Vermögensverwalter in Europa wachsen deutlich langsamer als ihre internationalen Konkurrenten. Dabei mangelt es an Rentabilität und Profit.

Zahlreiche Fusionen und Übernahmen unter den Vermögensverwaltern haben weltweit zu einem Anstieg der verwalteten Kundengelder geführt, und das Wachstum der Asset-Management-Unternehmen weiter vorangetrieben. Das zeigt die aktuelle Studie «Cost and Growth in Asset Management» von Strategy&, der Strategieberatung von PwC. Für die Studie wurde ein Sample von 41 Vermögensverwaltern untersucht, basierend auf öffentlich verfügbaren Daten marktführender Vermögensverwalter sowie ausgewählter Vermögensverwalter aus Europa, insbesondere Deutschland und der Schweiz.

US-Asset Manager sind deutlich stärker gewachsen

Im internationalen Vergleich haben US-Vermögensverwalter die Nase vorn; sie sind deutlich stärker gewachsen als ihre Konkurrenten. So hat das Volumen der verwalteten Assets bei den untersuchten Vermögensverwaltern 2020 verglichen zum Vorjahr um lediglich 6,6 Prozent zugenommen (2019: 12 Prozent). Im Referenzindex MSCI World hat sich das Asset-Volumen in der gleichen Zeit um 15,9 Prozent gesteigert (2019: 27,7 Prozent). Der Gewinn der betrachteten Unternehmen ist jedoch seit 2019 – trotz Anstieg der verwalteten Vermögen und konstant niedriger Durchschnittskosten – im Schnitt um 14 Prozent geschrumpft.

Am profitabelsten zeigen sich kleinere Vermögensverwalter mit aktiven Anlagemanagementmodellen und einem Aktienanteil von mindestens 50 Prozent, trotz deutlich höherer Kosten pro verwaltetem Vermögen.

Kostensenkungsmassnahmen alleine reichen nicht aus

Ähnlich ist das Bild für die Jahre 2018 bis 2020: Zwar konnten die in der Studie analysierten Asset Manager die Volumina ihrer Kundengelder in den Jahren 2018 bis 2020 um 24 Prozent steigern. Die Rentabilität der verwalteten Vermögen (AuM) ist im selben Zeitraum jedoch ebenfalls um 24 Prozent gesunken. Dank starker Kostensenkungsmassnahmen in den letzten Jahren hat sich die durchschnittliche Cost-Income-Ratio (CIR) immerhin von 66 Prozent auf 65 Prozent verbessert – das Tempo dieses Rückgangs nimmt jedoch merklich ab.

Umdenken ist dringend erforderlich

«Die Konzentration auf die Kostenreduktion hat bei den Vermögensverwaltern dazu geführt, dass Investitionen in neue Geschäftsmodelle und damit auch die Chance auf Steigerungen bei den Einnahmen in den Hintergrund gerückt sind», erklärt Dr. Utz Helmuth, Director bei Strategy& Schweiz. Anhaltende Niedrigzinsen und ein averses Risikoprofil würden ausserdem zu einer erheblichen Gewichtung zugunsten risikoarmer und festverzinslicher Produkte in der Vermögensallokation führen. Und er fährt fort: «Dies wirkt sich zusätzlich negativ auf Erträge und Rentabilität aus. Um auch mit höheren Kosten und gleichbleibend niedriger CIR rentabel zu arbeiten, sind ein Umdenken und eine stärkere Konzentration auf die Steigerung der Einnahmen dringend erforderlich.»

Es leiden auch Vermögensverwalter von Versicherungsunternehmen

Insbesondere Captives und andere Vermögensverwalter – als fester Teil einer Versicherungsgesellschaft – bleiben hinter der durchschnittlichen Marktrentabilität zurück. 2020 lagen die Einnahmen der Vermögensverwalter von Versicherungsunternehmen mit etwa 23,5 Basispunkten deutlich unter dem Marktdurchschnitt. Im Gegensatz dazu stieg das jährliche Wachstum der verwalteten Vermögen bei Versicherungs-Asset-Managern, die Third-Party-Geschäfte akquirieren, um 2,5 Prozentpunkte stärker als bei Captives ohne die Akquise neuer Vermögenswerte durch Dritte. Auch der Gewinn vor Steuern pro 100 Milliarden Euro AuM lag bei der ersten Gruppe mit 7.9 Milliarden Euro um rund 2.1 Milliarden Euro höher als bei den Captives, da die zusätzlichen Kosten für die Verwaltung von Vermögenswerten Dritter durch die resultierenden Ertragssteigerungen mehr als ausgeglichen werden.

Betreuung von Drittparteien erfordert Ressourcen

Die Betreuung von Drittparteien erfordert den Aufbau neuer Berichts- und Vertriebskapazitäten für firmeneigene Vermögensverwalter. Um mit dem Third-Party-Geschäft durch organischen Aufbau profitabel zu werden, benötigen Vermögensverwalter im Durchschnitt vier bis sieben Jahre und ein AuM-Volumen zwischen 25 und 75 Milliarden Euro, sagen die Studienautoren. «Asset Manager sollten sowohl neue profitable Anlageklassen, Produkte und Strategien erschliessen, als auch weitere Skaleneffekte nutzen. Für Vermögensverwalter von Versicherungen heisst das beispielsweise, Assets von anderen Versicherern mit ähnlich gelagertem Risiko- und Anlageprofil zu managen. Darauf aufbauend können dann die Möglichkeiten einer weiterführenden Wachstumsstrategie bei Produkten oder Regionen ausgelotet werden», fasst Andreas Pratz, Country Head von Strategy& Schweiz, die Studie zusammen.

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