Die Schweiz ist bei Investoren ein beliebter Standort: Mit 75 getätigten Direktinvestitionen 2021 liegt sie auf Platz 16 in Europa. Das ist trotz eines leichten Rückgangs im Verhältnis zur Grösse des Landes eine sehr gute Platzierung.

Die Schweiz bleibt mit 75 ausländischen Direktinvestitionen im Jahr 2021 attraktiv und erreicht Platz 16 der Top Standorte in Europa. Im Jahr 2020 erreichte die Schweiz Platz 14, im Jahr 2019 lag sie auf Platz 17. Schweizer Unternehmen tätigten im Gegenzug fast 240 Investitionen in europäischen Ländern. Insgesamt stiegen die Direktinvestitionen in Europa 2021 um 5 Prozent, und die Wirtschaft erholt sich langsam von der Corona Pandemie. Das geht aus der neuesten Studie zu Investitionsprojekten ausländischer Unternehmen in Europa der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervor.

Schweiz dürfte an steuerlicher Attraktivität verlieren

Gemäss André Bieri, Markets Leader bei EY Schweiz, ist die Schweiz für Investoren aus Amerika und Asien nach wie vor ein stabiler und sicherer Hub, um nach Europa zu expandieren: «Die Vorteile der Schweiz als Investitionsstandort liegen auf der Hand: Innovation, zentrale Lage, politische Sicherheit und gut ausgebildete Mitarbeitende, kombiniert mit einer guten Steuerpolitik für juristische und natürliche Personen.» Die globalen Steuerprogramme der OECD hätten jedoch Folgen für Investitionen aus Nachbarländern, räumt er ein: «Künftig werden in der Schweiz wohl keine Investitionen mehr getätigt, mit dem einzigen Ziel, Steuern zu optimieren.»

Entwicklung verläuft je nach Branche und Land sehr unterschiedlich

Die EY-Studie untersucht 44 Länder Europas und zeigt auf, dass im Jahr 2021 insgesamt 5877 Direktinvestitionen getätigt wurden. Das entspricht einem Anstieg von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr (5578). Die Top fünf der attraktivsten Investitionsstandorte in Europa sind Frankreich mit 1222 Investitionen, Grossbritannien (993), Deutschland (841), Spanien (361) und die Türkei (264). Die Entwicklung verlief je nach Branche und Land aber sehr unterschiedlich. In einigen Ländern und Branchen boomten die Investitionen, während sie in anderen Ländern eher schwach waren.

Wirtschaft hat sich von Pandemie-Folgen noch nicht ganz erholt

Über einen längeren Zeitraum betrachtet zeigen die erhobenen Daten auch, dass sich die Wirtschaft noch nicht ganz von den Folgen der Pandemie erholt hat: Zwar hat es eine Erholung auf Basis des BIP-Wachstums gegeben, die Direktinvestitionen haben aber noch nicht das Niveau wie vor Pandemieausbruch erreicht. In den Jahren 2017 bis 2019 lag die Zahl der Direktinvestitionen in Europa jeweils deutlich über der 6000er-Marke. Der direkte Vergleich zwischen den Anzahl Investitionen im Rekordjahr 2017 (6653 Investitionen) und 2021 zeigt eine Differenz von 12 Prozent.

Schweiz zählt zu den Top Investoren in Europa

Die Schweiz schneidet bei den 2021 in anderen europäischen Ländern getätigten Investitionen sehr gut ab: Sie liegt mit 238 Direktinvestitionen auf Platz 7 und gehört damit zu den Top Investoren in Europa. Schweizer Investitionen werden vor allem in den grossen Volkswirtschaften getätigt: Primär in Frankreich, mit 70 Investitionen 2021, in Deutschland auf Platz zwei mit 48 Investitionen, und in Grossbritannien auf Platz drei, mit 23 Investitionen. Dahinter folgen Portugal (13), Spanien (11), Italien (10) sowie Serbien und Österreich, in denen jeweils 7 Schweizer Investitionen gezählt wurden.

USA sind bei den Investitionen in Europa führend

Die meisten Investoren kommen wie schon in den Vorjahren aus den USA; sie haben im vergangenen Jahr 1167 Investitionen in europäischen Ländern getätigt. Aus Deutschland wurden 661 Investitionen gezählt, aus Grossbritannien 447, und die französischen Direktinvestitionen in anderen europäischen Ländern lagen bei 298. Weiter in den Top Ten zu finden sind die Niederlande (267), China (259), Italien (203), Japan (172) und Schweden (167).

USA sind wichtigster Investor in der Schweiz

Im Jahr 2021 waren die USA der wichtigste ausländische Investor in der Schweiz. Mit 24 der insgesamt 75 Investitionen wurde fast ein Drittel der Investitionen von US-Akteuren getätigt; im Jahr 2020 waren es 19 US-Investitionen. Auf Platz 2 dieser Rangliste liegt Deutschland mit 14 Investitionen; 2020 waren es noch 27. Mit diesem Rückgang pendeln sich die deutschen Investitionen in der Schweiz auf dem Niveau von 2018 ein.

Demgegenüber sind die Investitionen aus Grossbritannien (Platz 3) von 7 im Jahr 2020 auf 9 im vergangenen Jahr angestiegen. Ein Anstieg ist auch für die von China getätigten Investitionen in der Schweiz zu verzeichnen: Im Jahr 2020 war nur eine registriert worden, im letzten Jahr waren es bereits 5 chinesische Investitionen. Die Zahl der französischen Investitionen ist von 8 im Jahr 2020 auf 4 im Jahr 2021 gesunken.

Schweiz hat sich im Bereich der Internet-Technologie gut entwickelt

Die Schweiz und insbesondere der Standort Zürich haben sich in den letzten Jahren im Bereich der Internet-Technologie gut entwickelt. Auch 2021 gab es wieder 18 Direktinvestitionen in Schweizer Unternehmen im Bereich Software und IT Services. «Schon vor Corona gab es eine Tendenz zu höheren Investitionen in den Bereich IT, Internet und Software, weil dort generell hohe Wachstumsraten zu erwarten sind. Während zu Beginn der Corona-Pandemie noch etwas Zurückhaltung herrschte, hat der Bereich im Jahr 2021 eine sehr hohe Aufmerksamkeit erfahren», weiss Michael Messerli, Leiter Strategy and Transactions bei EY Schweiz.

Auch Pharma, Life Sciences und Biotech ziehen Investoren an

In den Regionen Basel, Zug und auch in der Westschweiz haben sich ausländische Unternehmen aus der Pharma-, Life Sciences- und Biotech-Branche angesiedelt. In diesen Branchen wurden letztes Jahr 15 Investitionen getätigt. Dahinter folgen die Finanz- und die Dienstleistungsbranche mit 14, beziehungsweise 12 getätigten Investitionen. Bei letzterer ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen; so wurden 2020 noch 19 Investitionen in Dienstleistungsunternehmen registriert. Zu den bekanntesten Dienstleistungsunternehmen, in die in der Schweiz investiert wurde, gehören Google, Zalando, Lidl, Decathlon, DHL und die Bank of China.

Über die Studie

Für die EY Studie wurden 500 Entscheidungsträger bei international tätigen Unternehmen befragt. Die Studie basiert auf den Daten des EY European Investment Monitor (EIM). Der Monitor umfasst Investitionsprojekte, die zur Schaffung neuer Standorte und/oder neuer Arbeitsplätze geführt haben. Portfolio Investments und Mergers & Acquisitions werden nicht berücksichtigt. Die Studie wird jährlich durchgeführt und veröffentlicht.

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