermögen um 33 Billionen auf 136 Billionen Dollar aus.

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