Vermögensverwaltungsmandate sind teuer. Mandate von traditionellen Banken sind in der Schweiz sogar mehr als doppelt so teuer wie neue Online-Angebote. Doch die Banken erhalten zunehmend Konkurrenz: Robo Advisor sind auf dem Vormarsch.

Das Zinsgeschäft der Schweizer Banken gerät verstärkt unter Druck. Umso wichtiger wird für viele Banken das Anlagegeschäft. Doch die Vermögensverwaltung wird langfristig von Online-Angeboten herausgefordert. Die digital verwalteten Vermögen wachsen stetig, wenn auch erst langsam, weiss der Online-Vergleichsdienst moneyland.ch. Er hat die Angebote der wichtigsten Universalbanken sowie der Online-Vermögensverwalter hinsichtlich ihrer Kosten untersucht.

Robo Advisor könnten zu einer wachsenden Konkurrenz werden

Wie sich zeigt, zahlen Kundinnen und Kunden in der traditionellen Vermögensverwaltung teilweise doppelt so viel wie bei digitalen Anbietern. Hinzu kommen weitere Kosten wie Produktgebühren und Fremdwährungszuschläge. «Da die digital verwalteten Vermögen erst langsam wachsen, hat sich bei den Gebühren in der traditionellen Vermögensverwaltung noch nicht viel verändert», erklärt Benjamin Manz, Geschäftsführer von moneyland.ch. Doch die Entwicklungsgeschwindigkeit der Online-Angebote dürfte sich in Zukunft deutlich beschleunigen, ist er überzeugt. Robo Advisor könnten zu einer wachsenden Konkurrenz werden.

Aktienportfolios haben hohe Gebühren

Bei einem Aktienmandat (80-100 Prozent Aktien) mit einem Anlagebetrag von 250.000 oder 500.000 Franken verlangen die untersuchten traditionellen Banken eine durchschnittliche Pauschalgebühr von rund 1,4 Prozent pro Jahr. Mit einem Anlagebetrag von 1 Million Franken müssen Kundinnen und Kunden in der traditionellen Vermögensverwaltung im Durchschnitt 13.667 Franken pro Jahr (rund 1,37 Prozent) zahlen. Zu dieser Pauschalgebühr kommen weitere Kosten wie beispielsweise Produktgebühren für die eingesetzten Fonds hinzu. Dabei können die Fondsgebühren ähnlich hoch sein wie die Kosten für das Mandat selbst. «Bei vielen Banken zahlen die Kunden also doppelt», kritisiert Manz. Auch können weitere Gebühren wie Steuern, Fremdwährungszuschläge und Börsengebühren anfallen.

Gebührenunterschiede zwischen den Banken sind gross

Zwischen den einzelnen Vermögensverwaltern gibt es grosse Unterschiede. So zahlen Kundinnen und Kunden je nach Anlagesumme und Portfolio für die teuersten Mandate mehr als zweieinhalbmal so viel wie für die günstigsten Angebote.

Für ein Aktienportfolio (80 bis 100 Prozent Aktien) und eine Anlagesumme von 1 Million Franken ist von den untersuchten traditionellen Banken die Sparkasse Schwyz mit einer Pauschalgebühr von 6.500 Franken pro Jahr (ETF-Mandat) am günstigsten. Es folgen die Bank Cler und die Migros Bank (je 11.000 Franken), das Einzeltitel-Mandat der Sparkasse Schwyz (11.500 Franken), die Basler Kantonalbank und das Premium-Mandat der Zürcher Kantonalbank (je 12.000 Franken).

Je nach Risikoprofil – also Aktiengehalt der Portfolios – und Anlagesumme können die Mandatsgebühren unterschiedlich hoch sein. Es lohnt sich deshalb der persönliche Vergleich, rät Manz.

Auch die Anlageberatung ist teuer

In der Praxis ähnelt die Anlageberatung der traditionellen Vermögensverwaltung und hat oft eine ähnliche Gebührenstruktur. Viele Banken haben mehrere Anlageberatungsmandate, die sich bezüglich der Gebühren und Leistungen unterscheiden. Bei teureren Mandaten können mehr Beratungsleistungen und günstigere Gebühren für den selbständigen Börsenhandel enthalten sein.

Für ein Aktienportfolio von 250.000 Franken schneidet von den untersuchten Banken die Anlageberatung der Sparkasse Schwyz am günstigsten ab (750 Franken pro Jahr), gefolgt von der Credit Suisse mit Invest Compact (1.250 Franken pro Jahr) und der Anlageberatung Plus der Sparkasse Schwyz (1.500 Franken pro Jahr).

Digitale Vermögensverwalter sind günstiger

Das Angebot der Online-Vermögensverwalter nimmt zu. Im Unterschied zur traditionellen Vermögensverwaltung werden Dienstleistungen aber nur online angeboten; es gibt in der Regel keine Beratung. Eingesetzt werden mehrheitlich Exchange Traded Funds (ETFs), während die klassische Vermögensverwaltung noch stark auf aktiv gemanagte Fonds setzt.

Robo Advisor können bereits ab kleinen Anlagesummen genutzt werden und sind meist deutlich günstiger als traditionelle Banken. Bei einem Anlagebetrag von 25.000 Franken zahlen Kundinnen und Kunden eine durchschnittliche Pauschalgebühr von 189 Franken (rund 0,76 Prozent pro Jahr). Hinzu kommen Produktgebühren (vor allem von ETFs) von durchschnittlich 0.28%.

Bei einer Anlagesumme von 25.000 Franken hat Findependent mit 167.50 Franken pro Jahr die tiefsten Pauschal- und Produktgebühren. Es folgen True Wealth mit 170 Franken und Clevercircles mit 212.50 Franken pro Jahr. Bei den meisten Anbietern kommen noch weitere Gebühren hinzu, darunter vor allem Fremdwährungskosten und Steuern.

Bei einer Anlagesumme von 1 Million Franken beträgt die Pauschalgebühr 6.214 Franken pro Jahr (rund 0,62 Prozent des Anlagebetrags). Hinzu kommen Produktgebühren in der Höhe von rund 0,28 Prozent pro Jahr. Pauschal- und Produktgebühren schlagen im Durchschnitt mit 8.976 Franken im Jahr zu Buche.

True Wealth schneidet mit Kosten in der Höhe von 5.700 Franken am günstigsten ab, gefolgt von Inyova (6.000 Franken), Clevercircles (6.500 Franken) und Findependent (6.700 Franken). Vontobel Volt ist im Vergleich der teuerste Anbieter und mit Kosten von 15.600 Franken mehr als doppelt so teuer wie True Wealth.

Bei einigen Online-Vermögensverwaltern nehmen die prozentualen Gebühren mit steigenden Anlagebeträgen ab – dazu gehören Clevercircles, Inyova, Selma Finance, Swissquote und True Wealth.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »