Die Pensionsverpflichtungen in den Unternehmensbilanzen sind im ersten Quartal 2022 stark gesunken. Der Anstieg der Anleiherenditen, die dem Diskontierungssatz zugrunde liegen, hat zu einer deutlichen Reduktion der Verpflichtungen geführt.

Die Schweizer Pensionsverpflichtungen in den Unternehmensbilanzen sind im ersten Quartal 2022 so stark wie in keinem anderen Quartal seit der Einführung des Willis Towers Watson (WTW) Pensionskassenindex gesunken. Der sprunghafte Anstieg der Anleiherenditen, welche dem Diskontierungssatz zugrunde liegen, hat zu einer Reduktion der Verpflichtungen um mehr als 12 Prozent geführt, was sich wiederum positiv auf die Unternehmensbilanzen auswirkt. Dies, obwohl die Vermögenswerte im Laufe des Quartals um 5,2 Prozent eingebrochen sind. Die Renditen der Unternehmensanleihen verzeichneten im Quartal einen Anstieg um rund 90 Basispunkte. Der illustrative Deckungsgrad, beziehungsweise das Verhältnis von Pensionsvermögen zu Pensionsverpflichtungen, stieg von 118,0 Prozent am 31. Dezember 2021 auf 127,2 Prozent am 31. März 2022, wie aus dem WTW Pension Index hervorgeht.

Der Pensionskassenindex wird vierteljährlich von WTW im Swiss Pension Finance Watch veröffentlicht und basiert auf dem International Accounting Standard 19 (IAS 19) und US GAAP FASB ASC 715. Der Index stellt die quartalsweise Entwicklung des Ausfinanzierungsgrads unter diesen Rechnungslegungsstandards dar, statt den sonst typischen Deckungsgrad der schweizerischen Vorsorgepläne anzugeben.

Anstieg der Diskontierungssätze lässt Verbindlichkeiten sinken

In den letzten 18 Jahren zeigte der vorherrschende Trend bei den Diskontierungssätzen abwärts. Dies bedeutet, dass in den Unternehmensbilanzen ein Anstieg der Pensionsverpflichtungen zu verzeichnen war. «Angesichts der Tatsache, dass die Welt in eine neue makroökonomische Phase eintritt, und die Zinssätze zu steigen beginnen, können die Unternehmen trotz aller anderen Probleme, die dies mit sich bringen mag, erleichtert sein, denn der Anstieg der Anleiherenditen und damit auch der Diskontierungssätze, der sich aus den Zinserhöhungen ergibt, wirkt sich positiv auf ihre Pensionsverpflichtungen aus», erklärt Adam Casey, Head of Corporate Retirement Consulting bei WTW in Zürich.

Steigende Obligationenrenditen (und damit höhere Diskontierungssätze) führen nicht nur zu tieferen Verbindlichkeiten, sondern auch zu Kursverlusten bei den Obligationen. Da sich sowohl die Verpflichtungen als auch die Kurswerte der Obligationen in dieselbe Richtung bewegen, wird dadurch die Bilanzvolatilität reduziert, wie Casey weiter erläutert: «Zudem verringern die steigenden Diskontierungssätze auch den Aufwand des Unternehmens, welcher in den Betriebskosten des Unternehmens verbucht ist. Für Unternehmen können die Pensionskosten beträchtlich sein. Auch wenn sie keine Kontrolle über die Diskontierungssätze haben, werden sie die Entlastung bei den Betriebskosten, die durch die steigenden Diskontierungssätze bedingt sind, begrüssen.»

Leistungs-orientierte Pensionsverpflichtungen möglichst beschränken

«Ob die lange Phase der letzten Jahre, in denen die Diskontierungssätze zwischen 0,0 und 0,5 Prozent pendelten, nun vorbei ist, lässt sich kaum vorhersagen,» fügt Casey an. Die Entwicklung deute jedoch darauf hin, dass die Renditen der Unternehmensanleihen (und die Diskontierungssätze) bisweilen sehr volatil sein könnten: «Wir empfehlen unseren Kundinnen und Kunden weiterhin, Möglichkeiten zu prüfen, wie sie ihre leistungs-orientierten Pensionsverpflichtungen in der Schweiz beschränken können, beispielsweise durch die Einführung einer rein beitrags-orientierten (1e) Zusatzvorsorge.»

Gegenwärtige Entwicklungen sind eine Herausforderung

Die Finanzmärkte haben sich während der Covid-19-Pandemie als überaus widerstandsfähig erwiesen, obwohl sie vermutlich die komplexe Kombination aus Pandemie und bewaffnetem Konflikt in Europa bisher noch nicht vollständig eingepreist haben, wie Alexandra Tischendorf, Head of Investment bei WTW in Zürich, vermutet. Der Krieg in der Ukraine habe manche durch die Pandemie entstandenen Tendenzen an den Finanzmärkten verstärkt, andere Tendenzen hingegen überlagert.

Die Performance einer typischen Schweizer Pensionskasse lag im ersten Quartal 2022 bei -5,2 Prozent, wie der 2005 BVG-40 plus Index von Pictet darstellt. Der Abwärtstrend begann Ende Januar durch den Anstieg der Renditen von Unternehmensanleihen, da Investoren ihre High Yield und Investment-Grade Unternehmensanleihen verkauften. Diese Entwicklung verlief parallel zu der Schwäche der Aktienmärkte und brachte die Risikoaversion im Zusammenhang mit den erwarteten Zinserhöhungen zum Ausdruck. Zudem brachen die Aktienkurse angesichts der Besorgnis über die wirtschaftlichen Folgen der Ukrainekrise im ersten Quartal um rund 6 Prozent ein.

Stiftungsräte sind gefordert

«Die treuhänderische Pflicht der Stiftungsräte von Pensionskassen, Sicherheit, genügender Ertrag, angemessene Verteilung der Risiken sowie die Deckung der Liquidität zu gewährleisten, bleibt angesichts der aktuellen geopolitischen Lage und der möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen eine Herausforderung», mahnt Tischendorf. Einmal mehr hätten die vergangenen beiden Jahre die Notwendigkeit von stressresistenten, robusten Portfolios verdeutlicht. Und sie fügt an: «Unseren Kundinnen und Kunden empfehlen wir daher weiterhin, verschiedene Elemente des Risikomanagements in ihre Entscheide für eine langfristige Anlagestrategie einfliessen zu lassen.»

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