In einem weltweiten Vergleich von Vorsorgesystemen ist dasjenige Islands dieses Jahr auf dem ersten Platz gelandet. Das Schweizer System belegt bloss den elften Rang. Bei den Vorsorgeleistungen für Frauen weisen alle Systeme Schwächen auf.

Das Vorsorgesystem Islands wurde im neuen Mercer CFA Institute Global Pension Index als bestes weltweit eingestuft. Auf Rang zwei und drei landeten die Niederlande und Dänemark. Der MCGPI ist eine umfassende Studie zu Vorsorgesystemen rund um den Globus und deckt gut zwei Drittel (65 Prozent) der Weltbevölkerung ab. Der Index stellt für jedes untersuchte Land den Verbesserungsbedarf und -möglichkeiten heraus, mit denen nachhaltig höhere Vorsorgeleistungen möglich wären. Die drei erstplatzierten Systeme, welche alle mit Note «A» ausgezeichnet wurden, sind nachhaltig, gut gemanagt und bieten starke Leistungen für Rentner. In diesem Jahr wurde zudem ein besonderer Fokus auf den Gender Pension Gap, also die Geschlechterunterschiede bei den Vorsorgeleistungen, gelegt; dieser stellt für jedes System eine Herausforderung dar.

Schweizer Vorsorgesystem erhält keine Bestnoten

Die Schweiz schneidet vergleichsweise mässig ab; sie belegt lediglich den elften Platz, befindet sich bei insgesamt 43 untersuchten Systemen aber noch im oberen Drittel. Zwar wird die Schweizer Vorsorge in allen drei Unterkategorien überdurchschnittlich bewertet; bei der Angemessenheit und der Nachhaltigkeit zeigt sich allerdings Verbesserungsbedarf. Die Integrität dagegen wird gut bewertet.

Pensionskassen verpassen Chance auf bessere Anlageergebnisse

Verbesserungsmöglichkeiten sieht Tobias Wolf, Head Advisory bei Mercer Schweiz, etwa im Anlagebereich: «Mehr als ein Drittel der Vorsorgeleistungen in der zweiten Säule werden über die Anlagerenditen finanziert. Hier gibt es gerade in der Schweiz noch viel Potenzial für Pensionskassen, ihre Investments zu optimieren und damit höhere Renditen zu erwirtschaften.» Diese könnten über die Verzinsung der Altersguthaben direkt weitergegeben werden, und kämen durch höhere Leistungen allen Versicherten zugute. Und er ergänzt: «Schon ein Prozent jährlich höhere Verzinsung auf ein durchschnittliches Einkommen kann über das gesamte Erwerbsleben zu 20 Prozent höheren Leistungen in der Rentenphase führen.»

Gender Gap ist in der Schweiz besonders hoch

Bei den Vorsorgeleistungen zeigen sich zudem in allen Regionen der Welt signifikante Geschlechterunterschiede. «Die weltweite Pandemie hat sozioökonomische Ungleichheiten in vielen Regionen der Welt verstärkt. Gleichzeitig operieren wir in einer herausfordernden Marktsituation mit historisch tiefen Zinsen und teilweise negativen Renditen, die einen zentralen Pfeiler der Vorsorge – die Investition der Beiträge und daraus generierte Erträge – extrem schwierig machen», kommentiert Ivan Guidotti, Head of Investments bei XO Investments und Committee Chair bei der CFA Society Switzerland. «Frauen haben zudem mit dem Gender Pension Gap zu kämpfen, der weltweit zu teilweise viel tieferen Leistungen für die Hälfte der Bevölkerung führt», fügt er an. Diese Leistungslücke zu Ungunsten der Frauen beträgt im Schnitt der OECD-Länder 26 Prozent. In der Schweiz beträgt sie über 30 Prozent, und liegt damit noch über dem OECD-Durchschnitt.

Gender Gap wird von verschiedenen Faktoren bestimmt

Für diesen Gender Gap gibt es keinen einzelnen Grund, sondern vielmehr eine Reihe von Faktoren, die Einfluss nehmen, wie die Studie besagt. Diese seien teilweise wohlbekannt, wie beispielsweise die Erwerbsbiografie. So gebe es mehr weibliche Teilzeitarbeitende, Frauen würden häufiger Verantwortung für Kindererziehung und Pflege von Verwandten übernehmen, und das durchschnittliche Salär von Frauen sei tiefer. «Die Studie zeigt aber auch auf, dass die Problematik durch die Vorsorgesysteme an sich oft noch verstärkt wird. Dazu gehören der nicht obligatorische Erwerb von Rentenansprüchen während der Elternzeit, das Fehlen von Rentengutschriften während der Betreuung von Kindern oder der Pflege von Angehörigen in den meisten Systemen und die fehlende Indexierung der Renten während des Ruhestands, die sich aufgrund der höheren Lebenserwartung stärker auf Frauen auswirkt» führt Guidotti aus.

Lösung der Gender-Gap-Problematik ist schwierig

«Wir wissen, dass die Lösung der Gender-Gap-Problematik schwierig ist, da die Rentenleistungen relativ direkt mit der Erwerbsbiografie und den geleisteten Beiträgen zusammenhängen», erklärt Wolf. «Es gibt aber einige Möglichkeiten, sowohl auf Seiten der Politik als auch der Pensionskassen, wie die Lage zumindest etwas entspannt werden könnte. Dazu zählen die Beseitigung von Beitrittsbeschränkungen zu Pensionskassen aufgrund niedriger Einkommen oder kurzer Erwerbsphasen sowie die Reduktion des Koordinationsabzugs bei Teilzeitarbeitenden.»

Politik und Akteure in der Vorsorge sind gefordert

Um die Herausforderungen im Vorsorgesystem zu lösen, und künftigen Rentnern ein besseres, sichereres Auskommen zu ermöglichen, seien sowohl die Politik als auch die Akteure in der Vorsorge gefordert, zusammen und entschieden zu handeln, mahnt Guidotti: «Sie müssen geeignete Rahmen und Möglichkeiten für Individuen schaffen, sich zu informieren, und für die eigene Vorsorge zu engagieren.»

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