Die prognostizierten Altersrenten aus der Pensionskasse sinken nicht weiter, sondern stabilisieren sich. Die Umwandlungssätze stagnieren bei durchschnittlich etwa 5,2 Prozent. Individualisierungstrends werden immer stärker.

Endlich scheint es besser zu werden, und die prognostizierten Altersrenten in der beruflichen Vorsorge sinken nicht weiter. Die Umwandlungssätze in den von Willis Towers Watson untersuchten Vorsorgeplänen der Unternehmen, die im Swiss Leader Index (SLI) zusammengefasst sind, haben sich seit der letzten Studie nicht weiter reduziert, sondern stagnieren bei durchschnittlich etwa 5,2 Prozent, wie aus der neuesten Benchmarking Studie hervor geht. Sie enthält dieses Jahr 24 der 30 im SLI-Index zusammengefassten Unternehmen.

Prognostizierte Altersrenten sind nicht weiter gesunken

Tatsächlich sind sinkende Anlagerenditen bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung der Grund, weshalb die Umwandlungssätze seit Jahren gesenkt werden. Viele umhüllende Pensionskassen haben die Umwandlungssätze drastisch reduziert, oder sie haben angekündigt, dies in den kommenden Jahren tun zu wollen. Ohne entsprechende Kompensationsmassnahmen würde diese Entwicklung zu einschneidenden Renteneinbussen führen.

«Nun aber scheint der Trend endlich gebrochen zu sein», sagen die Experten von Willis Towers Watson. «Gekoppelt mit stabilen Sparbeiträgen resultiert es darin, dass die prognostizierten Altersrenten erstmals seit langer Zeit nicht weiter gesunken sind. Das sind sehr erfreuliche Nachrichten, und die Aussichten scheinen positiv», freuen sich die Experten. Und sie ergänzen: «Gemäss der aktuellen Fachrichtlinie für Pensionskassenexperten hat sich die Obergrenze für den technischen Zinssatz seit letztem Jahr erhöht, was darauf hoffen lässt, dass sich die Umwandlungssätze zumindest für den Moment nicht weiter reduzieren.»

Zwischen Aktiven und Rentnern gibt es weniger Umverteilung

Müssen künftige Generationen dennoch mit tieferen prognostizierten Altersrenten rechnen? Nein, sagen die Experten, und zwar aufgrund mehrerer Aspekte. «Einerseits denken wir, dass die in den letzten Jahren gesunkenen Umwandlungssätze dazu beitragen, dass es deutlich weniger Umverteilungen zwischen Aktiven und Rentnern gibt. Das führt zu einer höheren möglichen Verzinsung der Sparguthaben, und damit auch zu höheren Renten.» Sie liefern dazu ein Rechenbeispiel: Bei einer Beitragsdauer von 40 Jahren und konstanten Beiträgen mache eine Mehr-Verzinsung von einem Prozent ein um 23 Prozent höheres Sparguthaben aus. «Damit lassen sich tiefere Umwandlungssätze gut kompensieren», meinen die Experten.

Wahlsparpläne und 1e-Pläne können höhere Alterskapitalien liefern

Sie erwähnen ausserdem 1e-Pläne, bei denen man eine deutlich höhere Verzinsung erwarten könne als bei klassischen Vorsorgeplänen, sowie Wahlsparpläne, womit die Versicherten mehr in die Pensionskasse einbezahlen könnten. Während verschiedene Wahlsparpläne bereits Usus seien, und von praktisch allen untersuchten SLI-Unternehmen angeboten würden, seien die sogenannten 1e-Pläne noch eher selten, würden sich aber stark verbreiten, so die Experten: «Dies hat einen positiven Einfluss auf die erwarteten Alterskapitalien bei Pensionierung.»

Individualisierung in der 2. Säule ist auf dem Vormarsch

Eigentlich seien Individualisierungen eher ein Thema der dritten Säule, erklären die Experten weiter. In den letzten Jahren hätten sich aber vor allem zwei Trends etabliert, die den Versicherten einen echten Mehrwert liefern könnten. So würden einerseits immer mehr Wahlsparpläne angeboten, wobei die Versicherten aus maximal drei Beitragsskalen ihre Beiträge wählen dürfen. Das ermögliche ihnen, je nach finanzieller Situation mehr oder weniger in die Pensionskasse einzubezahlen. Und auch für die Steueroptimierung seien die Wahlsparpläne sinnvoll, denn bei höheren Beiträgen entstehe auch mehr Einkaufspotential. In der aktuellen Studie bieten 90 Prozent der Unternehmen solche Wahlsparpläne an, während es vor sechs Jahren erst 60 Prozent waren.

Versicherte tragen bei 1e-Plänen das Risiko selbst

Den zweiten, untersuchten Individualisierungstrend sehen die Experten in den sogenannten 1e-Plänen, welche stark auf dem Vormarsch seien. Jedes dritte untersuchte Unternehmen bietet diese Pläne mittlerweile an, vor einigen Jahren gab es kaum welche. 1e-Pläne sind Vorsorgepläne, bei welchen die Versicherten aus einem Angebot von Anlagestrategien selbst wählen und damit die Vermögensanlage mitbestimmen können. Die Anlageperformance wird den Versicherten dann direkt weitergegeben, über die Verzinsung entscheidet also nicht der Stiftungsrat. «Das bietet enorme Chancen für höhere Verzinsungen, birgt allerdings auch das Risiko für Verluste», mahnen die Experten. Denn allfällige negative Renditen haben die Versicherten selbst zu tragen, während es in klassischen Vorsorgeplänen keine negativen Verzinsungen geben darf. «In jungen Jahren sollten die Versicherten in aggressivere Portfolios investieren, und das Anlagerisiko dann sukzessive reduzieren. Dadurch werden im Durchschnitt deutlich höhere Renditen erwartet als in den klassischen Vorsorgeplänen», so die Experten. Sie räumen jedoch ein, dass solche 1e-Pläne nur für hohe Lohnanteile ab etwa 130.000 Franken angeboten werden dürfen. Eine solide Basisvorsorge sei also für alle Versicherten gewährleistet. «Die Zukunft ist also gar nicht so trüb. Das erfordert aber das Handeln von Pensionskassen, den einzelnen Unternehmen, aber auch von den Versicherten selbst», so ihr Fazit.

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