Die globale Steuerlandschaft ist im Umbruch – mit Folgen für die Schweiz und die ansässigen Unternehmen. Punkto globaler Mindeststeuer für grosse Unternehmen muss sich die Schweiz beeilen, wenn sie keine Nachteile hinnehmen will.

Die Schweiz ist steuerlich sowohl für Unternehmen als auch für Privatpersonen ein attraktiver Standort. Tatsächlich sind die ordentlichen Gewinnsteuersätze für Unternehmen im Vorjahresvergleich leicht gesunken – von 14,9 auf 14,7 Prozent. Grund dafür sind insbesondere die Steuersenkungen in den Kantonen Wallis (-1,6 Prozentpunkte), Aargau (-1,1 Prozentpunkte) und Jura (-1,0 Prozentpunkt). Die tiefsten ordentlichen Gewinnsteuersätze veranlagen nach wie vor die Zentralschweizer Kantone sowie die Kantone Glarus und Appenzell-Innerrhoden. So führt der Kanton Zug die Rangliste der Kantone mit einem Satz von 11,9 Prozent an, gefolgt von den Kantonen Nidwalden (12,0 Prozent) und Luzern (12,2 Prozent). Der Kanton Bern bildet mit einem Gewinnsteuersatz von 21,0 Prozent das Schlusslicht. Im internationalen Vergleich besteuert die Schweiz die Unternehmen tief. Niedrigere Steuersätze als die Tiefsteuerkantone bieten lediglich die klassischen Offshore-Domizile, Guernsey, Katar sowie einige (süd-)osteuropäische Staaten. Irland bleibt der wichtigste Konkurrent der Schweiz in Europa. Das geht aus dem Swiss Tax Report der KPMG hervor.

Fast die Hälfte der Kantone entlastet Spitzenverdiener

Auch die Schweizer Steuersätze für Spitzeneinkommen sind im Vorjahresvergleich leicht zurückgegangen – von 33,7 auf 33,5 Prozent. Grund dafür ist, dass zwölf Kantone den Steuersatz für Spitzeneinkommen leicht gesenkt haben. Die grössten Reduktionen haben dabei die Kantone Schwyz (-1,5 Prozentpunkte), Schaffhausen (-1,0 Prozentpunkte), Thurgau und Luzern (je rund -0,6 Prozentpunkte) vorgenommen. Am tiefsten werden Spitzeneinkommen in den Kantonen Zug (22,2 Prozent), Appenzell Innerrhoden (23,8 Prozent) und Obwalden (24,3 Prozent) besteuert. Die höchsten Steuersätze wenden die Kantone Genf (44,8 Prozent), Basel-Landschaft (42,2 Prozent) und Waadt (41,5 Prozent) an.

Umweltsteuern rücken in den Fokus

Staaten weltweit setzen auf sogenannte ‘grüne’ Steuern zur Erhöhung der Steuereinnahmen und zur Durchsetzung des Verursacherprinzips im Umweltbereich. Das Spektrum reicht von Energiesteuern und emissionsbezogenen Massnahmen über Verkehrssteuern bis hin zu Steuern auf Umweltverschmutzung, Ressourcenmanagement und Abfallentsorgung. Zwar bewegt sich der Anteil der Umweltsteuereinnahmen gemessen am Bruttoinlandprodukt noch auf tiefem Niveau. Er liegt gemäss OECD-Statistik in den OECD-Mitgliedstaaten bei rund 1,5 Prozent, in der EU bei circa 2,3 Prozent und in der Schweiz bei rund 1,4 Prozent. «Mit dem zu erwartenden Inkrafttreten bedeutender umweltpolitischer Massnahmen im Bereich der Besteuerung von CO2-Emissionen und Plastik wird der Anteil der Umweltsteuern am Gesamtsteuereinkommen in Zukunft erheblich steigen», prognostiziert Anne Marie Anselmi, Steuerexpertin bei KPMG.

Obwohl die jüngsten Statistiken auf einen leichten Rückgang der Umweltsteuereinnahmen im Verhältnis zum BIP zwischen 2019 und 2020 hindeuten, widerspiegelt dieser Rückgang hauptsächlich Verzögerungen bei der Umsetzung der Umweltpolitik und der Anpassung an die Steuervorschriften während dieses Zeitraums. Wie Anselmi erklärt, seien die Länder in den letzten zwei Jahren vor allem mit der Bewältigung der Coronapandemie beschäftigt gewesen. Nun aber müssten die Regierungen ihre Etats rasch auf die nächste sich anbahnende Krise ausrichten: den Klimawandel. Und sie ergänzt: «Umweltsteuern sind eine Möglichkeit, die Steuereinnahmen zu erhöhen und gleichzeitig gezielte Anreize für eine nachhaltigere Wirtschaft zu setzen.»

Nur knapp ein Fünftel publizieren Steuertransparenzberichte

Da Umweltsteuern in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich umgesetzt werden, ist der umweltpolitische Handlungsspielraum vor allem für international tätige Unternehmen oft unübersichtlich. Gleichzeitig sind die Unternehmen auch hinsichtlich Steuertransparenz zunehmend gefordert, denn diese entwickelt sich zu einer wichtigen Messgrösse zur Beurteilung der Unternehmensführung und ist eng mit anderen ESG-Kennzahlen verknüpft. Viele grosse Schweizer Unternehmen veröffentlichen zwar Nachhaltigkeitsberichte, doch sind die Steueraspekte in diesen Berichten nur selten detailliert abgedeckt. Eine KPMG-Analyse der 150 grössten an der SIX Stock Exchange kotierten Unternehmen zeigt, dass nur 19 Prozent der Firmen Steuertransparenzberichte publizieren. Das soll sich künftig ändern. So werden zahlreiche Unternehmen voraussichtlich ab 2025 der Public-CbCR-Richtlinie der EU unterliegen. Diese verlangt neue Offenlegungspflichten für multinationale Unternehmen mit einer Niederlassung in einem EU-Land und einem Jahresumsatz ab 750 Millionen Euro. Das dürfte die Zahl der publizierten Steuertransparenzberichte deutlich erhöhen.

Schweiz muss sich bei der globalen Mindestbesteuerung beeilen

Die Schweiz kann sich den internationalen Steuerentwicklungen nicht entziehen. Das zeigt ein Blick auf die bevorstehende Einführung einer globalen Mindeststeuer: 18 Kantone liegen mit ihren Steuersätzen unter dem von der OECD angepeilten Mindestgewinnsteuersatz von 15 Prozent. Heben die Kantone beziehungsweise die Schweiz ihre Gewinnsteuersätze für betroffene Unternehmen nicht auf diesen Schwellenwert an, könnte die Differenz im Ausland besteuert werden. Und Olivier Eichenberger, Steuerexperte bei KPMG weiss: «Dem Schweizer Fiskus würden gemäss Schätzungen des Bundes zumindest kurzfristig Steuereinnahmen von rund 1 bis 2,5 Milliarden Franken entgehen, auf die er angesichts der Pandemiefolgen und der anstehenden Herausforderungen nicht verzichten sollte.»

Schweiz ist mit ihrem Politsystem besonders stark gefordert

Aufgrund des ambitionierten Fahrplans der OECD und der G20-Staaten – erste Elemente der Mindestbesteuerung sollen bereits am 1. Januar 2023 in Kraft treten – ist die Schweiz mit ihrem Politsystem besonders stark gefordert. So hat der Bundesrat beschlossen, die Mindeststeuer mit einer Verfassungsänderung umzusetzen und mittels einer temporären Verordnung sicherzustellen, dass die Mindeststeuer per 1. Januar 2024 eingeführt werden kann. Das Schweizer Stimmvolk soll am 23. Juni 2023 darüber abstimmen. Ungeachtet des Abstimmungsausgangs wird die globale Mindeststeuer weitreichende Bedeutung für den internationalen Standortwettbewerb haben. Sie schränkt die Möglichkeiten von Tiefsteuerländern ein, sich mittels kompetitiver Steuerregimes zu positionieren. Und so erklärt Stefan Kuhn, Leiter der Steuer- und Rechtsberatung von KPMG: «Länder wie die Schweiz sind stark gefordert, ihre anderen Standortfaktoren wie den Zugang zu Fachkräften oder flexible Arbeitsmarktbedingungen gezielt zu pflegen.»

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