Der Nationalrat hat der Ergänzung des Kollektivanlagengesetzes mit dem Limited Qualified Investor Fund zugestimmt. Diese Fondskategorie bietet qualifizierten Anlegerinnen und Anlegern eine Alternative zu ausländischen Produkten.

Die Asset Management Association Switzerland (AMAS) begrüsst den Entscheid des Nationalrates, die neue Fondskategorie ‘Limited Qualified Investor Fund’ (L-QIF) einzuführen. Damit hat die Gesetzesvorlage eine wichtige Hürde genommen. Die Vorlage geht nun nochmals in den Ständerat. Die Differenzbereinigung und Schlussabstimmung zu dieser Vorlage sollen noch im Dezember stattfinden. Unter Berücksichtigung der erforderlichen Anpassungen auf Verordnungsebene könnten die ersten L-QIF im Jahr 2023 aufgesetzt werden. Mit der Einführung von L-QIF sollen der Fondsplatz Schweiz und dessen Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden. Weiter soll der L-QIF qualifizierten Anlegerinnen und Anlegern grössere Flexibilität und mehr Innovation ermöglichen. Als qualifizierte Anleger gelten unter anderen Banken, Vermögensverwaltungen oder Pensionskassen.

In der Schweiz sollen mehr kollektive Kapitalanlagen aufgelegt werden

Der Bundesrat hat die Botschaft zur Änderung des Kollektivanlagengesetzes im August 2020 verabschiedet. Mit der Vorlage werden gewisse kollektive Kapitalanlagen von der Bewilligungs- und Genehmigungspflicht durch die Aufsichtsbehörde befreit. Bedingung dafür ist, dass sie ausschliesslich qualifizierten Anlegerinnen und Anlegern und nicht dem breiten Publikum offenstehen. Zudem sind sie von Instituten zu verwalten, die durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) beaufsichtigt werden. Die neue Fondskategorie L-QIF soll dafür sorgen, dass künftig vermehrt kollektive Kapitalanlagen in der Schweiz aufgelegt werden, und ein grösserer Teil der Wertschöpfungskette in der Schweiz verbleibt.

L-QIF steht nur qualifizierten Anlegern offen

Die Bestimmungen des Kollektivanlagengesetzes gelten grundsätzlich auch für den L-QIF. Auch muss sich der L-QIF prüfen lassen. Für den L-QIF kommen allerdings spezifische Anlagevorschriften zur Anwendung. Diese sind mit Blick auf das Ziel der Innovationsförderung und den beschränkten Anlegerkreis sehr offen ausgestaltet. Die Tatsache, dass der L-QIF nur qualifizierten Anlegerinnen und Anlegern offensteht, soll dem Anlegerschutz Rechnung tragen.

Kritiker sehen in L-QIF eine ‘Blackbox’

Kritiker von L-QIF äussern Bedenken, dass solche Fonds gerade auch für Vorsorgeeinrichtungen ein zu hohes Risiko bergen würden. Die Vorlage war bereits in der Vernehmlassung bei Konsumentenschutzorganisationen auf Ablehnung gestossen. Sie sehen in diesem Anlageinstrument eine Blackbox, die selbst für viele Finanzexperten unverständlich sei. Innovation werde hier mit Deregulierung gleichgesetzt, so ihr Argument.

Aufsichtsrechtliche Fragen sind noch zu klären

Die AMAS appelliert derweil an den Ständerat, an seiner Fassung festzuhalten, und nicht auf die nationalrätliche Version einzuschwenken: Es sei nicht sachdienlich, einfache oder unabhängige Vermögensverwalter ebenfalls als mögliche Verwalter des neuen L-QIF vorzusehen. Dies würde die indirekte Aufsicht, die für den neuen L-QIF aus Anlegersicht ein essentielles Element darstelle, unnötig schwächen.

Anteile an Wertschöpfung und Steuersubstrat sollen wachsen

Wie die AMAS betont, könne die Schweizer Fonds- und Asset-Management-Industrie ihr vorhandenes Potenzial mit dem L-QIF weit besser ausschöpfen, und die Schweiz als Fondsdomizil stärken, indem das Volumen der in der Schweiz aufgelegten kollektiven Kapitalanlagen ohne Wettbewerbsnachteil erhöht werde. Dadurch bleibe ein grösserer Anteil der Wertschöpfung und des Steuersubstrates in der Schweiz.

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