Die Schweizerische Nationalbank (SNB) strafft ihre Geldpolitik weiter und erhöht den SNB-Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent. Damit wirkt sie dem erneut gestiegenen Inflationsdruck entgegen.

Mit der Straffung ihrer Geldpolitik und dem Anheben der Zinsen will die Nationalbank ein Übergreifen auf bisher von der Teuerung weniger betroffene Waren und Dienstleistungen erschweren. Die Nationalbank hat den Leitzins letztmals im Juni 2022 um 50 Basispunkte auf -0,25 Prozent angehoben. Dies war seit dem Vorabend der Finanzkrise im September 2007 die erste Zinserhöhung in 15 Jahren gewesen. Nun erhöht sie ihn ein weiteres Mal um 0,75 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent.

Weitere Zinserhöhungen sind möglich

Die Nationalbank schliesst zudem nicht aus, weitere Zinserhöhungen vornehmen zu müssen, um die Preisstabilität in der mittleren Frist zu gewährleisten. Um für angemessene monetäre Bedingungen zu sorgen, ist sie bei Bedarf auch bereit, am Devisenmarkt aktiv zu sein.

Die Notenbank passt ausserdem die Umsetzung ihrer Geldpolitik an das Umfeld positiver Zinsen an. Damit stellt sie sicher, dass die kurzfristigen besicherten Geldmarktzinsen weiterhin nahe beim SNB-Leitzins liegen. Sichtguthaben der Banken bei der SNB werden bis zu einer bestimmten Limite zum SNB-Leitzins verzinst. Sichtguthaben oberhalb dieser Limite werden zu null verzinst. Zusätzlich wird die SNB liquiditätsabschöpfende Massnahmen einsetzen.

Inflation dürfte vorerst erhöht bleiben

Die Inflation stieg im August auf 3,5 Prozent und dürfte vorerst erhöht bleiben. Den jüngsten Inflationsanstieg führt die SNB vor allem auf höhere Preise für Waren, insbesondere Energie und Nahrungsmittel, zurück. Die neue bedingte Inflationsprognose der SNB beruht auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum 0,5 Prozent beträgt. Sie liegt bis Mitte 2024 gemäss SNB über derjenigen vom Juni. Danach soll sie aufgrund der nun strafferen Geldpolitik darunter verlaufen. Am Ende des Prognosezeitraums soll sie bei 2 liegen. Im Jahresdurchschnitt beträgt die Inflation gemäss neuer Prognose 3 Prozent für 2022, 2,4 Prozent für 2023 und 1,7 Prozent für 2024. Ohne die aktuelle Zinserhöhung wäre die Inflationsprognose deutlich höher, wie die SNB betont.

Mittelfristig soll Inflation auf moderatere Niveaus zurückkehren

In ihrer Zusammenfassung hält die Nationalbank fest, dass sich das globale Wirtschaftswachstum in den letzten Monaten deutlich verlangsamt habe. Gleichzeitig liege die Inflation in vielen Ländern merklich über den Zielwerten der Zentralbanken. Als Reaktion darauf hätten zahlreiche Zentralbanken ihre Geldpolitik weiter gestrafft.

Die SNB erwartet in ihrem Basisszenario für die Weltwirtschaft eine nur schwache Wirtschaftsentwicklung. Bremsend wirkten insbesondere die Energiesituation in Europa, die teuerungsbedingten Kaufkraftverluste sowie die strafferen Finanzierungsbedingungen. Die Inflation werde vorerst erhöht bleiben. Vorübergehende Faktoren wie Lieferkettenprobleme dürften aber mittelfristig an Bedeutung verlieren. Auch die vielerorts zunehmend straffere Geldpolitik werde dazu beitragen, dass die Inflation allmählich wieder auf moderatere Niveaus zurückkehre.

Es gibt bedeutende Risiken

Dieses Szenario für die Weltwirtschaft unterliegt bedeutenden Risiken. So könnte sich die Energiesituation abermals verschärfen. Gleichzeitig könnte sich die hohe Inflation verfestigen und stärkere geldpolitische Reaktionen im Ausland erfordern. Schliesslich bleibt die Entwicklung der Corona-Pandemie eine wichtige Risikoquelle, räumt die SNB ein.

Konjunkturprognose wird nach unten angepasst

In der Schweiz sei das BIP-Wachstum mit 1,1 Prozent im zweiten Quartal geringer ausgefallen als erwartet, fasst die Nationalbank weiter zusammen. Dies sei in erster Linie auf eine schwächere Entwicklung in der Industrie zurückzuführen gewesen. Der kurzfristige Ausblick habe sich eingetrübt. Am Arbeitsmarkt bleibe die Lage hingegen positiv.

Der weitere Konjunkturverlauf dürfte von der konjunkturellen Abschwächung im Ausland und der Energieverfügbarkeit in der Schweiz geprägt sein, so die SNB. Bisher seien vor allem die Preise von Erdgas und Strom stark angestiegen. Die Nationalbank rechnet für dieses Jahr mit einem BIP-Wachstum von rund 2 Prozent. Das ist etwa ein halber Prozentpunkt tiefer als bei der letzten Lagebeurteilung. Die Prognoseunsicherheit sei zudem weiterhin hoch, mahnt die SNB. Ein globaler Konjunkturabschwung, eine Zuspitzung der Gasknappheit in Europa sowie eine Strommangellage in der Schweiz würden die grössten Risiken darstellen. Darüber hinaus könne ein erneutes Aufflackern der Corona-Pandemie nicht ausgeschlossen werden.

Hypothekar- und Immobilienmarkt bleiben überhitzt

Sowohl die Hypothekarkredite als auch die Preise für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen seien in den letzten Quartalen weiter angestiegen, während bei den Preisen für Wohnrenditeliegenschaften in den jüngsten Daten Anzeichen einer Verlangsamung sichtbar seien, erklärt die Nationalbank. Sie will die Entwicklung auf dem Hypothekar- und Immobilienmarkt weiterhin genau beobachten.

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