Die von den Privatbanken verwalteten Vermögen haben 2021 ein Rekordniveau erreicht. Doch die Herausforderungen nehmen zu. Die Schere zwischen gut positionierten und schwachen Privatbanken geht immer weiter auf.

2021 war ein goldenes Jahr für die Privatbanken in der Schweiz. Die verwalteten Vermögen stiegen um 12,9 Prozent auf 3.263 Milliarden Franken. Nettoneugelder in Höhe von 131 Milliarden Franken sowie eine Performance von 234 Milliarden Franken aufgrund der sehr positiven Aktien- und Devisenmärkte trugen massgeblich zum Wachstum bei. Bei 91 Prozent der Banken stiegen die verwalteten Vermögen im Jahr 2021 an, wobei der Medianwert ein Rekordwachstum von 13,7 Prozent erreichte. Der Bruttogewinn stieg auf 5,8 Milliarden Franken an und die Erträge auf 19,7 Milliarden Franken. Das geht aus der Studie «Clarity on Swiss Private Banks» von KPMG und der Universität St. Gallen hervor. «Die Zahlen belegen, dass das Schweizer Vermögensverwaltungsgeschäft die grossen Herausforderungen gemeistert hat, und den Status als führendes globales Wealth Management Center erfolgreich verteidigen konnte», kommentiert Studienleiter Christian Hintermann, Partner Financial Services bei KPMG Schweiz, die Ergebnisse.

Schere zwischen Starken und Schwachen öffnet sich weiter

Trotz dieser hervorragenden Ergebnisse öffnet sich die Schere zwischen starken und schwachen Privatbanken weiter. Die Zahl der Banken mit operativen Verlusten stieg in den letzten drei Jahren trotz sehr positivem Umfeld stark an. Der Median der Eigenkapitalrendite lag für starke Banken bei 10,1 Prozent und für schwache Banken bei -2,0 Prozent. «Die starken Banken gehen sehr robust in ein sich eintrübendes makroökonomisches Umfeld. Für die schwachen und die mittelstarken Banken wird das unsichere wirtschaftliche Umfeld eine grosse Herausforderung, was erneut zu einem beschleunigten Rückgang der Anzahl Privatbanken führen wird», sagt Philipp Rickert, Leiter Financial Services von KPMG Schweiz.

‘Big8’ werden die Schweizer Privatbankenlandschaft dominieren

Mit der Aufweichung des Bankgeheimnisses sowie der zunehmenden Steuertransparenz durch den Automatischen Informationsaustausch haben viele Privatbanken strategische und operative Verbesserungen vorgenommen und in die Neupositionierung ihres Geschäftes investiert. Mit entsprechendem Erfolg: unter Ausklammerung von UBS und Credit Suisse hebt sich je länger je mehr eine Achtergruppe von grossen Schweizer Privatbanken ab, auf die fast 80 Prozent der verwalteten Vermögen der analysierten Banken und fast 90 Prozent des Bruttogewinns entfallen. «Das hohe Wachstum ist die Folge des anhaltenden Erfolgs auf dem Markt. Durch einen besseren Kundenservice und überdurchschnittlicher Performance ist es den ‘Big8’ gelungen, bestehende Kunden an sich zu binden, ihren ‘share of wallet’ zu erhöhen und neue Kunden zu gewinnen», führt Rickert aus. Entscheidend sei, dass der Erfolg diese Banken in die Lage versetze, die besten Mitarbeitenden anzuziehen, und kontinuierlich in qualitativ hochwertige Dienstleistungen, massgeschneiderte Produkte und digitale Initiativen zu investieren. Dies ermögliche es den Banken, ihre Ertragsmargen in einem hart umkämpften Markt zu stabilisieren.

Die Zahl der Privatbanken in der Schweiz ist von 99 Ende 2020 auf 92 im Juni 2022 gesunken. Die starke Transaktionsdynamik mit zehn M&A-Transaktionen im ersten Quartal 2022 kam aufgrund der durch den Krieg in der Ukraine entstandenen Unsicherheit, der steigenden Inflation und Zinsen sowie der Angst vor einer drohenden Rezession zum Stillstand.

Unabhängige Vermögensverwalter stehen vor Umwälzungen

Der Schweizer Sektor der unabhängigen Vermögensverwalter (UVV) hat in den letzten Jahren ebenfalls erfolgreich gewirtschaftet. 37 der grössten UVV verwalten Kundenvermögen von mehr als 100 Milliarden Franken. Dies übersteigt die kombinierten Kundenvermögen von 69 Milliarden Franken der 29 kleinen hier berücksichtigten Privatbanken. Doch auch der UVV-Markt ist in Bewegung: Höhere regulatorische Anforderungen, ein wachsendes Interesse ausländischer Private Equity-Investoren und eine alternde Beraterbasis, die kurz vor der Pensionierung steht.

Bis Ende Juli 2022 hatten als Folge des schweizerischen Finanzinstitutsgesetzes (FINIG) nur rund 400 von 2.100 UVV eine Bewilligung der FINMA erhalten. «Bei den meisten unabhängigen Vermögensverwaltern handelt es sich um sehr kleine Unternehmen, die unter dem derzeitigen Zeitdruck ihr Geschäft eher verkaufen, als eine Lizenz zu beantragen. Dies könnte zu einem erheblichen Anstieg der M&A-Aktivitäten oder zum Verschwinden vieler kleiner Akteure führen», erläutert Hintermann.

Gegenwind in den kommenden Jahren beschleunigt Konsolidierung

Nach vielen Jahren steigender Bewertungen an den Finanzmärkten und zehn Jahren Negativzinsen kehrt die Inflation zurück und die Zinsen steigen. Die Gruppe der starken Privatbanken ist gut positioniert, um sich dem gegen den klar zunehmenden Gegenwind, ausgelöst durch eine immer wahrscheinlich werdende wirtschaftliche Stagnation oder gar Rezession zu stellen. Der Handlungsdruck auf die schwächeren Banken, welche während einer rekordlangen Börsenhausse profitieren konnten, wird sich jedoch markant erhöhen. KPMG Schweiz geht davon aus, dass diese neue Realität den Konsolidierungsbedarf unter den schwächeren Privatbanken der Schweiz erhöht und sich eine neue Welle von Marktaustritten und eine stärkere Konzentration auf dem Schweizer Finanzplatz zeigen wird.

Über die Studie

In der jährlichen Studie «Clarity on Swiss Private Banks» untersuchten KPMG und die Universität St. Gallen (HSG) insgesamt 76 in der Schweiz und 11 in Liechtenstein tätige Privatbanken und beurteilten die Performance dieser Institute sowie die wichtigsten Branchentrends.

Aktuelle Beiträge

dpn Newsletter – Kompetent & unabhängig – Jede Woche neu
Jetzt anmelden »
dpn Newsletter
Jetzt anmelden »
Kompetent – unabhängig – jede Woche neu