Die SNB belässt den Leitzins und den Zins auf Sichtguthaben bei -0,75 Prozent. Sie ist zudem bei Bedarf bereit, am Devisenmarkt zu intervenieren, um dem Aufwertungsdruck auf den Franken entgegenzuwirken.

Die Unsicherheit hat sich infolge der russischen Invasion der Ukraine weltweit stark erhöht. In dieser Situation will die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit ihrer Geldpolitik die Preisstabilität sichern und die Schweizer Wirtschaft unterstützen, wie sie anlässlich ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vom 24. März 2022 erklärt hat.

Geldpolitik bleibt sehr locker

Die Nationalbank behält ihre expansive Geldpolitik – trotz erhöhter Inflationsraten – bei. Sie belässt den Leitzins und den Zins auf Sichtguthaben bei −0,75 Prozent. Dabei bekräftigt die SNB, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, um dem Aufwertungsdruck auf den Franken entgegenzuwirken. Sie will dies aber unter Berücksichtigung der gesamten Währungssituation und des Inflationsunterschieds zum Ausland tun. Sie hält den Franken für weiterhin hoch bewertet.

Wie die UBS Switzerland in einer Analyse anmerkt, bewege sich die Geldpolitik der SNB im Windschatten der Europäischen Zentralbank: «Einem ersten Zinsschritt der EZB im Dezember 2022 dürfte eine erste Zinsanhebung der SNB im nächsten März folgen. Bis Ende 2023 könnten die SNB-Leitzinsen wieder zur 0-Prozent-Marke zurückgekehrt sein.»

Inflationsprognose wird angehoben

Die Inflation hat in den letzten Monaten weiter zugenommen und lag in der Schweiz im Februar bei 2,2 Prozent. Den Hauptgrund dafür sieht die SNB im deutlichen Preisanstieg von Erdölprodukten und von Waren, die von Lieferengpässen betroffen sind. Die angespannte Situation bei diesen Gütern dürfte laut SNB wegen des Kriegs in der Ukraine in den nächsten Monaten bestehen bleiben. Die neue bedingte Inflationsprognose der SNB liegt daher insbesondere für dieses Jahr über derjenigen vom Dezember 2021. Längerfristig sei die Aufwärtsrevision indes weniger ausgeprägt. Für 2022 liegt die neue Prognose bei 2,1 Prozent (Dezember 2021: 1,0 Prozent), und für 2023 (0,6 Prozent) und 2024 bei 0,9 Prozent. Die bedingte Inflationsprognose beruht auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum bei -0,75 Prozent bleibt.

BIP-Prognose für die Schweiz wird reduziert

In ihrem Basisszenario für die Weltwirtschaft geht die Nationalbank davon aus, dass sich die globale Konjunkturerholung trotz des Kriegs in der Ukraine fortsetzen wird, wenn auch etwas gedämpfter. Sie rechnet mit vorerst noch hohen Energiepreisen, jedoch mit keiner akuten Energieknappheit in den grossen Wirtschaftsräumen. Die gestiegenen Rohstoffpreise dürften die Teuerung in der kurzen Frist jedoch weiter anheizen.

In der Schweiz hat sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt. Nach einem starken Anstieg in den beiden Vorquartalen nahm das Bruttoinlandprodukt im vierten Quartal 2021 um 1,1 Prozent zu. Insgesamt wuchs die Schweizer Wirtschaft 2021 aber um 3,7 Prozent. Die Dynamik blieb bis Februar 2022 positiv. Auch am Arbeitsmarkt verbesserte sich die Lage weiter.

Der Krieg in der Ukraine hat die Konjunktur in der Schweiz bisher vor allem über den starken Anstieg der Rohstoffpreise beeinflusst, fasst die SNB zusammen. Sie erwartet jedoch, dass die höheren Rohstoffpreise den Konsum belasten und die Produktionskosten für die Unternehmen erhöhen dürften. Der Aussenhandel dürfte ebenfalls vom Krieg betroffen sein, aber nicht schwerwiegend, da die direkten wirtschaftlichen Verflechtungen der Schweiz mit der Ukraine und Russland gering seien. Die Lieferengpässe bei importierten Vorprodukten könnten sich jedoch weiter verschärfen, und die Unsicherheit könnte die Investitionstätigkeit beeinträchtigen, fürchtet die SNB.

In ihrem Basisszenario für dieses Jahr rechnet die Nationalbank mit einem im Vergleich zur letzten Prognose (3 Prozent) reduzierten BIP-Wachstum von rund 2,5 Prozent. In diesem Szenario wird das Wachstum kurzzeitig gedämpft und danach wieder ansteigen, und die Arbeitslosigkeit dürfte nochmals etwas zurückgehen.

SNB sieht erhebliche Konjunkturrisiken

Der weitere Kriegsverlauf und seine wirtschaftlichen Auswirkungen sind gemäss der SNB schwierig abzuschätzen. Die Prognosen für die Weltwirtschaft und die Schweiz unterlägen daher sehr grosser Unsicherheit. Die Wachstumsrisiken seien bedeutend und nach unten gerichtet. Eine weitere Eskalation des Kriegs, und eine Ausweitung der Sanktionen, könnten den Wirtschaftsgang global und in der Schweiz stärker belasten als im Basisszenario angenommen, warnt die SNB. Gleichzeitig könne eine Verschärfung der Rohmaterialknappheit die Inflation global nochmals erhöhen. Damit würde auch das Risiko steigen, dass sich die Inflationsdynamik über Zweitrundeneffekte verfestige. Zusätzlich sei eine erneute Verschärfung der Pandemielage nicht auszuschliessen.

Hypothekar- und Immobilienmarkt bergen zusätzliche Risiken

Beunruhigt zeigt sich die Nationalbank auch über die ungebrochene Dynamik am Hypothekar- und Immobilienmarkt. Die Verwundbarkeiten hätten insgesamt weiter zugenommen. Vor diesem Hintergrund habe der Bundesrat auf Antrag der Nationalbank am 26. Januar 2022 den sektoriellen antizyklischen Kapitalpuffer reaktiviert, und ihn auf 2,5 Prozent der risikogewichteten Positionen festgelegt, bei denen eine Wohnliegenschaft im Inland als Grundpfand fungiere. Die Eigenmittelanforderungen für diese Positionen werden dadurch per 30. September 2022 ansteigen und die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors aufrechterhalten bzw. wo nötig stärken, wie die SNB hofft. Sie will die Entwicklungen am Hypothekar- und Immobilienmarkt weiterhin aufmerksam beobachten.

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