Fusionen und Übernahmen mit Schweizer Beteiligung sind im ersten Halbjahr 2022 leicht zurückgegangen. Das Semester steht dennoch für die dritthöchste M&A-Aktivität in fast zwei Jahrzehnten.

Unternehmen haben im ersten Halbjahr dieses Jahres 281 Fusionen und Übernahmen mit Schweizer Beteiligung vollzogen (erstes Halbjahr 2021: 293 Transaktionen). Trotz leichtem Rückgang weist das erste Semester die dritthöchste M&A-Aktivität seit Messbeginn durch KPGM Schweiz im Jahr 2004 auf. Lediglich die beiden Semester von 2021 verzeichneten mehr Deals. «Die Investorenstimmung ist nach wie vor positiv und wurde bisher weder durch die geopolitische Lage noch globale Rezessionsszenarien getrübt», sagt Timo Knak, Leiter Deal Advisory und M&A bei KPMG. Auffällig ist auch in diesem Halbjahr die grosse Bedeutung von Private Equity-Gesellschaften, die an fast jedem dritten Deal beteiligt waren.

Transaktionsvolumen lag höher als im zehnjährigen Durchschnitt

Das Transaktionsvolumen lag in der ersten Jahreshälfte mit rund 84 Milliarden US-Dollar deutlich höher als im zehnjährigen Durchschnitt (USD 57 Mrd.). Das liegt insbesondere an zwei Mega-Deals mit einem Transaktionsvolumen von mehr als 10 Milliarden Dollar.

Der grösste Deal war mit rund 20.7 Milliarden Dollar der Zusammenschluss des Genfer Spezialchemiehersteller Firmenich mit der niederländischen Royal DSM. Auf Platz 2 der grössten Transaktionen folgte die Übernahme vom schwedischen Tabakhersteller Swedish Match AB durch Philip Morris International für rund 17.4 Milliarden Dollar.

Die zehn grössten Fusionen und Übernahmen machten im ersten Halbjahr zusammen fast 80 Prozent des gesamten Transaktionsvolumens aus. Dabei wurde der Mai 2022 seinem Ruf als ‘Heiratsmonat’ gerecht: Von den zehn grössten Transaktionen mit Schweizer Beteiligung fiel die Hälfte in diesen Monat, darunter auch die beiden Mega-Deals.

Grösste Aktivität im Technologie- und Industriesektor

Mit je 49 Transaktionen waren der Industriesektor und die TMT-Branche (Technologie, Medien und Telekommunikation) die aktivsten Branchen. Zusammen machten sie einen Drittel aller Fusionen und Übernahmen im Schweizer M&A-Markt aus. Dabei betrug das Transaktionsvolumen im Industriesektor rund 14.3 Milliarden Dollar und in der TMT-Branche rund 6.7 Milliarden Dollar.

Auch die Pharma- und Life Sciences-Branche zeigte mit 34 Transaktionen oder 12 Prozent aller Deals eine hohe Dynamik. Das Transaktionsvolumen lag mit rund 3.6 Milliarden Dollar vergleichsweise tief. Weniger aktiv waren die Sektoren Commodities sowie Power & Utilities mit je 12 Transaktionen sowie die Chemiebranche mit sieben Transaktionen, wobei letztere aufgrund des 20-Milliarden-Dollar-Deals von Firmenich und der Royal DSM das grösste Volumen aller Sektoren verzeichnete (total USD 20.9 Mrd.).

Schweizer Unternehmen sind auf Einkaufstour

Schweizer Firmen haben im ersten Halbjahr 2022 fast doppelt so viele ausländische Unternehmen gekauft wie umgekehrt: So haben Schweizer Gesellschaften 129 Akquisitionen im Ausland vollzogen (46 Prozent aller Transaktionen), gegenüber ausländischen Unternehmen mit 70 Unternehmenszukäufen in der Schweiz (25 Prozent aller Transaktionen). Im Vergleich zum ersten Semester 2021 hat sich dabei der Anteil leicht zugunsten der Schweizer Firmen verschoben (erstes Halbjahr 2021: 43 Prozent beziehungsweise 29 Prozent).

48 Fusionen und Übernahmen waren nationale Transaktionen (Schweiz/Schweiz) und machten 17 Prozent aller Deals aus. In die Kategorie ausländische Transaktionen mit Schweizer Verkäufern fallen 12 Prozent aller Transaktionen (34 Deals).

Fusions- und Übernahmedynamik dürfte anhalten

Der Transaktionsspezialist Knak rechnet auch in den kommenden Monaten mit einer hohen Dynamik: «Zahlreiche Deals sind bereits in Vorbereitung, weshalb wir auch in der zweiten Jahreshälfte viele Fusionen und Übernahmen sehen werden. Von einer Abkühlung aufgrund der Inflation ist derzeit nicht auszugehen, zumindest nicht bis zum Jahresende.»

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