Die Zinswende und die stark erhöhte konjunkturelle Unsicherheit dürften die Mittelbeschaffung und die Beibehaltung des hohen Umsatzwachstums von PropTechs erschweren. Dennoch verfügen sie über beste Wachstumsperspektiven.

Steigende Zinsen, hohe Marktvolatilität und verbreitete Unsicherheit bescherten der PropTech-Branche in den letzten Monaten Gegenwind. Die Bewertungen öffentlich gehandelter PropTechs erfuhren an den weltweiten Börsen in den letzten Monaten erhebliche Korrekturen, die deutlich grösser ausfielen als bei den Standardwerten. Es gab allerdings auch ermutigende Signale: Mit Blick auf die Volumen der europäischen PropTech-Investitionen war 2021 gemäss der Finanzdatenfirma Pitchbook ein absolutes Rekordjahr, und die Branche hat den widrigen Umständen auch im ersten Quartal 2022 relativ gut getrotzt. Laut dem globalen PropTech-Vertrauensindex von Meta-Prop verströmten die Investoren Ende 2021 die höchste je gemessene Zuversicht. Dies geht aus dem Swiss PropTech Report 2022 der Credit Suisse hervor.

Mittelbeschaffung dürfte schwieriger werden

Im Unterschied dazu war das Vertrauen in die Zukunft bei den CEOs der PropTech-Unternehmen allerdings nicht mehr so gross. Sie dürften ahnen, dass die Mittelbeschaffung künftig nicht mehr ganz so einfach sein wird wie bis anhin. Obwohl bei den Wagniskapitelgebern noch immer sehr viel Kapital auf Anlagemöglichkeiten wartet, und es weiterhin weniger an Kapital als vielmehr an herausragenden Investitionsmöglichkeiten mangelt, dürfte Wagniskapital in Zukunft fokussierter zu Unternehmen mit soliden Kennzahlen, überzeugenden Produkten und einem hochklassigen Führungsteam fliessen.

Schweizer PropTech-Landschaft ist stark in Bewegung

Die PropTech-Landschaft in der Schweiz ist weiterhin stark in Bewegung. Im Vergleich zur letztjährigen Umfrage kamen nochmals 40 neue PropTechs hinzu, sodass sich deren Gesamtzahl nun auf 360 beläuft. Die Rückmeldungen der PropTechs zeigen, dass es im Jahr 2020 eine hohe Zahl von Neugründungen gab. Offensichtlich scheint die Corona-Pandemie dem Gründungseifer keinen Abbruch getan zu haben. Im Gegenteil: Der digitale Schub, den die Pandemie auch in der Immobilienbranche auslöste, hatte bei den PropTechs nochmals eine hohe Zahl von Neugründungen zur Folge. Demgegenüber ist das Jahr 2021 nur schwach vertreten, und Neulinge aus dem Jahr 2022 sucht man noch vergebens. Die neuen PropTechs tragen zu einer Verjüngung der Branche bei, die sich insofern in den Ergebnissen niederschlägt, als dass sich mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen noch in der Wachstumsphase befindet.

Obwohl europäische Akteure anscheinend vermehrt in der Schweiz geschäftstätig werden, bleibt der PropTech-Markt Schweiz fest in einheimischer Hand. Deutlich über 90 Prozent der PropTechs haben ihren Hauptsitz in der Schweiz.

Optimismus ist weit verbreitet

Optimismus ist in der Branche gemäss Umfrage noch immer weit verbreitet. Die Autoren Fredy Hasenmaile und Thomas Mendelin sehen den Grund auch darin, dass die hochfliegenden Erwartungen aus der letztjährigen Umfrage zwar nicht vollumfänglich, aber doch zu weiten Teilen erreicht werden konnten. Sie weisen allerdings darauf hin, dass die Herausforderungen angesichts der wachsenden Branchenbreite und -tiefe insgesamt zunehmen dürften.

PropTechs können Transparenz der Nachhaltigkeit verbessern

Nachdem der Ausbruch der Corona-Pandemie das Interesse der Immobilienbranche an den Lösungen der PropTechs schlagartig steigerte und die Empfänglichkeit der Immobilienbranche 2021 als nochmals höher beurteilt wurde, stellte sich im Jahr 2022 diesbezüglich keine weitere Verbesserung ein. Eine grosse Chance für PropTechs sehen die Autoren in im wachsenden Druck seitens der Öffentlichkeit, der Regulatoren und der Investoren, die Transparenz hinsichtlich der Nachhaltigkeit der Immobilien im eigenen Portfolio zu verbessern. Und die Autoren sind überzeugt: «Viele Immobilienfirmen erkennen die wichtige Rolle, welche die Technologie bei der Beschaffung und Verarbeitung der dafür nötigen Daten spielen kann. PropTechs können hier mit ihren Lösungen einen wichtigen Beitrag leisten».

Grösste Herausforderung für PropTechs: mangelnder Bekanntheitsgrad

Einen Grund, weshalb die Empfänglichkeit der Immobilienbranche für PropTech-Lösungen nicht mehr weiter zugenommen hat, sehen die Autoren darin, dass die Zahl der PropTechs und ihre Angebote an digitalen Lösungen für viele Entscheidungsträger der Immobilienbranche unübersichtlich geworden sind. Die grösste Herausforderung für PropTechs ist demnach der mangelnde Bekanntheitsgrad der eigenen Lösung auf dem Markt. Es fällt den PropTechs folglich schwer, ihre Kundenbasis im gewünschten Tempo auszubauen. Dies hat gemäss den Autoren auch damit zu tun, dass die langwierigen Entscheidungsprozesse der Immobilienbranche oftmals mit der Ungeduld und dem Drive der agilen PropTech-Firmen kollidieren.

Interoperabilität der Systeme steigert den Kundennutzen

Der Interoperabilität, also der Fähigkeit von Produkten und Dienstleistungen der PropTechs, nahtlos mit den Systemen der Kunden zusammenzuwirken, kommt eine wachsende Bedeutung zu. In der Regel geht es dabei um eine problemlose Übertragung von Daten von einem zum anderen System. Und die Autoren wissen: «Der Kundennutzen der Leistungsangebote der PropTechs ist umso grösser, je besser die Interoperabilität gewährleistet ist.» Zu deren Verbesserung kommt gemäss den befragten PropTechs dem Streben nach einheitlichen technischen Standards eine hohe Bedeutung zu.

Ökosysteme bieten neue Formen der Zusammenarbeit

Eine Möglichkeit, die Interoperabilität zu steigern, besteht gemäss den Autoren in der Integration der Lösungen von PropTechs in breitere Wertschöpfungsketten beziehungsweise Gesamtlösungen. Unter dem Begriff der «Ökosysteme» ist dieses Bestreben bereits zu einem breiten Trend geworden, weshalb die Credit Suisse sich diesem Thema in der diesjährigen PropTech-Studie schwerpunktmässig widmet. Die Umfrage zeigt, dass sowohl PropTechs als auch ihre Partnerfirmen reges Interesse an dieser Form der Zusammenarbeit haben. Allerdings bergen Ökosysteme auch Risiken.

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