Der aggregierte Geschäftserfolg der Schweizer Banken stieg 2021 weiter an und erreichte den höchsten Stand seit der Finanzkrise. Die verwalteten Vermögen nahmen deutlich zu. Das Jahr 2022 aber ist von grosser Unsicherheit geprägt.

Die Geschäftslage der 239 Banken in der Schweiz (2020: 243 Banken) war 2021 gut. Die schrittweise Lockerung der Massnahmen im Zuge der Covid-19-Pandemie bewirkte eine starke wirtschaftliche Erholung und eine Zunahme der Beschäftigung. Der aggregierte Geschäftserfolg der Banken stieg um 1,4 Prozent auf 70.9 Milliarden Franken an (2020: +5,8 Prozent auf 69.9 Milliarden Franken). Aufgrund der positiven Börsenentwicklung verbesserte sich namentlich der Erfolg des Kommissions- und Dienstleistungsgeschäfts, wie aus dem Bankenbarometer 2022 der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) hervorgeht.

Kommissions- und Dienstleitungsgeschäft überholt Zinsgeschäft

Haupttreiber der positiven Entwicklung war das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft aufgrund der stark gestiegenen Wertpapierpreise. Der Erfolg verbesserte sich um 10,9 Prozent auf 25.5 Milliarden Franken. Das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft war damit gemessen am Geschäftserfolg erstmals seit 2015 wieder das bedeutendste Geschäftsfeld der Banken in der Schweiz. Im Zinsgeschäft, das in den vergangenen Jahren dominierte, nahm der Erfolg um 0,8 Prozent zu, im Handelsgeschäft ging der Erfolg nach einem ausserordentlichen Jahr 2020 um -29,4 Prozent zurück. Hinsichtlich der Rentabilität aus ihrer Geschäftstätigkeit nahm der Bruttogewinn der Banken 2021 dank eines stabilen Geschäftsaufwands um 3,1 Prozent zu. Die Banken in der Schweiz entrichteten zudem Steuern in Höhe von 2,6 Milliarden Franken (+38,8 Prozent).

Hypothekarforderungen bleiben grösste Aktivposition

Die Bilanzsumme aller Banken nahm per Ende 2021 nochmals um 3,5 Prozent auf 3.587,8 Milliarden Franken zu. Mit 11,1 Prozent oder 76 Milliarden Franken wiesen die flüssigen Mittel auf der Aktivseite betragsmässig das stärkste Wachstum auf. Dies ist unter anderem auf die Basel-III-Liquiditätsregulierung sowie auf das Niedrigzinsumfeld zurückzuführen. Die Hypothekarforderungen sind mit einem Anteil von 31,6 Prozent weiterhin die grösste Aktivposition der Banken in der Schweiz. 2021 konnten die Banken ihre Hypothekarforderungen um 3,4 Prozent auf 1.134,9 Milliarden steigern.

Bei den Termineinlagen vollzieht sich eine Trendumkehr

Auf der Passivseite der Bilanzen dominieren die Verpflichtungen aus Kundeneinlagen mit einem Anteil von 57,5 Prozent. Ihr nochmaliges Wachstum geht auf jeweils rund 10 Prozent höhere Sicht- und Termineinlagen und damit eine unverändert hohe Sparquote zurück. Der Anstieg der Termineinlagen ist jedoch eine Trendumkehr gegenüber den vergangenen zehn Jahren: Zwischen 2011 und 2021 ging ihr Anteil an den Passiven im Niedrigzinsumfeld von 12 Prozent auf 7 Prozent zurück, während der Anteil der Sichteinlagen von 22,9 Prozent auf 35,7 Prozent stieg.

Verwaltete Vermögen haben 2021 stark zugenommen

Die verwalteten Vermögen nahmen 2021 mit 12,1 Prozent auf 8.830,3 Milliarden Franken deutlich zu. Die in- und ausländischen Kundenvermögen wuchsen dabei gleichermassen. Haupttreiber war die starke Zunahme der Wertschriftenbestände in den Kundendepots der Banken (+14,3 Prozent). In den letzten zehn Jahren konnten die Banken die verwalteten Vermögen um 68 Prozent steigern, wobei der Vermögensanteil der ausländischen Kunden unter anderem aufgrund der Aufwertung des Schweizer Frankens leicht zurückging.

Zahl der Beschäftigten nahm das zweite Jahr in Folge zu

Trotz fortschreitender Konsolidierung der Branche nahm die Zahl der Beschäftigten bei den Banken in der Schweiz um rund 619 Vollzeitäquivalente auf 90.577 Personen zu. Von einer Trendwende ist jedoch weiterhin nicht unbedingt auszugehen. In den Jahren seit 2013 war die Beschäftigtenzahl bei den Banken im Zuge der Konsolidierung sowie aufgrund verschärfter Regulierung und der Auslagerung von Tätigkeiten stetig gesunken.

Grosse Unsicherheiten zeichnen das Jahr 2022

Im ersten Halbjahr 2022 prägten grosse Unsicherheiten das Geschäftsumfeld der Banken: Geopolitisch gestiegene Risiken, nicht zuletzt durch den Krieg in der Ukraine, Verwerfungen in den Lieferketten, steigende Inflationsraten sowie die Rückkehr zu einer restriktiveren Geldpolitik führten bereits zu deutlichen Korrekturen an den Aktienmärkten. Die verwalteten Vermögen der Banken in der Schweiz gingen in den ersten fünf Monaten 2022 um 4,4 Prozent zurück. Die Bilanzsumme aller Banken wuchs bis im Mai 2022 um 1,3 Prozent. Auf der Aktivseite nahmen vor allem die Forderungen aus Wertpapierfinanzierungsgeschäften sowie die sonstigen Aktiven zu. Die Handelsbestände in Wertschriften und Edelmetallen gingen stark zurück. Bei den Passiven setzte sich die Trendumkehr nach der eingeleiteten Zinswende zugunsten der Termineinlagen fort: Sie wuchsen um 10,9 Prozent, während die Sichteinlagen um 1,4 Prozent zurückgingen. Der Wachstumstrend bei den Hypotheken bleibt stabil, jedoch verbesserte sich mit der Zinswende die Bruttozinsmarge. Die Beschäftigung bei den Banken nahm im ersten Halbjahr 2022 weiter leicht zu. Die Prognose der Banken fällt gemäss der Beschäftigungsumfrage der SBVg in der kurzen Frist positiv aus.

Über das Bankenbarometer

Das jährlich erscheinende Bankenbarometer der Schweizerischen Bankiervereinigung fasst die wichtigsten Kennzahlen und Entwicklungen des Bankenplatzes Schweiz zusammen. Es stützt sich auf Zahlen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sowie auf Erkenntnisse aus Umfragen unter den Mitgliedinstituten der SBVg.

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