Die SNB hat an ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung im September den Franken als weiterhin hoch bewertet charakterisiert. Sie hat ihre Bereitschaft signalisiert, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren. Sie belässt die Leitzinsen bei -0,75 Prozent.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erwartet für die globale Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2021 ein solides Wachstum. Für das Schweizer BIP rechnet sie mit einem Wachstum von 3 Prozent, nachdem sie im Juni noch von 3,5 Prozent Wachstum ausgegangen war. Die Teuerung sieht sie kurzfristig leicht höher als im Juni. Langfristig aber weicht ihre Prognose nicht von der Juni-Prognose ab. Das bedeutet also, dass der Inflationsschub nur vorübergehend stärker sein dürfte, jedoch nicht zu einer nachhaltig höheren Inflation führen sollte. Risiken sieht die SNB sowohl in einer sich verschlechternden Pandemielage, als auch in den während der Krise ergriffenen wirtschaftspolitischen Massnahmen, die stärker als bisher erwartet wirken könnten.

Franken ist gemäss SNB nach wie vor überbewertet

Für UBS-Ökonom Alessandro Bee ist in der Kommunikation der SNB der Hinweis, wonach der Franken hoch bewertet sei, zentral. Dabei habe die Überbewertung gegenüber dem Euro in den letzten Monaten deutlich abgenommen, sagt er, und gegenüber dem US-Dollar sei der Franken zurzeit gar deutlich unterbewertet: «Diese Veränderung geht nicht auf eine starke Bewegung der (Spot-)Wechselkurse zurück, sondern auf eine signifikante Verschiebung beim fairen Wert, den wir anhand der Kaufkraftparität bestimmen.»

Zinserhöhung ist nicht näher gerückt

Trotz dieser Veränderung im Aussenwert des Schweizer Frankens hat die SNB ihre Einschätzung aber nicht angepasst, sondern sieht ihn nach wie vor als hoch bewertet. «Die SNB möchte möglicherweise zuerst abwarten, ob die Bewegungen in den Produzentenpreisen nachhaltig sind, und sich letzten Endes auch positiv auf die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Export-Wirtschaft auswirken. Dabei ist zu bedenken, dass viele Branchen, für die der Euro-Franken-Wechselkurs von grosser Bedeutung ist, keine typischen Export-Branchen der Industrie sind, wie beispielsweise der Tourismus, der Detailhandel, aber auch Gastronomie- und Event-Unternehmen in den Grenzregionen», kommentiert Bee. Eine Zinserhöhung sei damit wohl nicht näher gerückt.

Massgebend ist der erwartete Wert nach einem Zinsschritt

«Für das Handeln der SNB ist nicht massgebend, wie stark der Franken im Moment bewertet ist, sondern wie stark dies nach einer allfälligen Zinserhöhung in den USA und in der EU der Fall sein wird», fährt Bee fort. Da der erste Zinsschritt in den USA und in der Eurozone noch Jahre entfernt liege, sei ein Zinsschritt seitens der SNB wohl mit einer starken Franken-Aufwertung verbunden: «Der Franken wäre dann wieder deutlich überbewertet.»

Franken schwächt sich ab

Die UBS rechnet mit einer Abschwächung des Frankens sowohl gegenüber dem Euro als auch gegenüber dem US-Dollar. Devisenmarktinterventionen der SNB erwartet sie in den kommenden Quartalen nicht. Bee sieht die von der Federal Reserve in Aussicht gestellte Reduktion der Anleihenkäufe als einen ersten Schritt auf dem langen Weg zu einer geldpolitischen Normalisierung in den USA: «Das dürfte dem Greenback Aufwind verleihen gegenüber Währungen, deren Zentralbanken mit dieser Normalisierung noch zuwarten. Dazu gehört sicherlich die Europäische Zentralbank, und in deren Fahrwasser auch die SNB.»

Der Euro wiederum soll sich im Umfeld einer Konjunkturbelebung gegenüber dem Schweizer Franken aufwerten. Bee sieht das Aufwertungspotenzial allerdings als begrenzt an: «Einerseits lasten noch immer die strukturellen Probleme der Eurozone auf dem Aussenwert des Euros, anderseits hat sich die Unterbewertung des Euros reduziert.»

Zinsen sind in einem leichten Aufwärtstrend

Die längerfristigen Zinsen dürften angesichts der extrem expansiven SNB-Geldpolitik weiterhin auf einem sehr tiefen Niveau verharren. Die langfristigen US-Zinsen hingegen dürften in Erwartung einer restriktiveren Geldpolitik in den nächsten Quartalen steigen. Doch während die Schweizer Zinsen kurzfristig meist dem US-Kapitalmarkt folgen, wird das Zinsniveau langfristig durch die Geldpolitik der SNB bestimmt. Für Alessandro Bee ist klar: «Solange eine erste Zinsanhebung noch nicht absehbar ist, dürften die Schweizer Zinsen im negativen Bereich bleiben.»

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