Für die Pensionskassen ist das Jahr 2022 schlecht angelaufen. Die Kapitalanlagen verbuchten in den ersten vier Monaten Minusrenditen, der durchschnittliche Deckungsgrad sank. Die Deckungsgrade könnten weiter abrutschen.

Die Pensionskassen konnten auch das zweite Pandemiejahr 2021 positiv abschliessen und im Vergleich zu 2020 renditemässig gar zulegen. Das neue Jahr ist hingegen schlecht gestartet. Die Kapitalmärkte wurden vom Russland-Ukraine Krieg spürbar getroffen. So verbuchten die Kapitalanlagen der Pensionskassen in den ersten vier Monaten eine Rendite von -4,7 Prozent. Dadurch sank der durchschnittliche Deckungsgrad von 115,4 Prozent per Ende 2021 auf 109,2 Prozent per Ende April 2022. Im vergangenen Jahr wurde das Vorsorgekapital der Arbeitnehmenden noch mit überdurchschnittlichen 3,5 Prozent verzinst. Beim Umwandlungssatz wurde hingegen ein neuerlicher Tiefstwert gemessen. Dabei planen die Pensionskassen auch für die kommenden Jahre weitere Umwandlungssatzsenkungen. Das zeigen die ersten Ergebnisse der von Complementa jährlich durchgeführten Pensionskassen-Studie.

Zinsniveau und steigende Lebenserwartung belasten die Kassen

Das allgemeine Zinsniveau hat sich dank des jüngsten Zinsanstiegs deutlich erhöht. Zehnjährige Eidgenossen rentieren seit Anfang Jahr und erstmals seit rund drei Jahren wieder im positiven Bereich. Im Jahr 2019 lag die Verfallrendite zeitweise bei -1,0 Prozent, aktuell liegt der Wert bei 0,8 Prozent. Dennoch bleibt das Zinsniveau neben der steigenden Lebenserwartung der Schweizer Bevölkerung eine zentrale Herausforderung für die Kassen.

Kassen setzen auf globalen und breit diversifizierten Anlagemix

Bedingt durch das tiefe Zinsniveau wurden die Obligationenbestände in den letzten zehn Jahren stark abgebaut. Während 2011 noch die Hälfte des Vermögens als festverzinsliche Anlagen oder als Liquidität gehalten wurde, waren es Ende 2021 mit 36,6 Prozent deutlich weniger. Die freiwerdenden Anteile verteilen sich seither auf Aktien, ausländische Immobilien und alternative Anlagen wie Private Equity, Infrastrukturanlagen und Private Debt.

Infrastrukturinvestments könnten weiter an Attraktivität gewinnen, da sie seit dem 01.10.2020 gemäss gesetzlicher Klassifizierung nicht mehr als «alternative Anlage» eingestuft werden. Dadurch ist es Vorsorgeeinrichtungen erlaubt, bis zu 10 Prozent des Gesamtvermögens in Infrastrukturanlagen anzulegen. Die Immobilienquote liegt bereits das vierte Jahr in Folge bei über 20 Prozent (aktuell 22,0 Prozent), und auch alternative Anlagen haben sich in den letzten Jahren nahe bei 10 Prozent festgesetzt (aktuell 9,2 Prozent). Die Aktienquote lag per Ende 2021 mit 32,2 Prozent leicht über dem historischen Mittel. Jeden zweiten Franken investiert die 2. Säule im Ausland, was dem Niveau der letzten Jahre entspricht, wobei sie die Währungsrisiken zu einem grossen Teil absichert. Das verbleibende Fremdwährungsrisiko beträgt aktuell 19,7 Prozent.

Reserven der Kassen könnten beansprucht werden

Für das vergangene Jahr verbuchten Pensionskassen eine hervorragende durchschnittliche Rendite von 8,3 Prozent. Entsprechend lag die jährliche Rendite für die vergangene Dekade bei rund 5,3 Prozent. Durch die Gesamtrendite der ersten vier Monate dieses Jahres von -4,7 Prozent verpuffte ein Teil des Vorjahresgewinns aber wieder. Nach den sehr guten vergangenen drei Jahren sind die Reserven bei einem Grossteil der Pensionskassen jedoch gefüllt. Sollte sich die negative Performance weiter hinziehen oder verstärken, würde das aufgebaute «Polster» noch stärker beansprucht werden. Auch der als «Angstbarometer» bekannte VIX (Volatilitätsindex) zeigt zurzeit keine klare Tendenz. Auf stärkere Ausschläge nach oben folgten in den letzten Monaten stets wieder Phasen mit tieferer Volatilität. Die Aussichten bleiben aufgrund des andauernden Krieges und Inflationsanstiegs unsicher.

Verzinsung des Vorsorgekapitals variiert je nach Kasse stark

Pensionskassen haben das Vorsorgekapital der Arbeitnehmenden im Jahr 2021 mit durchschnittlich 3,5 Prozent verzinst, was deutlich über der vom Bundesrat festgelegten BVG-Mindestverzinsung von 1,0 Prozent liegt. Verzinsungen von über 3 Prozent gab es letztmals 2003 und in den vorangehenden Jahren. Trotz der guten durchschnittlichen Performance lässt sich eine breite Streuung der gewährten Verzinsungen von 1,0 bis 10,0 Prozent (5- und 95-Prozent-Quantil) beobachten. Dementsprechend haben nicht alle Arbeitnehmenden in gleichem Masse vom guten Vorjahresergebnis profitiert. Für Personen, die kurz vor der Pensionierung stehen und ein hohes Alterskapital angespart haben, ist eine hohe Verzinsung besonders erfreulich. Zusatzverzinsungen können aus Sicht des Versicherten (zumindest teilweise) sinkende Rentenumwandlungen aufgrund reduzierter Umwandlungssätze kompensieren, da der Kapitalstock noch etwas höher ausfällt.

Kassen haben technische Zinssätze deutlich reduziert

In den letzten Jahren wurde jeweils von technischen Zinssätzen (implizite Zinsversprechen für Rentner), die deutlich über dem effektiven Zinsniveau lagen, berichtet. Durch den jüngsten Zinsanstieg hat sich die Kluft verkleinert. Die Pensionskassen haben die technischen Zinssätze weiter reduziert; derzeit liegen diese durchschnittlich bei 1,7 Prozent. Vor 5 Jahren kalkulierten Pensionskassen noch mit 2,5 Prozent. Die guten Renditen der letzten Jahre haben die Finanzierung dieser Senkungen mit ermöglicht.

Verzinsungen im Beitragsprimat 1996 – 2021

Umwandlungssätze sinken weiter

Neben dem Zinsniveau sind Pensionskassen mit dem Anstieg der Lebenserwartung der Bevölkerung konfrontiert. Der langjährige Trend setzt sich fort: Mit durchschnittlich 5,4 Prozent liegt der Umwandlungssatz 2022 nochmals rund 0,1 Prozentpunkte tiefer als im Vorjahr. Die Pensionskassen entfernen sich damit weiter vom BVG-Mindestumwandlungssatz von 6,8 Prozent, der weder der gestiegenen Lebenserwartung noch dem aktuellen Zinsniveau ausreichend Rechnung trägt. Der versicherungstechnisch korrekte Umwandlungssatz liegt bei einem technischen Zins von 1,75 Prozent bei 4,8 Prozent. Ein zu hoch angesetzter Umwandlungssatz führt zu Pensionierungsverlusten, die jüngere Jahrgänge indirekt durch tiefere Verzinsungen bezahlen müssen. Pensionskassen haben für die nächsten fünf Jahre bereits Reduktionen beschlossen, um dieser Umverteilung entgegenzuwirken. Dadurch dürfte der durchschnittliche Umwandlungssatz bis 2027 auf 5,2 Prozent sinken.

Deckungsgrade könnten abrutschen

Complementa schätzt, dass Pensionskassen aktuell eine Rendite von mindestens 2,1 Prozent erwirtschaften müssen, um den Deckungsgrad konstant zu halten. Der Pensionskassenberater erwartet zudem, dass die Kassen mit dem aktuellen Anlagemix langfristig auch mit dieser Rendite rechnen können; kurzfristige Schwankungen sind indes nie ausgeschlossen.

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