Die meisten Volkswirtschaften haben im dritten Quartal eine konjunkturelle Verlangsamung erfahren. Gepaart mit steigenden Inflationsraten und der geplanten Straffung der US-Geldpolitik, wird das Aktienumfeld anspruchsvoller.

Die globale Wachstumsdynamik hat im dritten Quartal 2021 nachgelassen. Das haben die meisten westlichen Volkswirtschaften konstatiert. In den Schwellenländern und in China hat die konjunkturelle Abschwächung bereits früher eingesetzt. Bedeutet das nun das Ende des Bullenmarktes? Dieser Frage ist Anastassios Frangulidis, Leiter Multi Asset und Chefstratege Zürich von Pictet Asset Management, im monatlichen Investment Update nachgegangen.

September war für Investoren anspruchsvoll

Der September war für die Investoren ein anspruchsvoller Monat. Sowohl die globalen Aktien- als auch die Anleihenmärkte haben deutliche Verluste hinnehmen müssen. Dies galt auch für viele andere Anlageklassen. Die Ausnahme bildeten Rohstoffe, welche im Zuge steigender Energiepreise stark zulegen konnten. Auch die Preise für Energieaktien sind gestiegen.

Globale Konjunkturdaten zeigen nach unten

Wichtige vorlaufende Konjunkturindikatoren, wie die globalen Manufacturing Surveys, haben in den letzten Monaten, ausgehend von einem hohen Niveau, Korrekturen erfahren. Die meisten Indikatoren befinden sich in einem Abwärtstrend, ausser der Exporttätigkeit, die von der starken Auslandnachfrage profitiert. «Es sieht zunehmend danach aus, dass mit Ausnahme der Eurozone, die meisten westlichen Volkswirtschaften im dritten Quartal schwächer als im Vorquartal gewachsen sind», bestätigt Frangulidis. In China und in vielen Schwellenländern habe die konjunkturelle Abschwächung bereits früher begonnen. «Ganz offensichtlich hat die chinesische Zentralbank in diesem Jahr ihre Geldpolitik zu restriktiv ausgestaltet, in dem sie die Liquiditätszufuhr massiv reduziert und hohe Realzinsen erlaubt hat. Wir sollten nun davon ausgehen, dass diese Politik in nächster Zeit revidiert wird», erläutert Frangulidis. Damit werde China einmal mehr eine andere Geldpolitik als die USA verfolgen.

Geldpolitik wird im nächsten Jahr entscheidend sein

Während die USA im nächsten Jahr beginnen dürften, die sehr expansive Geldpolitik zu verlassen, wird China wohl den «Easing»-Prozess einleiten. «Für die globalen Märkte wird entscheidend sein, welche Notenbank die neue Ausrichtung konsequenter verfolgt», sagt Frangulidis.

China dürfte seine Wirtschaftspolitik ändern

Frangulidis erwartet eine Änderung der chinesischen Wirtschaftspolitik im nächsten Jahr, wobei er die Ereignisse rund um den Immobilienentwickler Evergrande mit als einen Auslöser sieht. «Die Verbindlichkeiten dieses Unternehmens betragen 300 Milliarden US-Dollar, was 2,7 Prozent der Verbindlichkeiten der Unternehmen im chinesischen Immobiliensektor entspricht. Davon sind etwa 50 Milliarden US-Dollar Bankkredite, und 30 Milliarden ausstehende Anleihen. Diese Beträge mögen im Vergleich zu sämtlichen ausstehenden Bankkrediten beziehungsweise Anleihen in China zwar nicht hoch sein, sie zeigen aber, dass die zunehmende Unternehmensverschuldung zu einem bedeutenden Risiko für die chinesischen Behörden geworden ist. Diese wollen einen weiteren starken Verschuldungsanstieg vermeiden, ohne die Konjunktur übermässig zu bremsen», führt Frangulidis aus.

Umfeld für Aktienmärkte ist anspruchsvoller geworden

Die nachlassende Wachstumsdynamik, verbunden mit höheren Energiekosten und dem bevorstehenden «Tapering» in den USA, machen das Aktienumfeld anspruchsvoller. «Solange die Realzinsen tief bleiben, und die globale Konjunkturerholung – wenn auch mit weniger Dynamik – anhält, ist der Bullmarkt noch nicht zu Ende», ist Frangulidis überzeugt. Die aktuelle Korrektur sei zwar fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen. Pictets Anlageallokation zeigt indes ein differenziertes Bild: «Wir sind aktuell in Aktien neutral gewichtet, und in Obligationen – insbesondere in Schweizer Obligationen – stark untergewichtet», erklärt Frangulidis. Und er fährt fort: «In chinesischen Anleihen sind wir dagegen weiterhin übergewichtet, ebenso wie in Liquidität und in Alternativen Anlagen.»

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