Das Emissionsvolumen von globalen ESG-Anleihen könnte in den kommenden Jahren stark ansteigen. Denn zur Eindämmung klimawandelbedingter Bedrohungen wird mehr Kapital von Anleiheinvestoren benötigt.

Bislang sind ESG-Investments massgeblich auf Aktienmärkte ausgerichtet. Angesichts eines weltweiten Kapitalbedarfs von jährlich rund 4 Billionen US-Dollar zur Bewältigung des Klimawandels dürfte an den Anleihenmärkten in den nächsten fünf bis zehn Jahren jedoch eine stille Revolution stattfinden, prognostizieren die Investment-Experten von Pictet Asset Management und dem Institute for International Finance (IIF). Erfreulicherweise, so die Darstellung ihres Berichts, scheinen die Anleihemärkte dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Das Emissionsvolumen von ESG-Anleihen könnte demnach bis 2025 auf 4.5 Billionen Dollar jährlich ansteigen.

Anleiheinvestments ermöglichen die Verfolgung von ESG-Zielen

«Der Anteil an Schuldtiteln, die ökologische und soziale Aspekte integrieren, nimmt an diesen Märkten stetig zu. Seit einigen Jahren wächst der Markt für nachhaltige Anleihen stark, wenn auch ausgehend von einem niedrigen Niveau. Gleichzeitig nehmen die Vielfalt des Angebots an Instrumenten und die Bandbreite der mit nachhaltigen Anleihen finanzierten Projekte mit Umweltfokus in rasantem Tempo zu», weiss Raymond Sagayam, CIO Fixed Income bei Pictet Asset Management. Grüne Anleihen, bei denen die Verwendung der Erlöse bestimmten Auflagen unterliege, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Schuldtitel, deren Kupons an die Umweltleistung von Regierungen und Unternehmen gekoppelt seien, sowie Sozialanleihen seien nur einige Beispiele für innovative Strukturen, die sich in den nächsten Jahren als Mainstream etablieren würden, führt er weiter aus. Und er ergänzt: «Für Anleger ergeben sich daraus neue Möglichkeiten, aber auch neue Herausforderungen. Es lassen sich jetzt Portfolios zusammenstellen, mit denen sowohl finanzielle als auch nicht-finanzielle Ziele berücksichtigt werden können. So werden etwa die Eindämmung des Klimawandels, der Schutz der Biodiversität und die Bekämpfung von Ungleichheit über Anleiheinvestments möglich.»

ESG-Anleihen bergen auch Risiken

Doch es gibt auch Risiken, die es zu beachten gilt, mahnt Sagayam. So könne die Analyse von ESG-Anleihen aufgrund ihrer Komplexität kostspielig werden: «Verglichen zu klassischen Anleihen sind sie einer sorgfältigeren Prüfung zu unterziehen. Ausserdem fügen sie sich nicht so einfach in die von Anlegern tendenziell für die Portfoliokonstruktion bevorzugten Rahmen ein.»

Emissionsvolumen dürfte in den Schwellenländern jährlich steigen

ESG-Anleihen dürften an den Märkten für Staats- und Unternehmensanleihen aus Schwellenländern eine immer wichtigere Rolle spielen. Dem Bericht von Pictet und IIF zufolge wird das Emissionsvolumen in den Schwellenländern bis 2030 von circa 50 Milliarden auf 360 Milliarden Dollar jährlich steigen.

Für die Erreichung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) bis spätestens 2030 ist jedoch auch privates Kapital von entscheidender Bedeutung. Die Finanzierungslücke der SDGs, also die Differenz zwischen dem, was Schwellenländer an Finanzmitteln benötigen, und dem, was sie derzeit an Mitteln in Form von Anlagen erhalten, beläuft sich laut dem Bericht auf etwa 2.5 Billionen Dollar pro Jahr.

Vollwertiger Markt für ESG-Anleihen würde Kapital mobilisieren

Mit geschätzten 82 Milliarden Dollar für 2020 entsprachen die für Entwicklungsländer bestimmten klimabezogenen Investitionen weniger als 8 Prozent der gesamten grenzüberschreitenden Kapitalströme in diese Länder, wie die Autoren des Berichts anmerken: «Dabei könnte die Entwicklung von ESG-Anleihen einen echten Unterschied machen, denn ein vollwertiger Markt für nachhaltige Schuldtitel würde das von Regierungen und Unternehmen in Schwellenländern benötigte Kapital mobilisieren.»

Tatsächlich befindet sich der Markt für ESG-Anleihen gemäss Sagayam bereits im Umbruch: «Die Entwicklung von ESG-Anleihen ist ein Marktbereich, den wir seit geraumer Zeit genau beobachten. Die Analyse von IIF und der Investmentteams von Pictet Asset Management bestätigt unsere Einschätzung, dass an den Anleihemärkten eine stille Revolution stattfindet, die sowohl Anlegern, Umwelt und Gesellschaft zugutekommt.» Das bestätigt auch Sonja Gibbs, Managing Director and Head of Sustainable Finance beim IIF: «2025 wird es kaum noch weltweit tätige Investoren ohne bedeutsamen Anteil an ESG- und grünen Investments geben. Richtet man den Blick darüber hinaus auf das Jahr 2050, bis zu dem Regierungen und Unternehmen rund um den Globus ihre Netto-Null-Verpflichtungen erreichen wollen, wird man die globalen Anleihemärkte erfolgreich grün gemacht und unsere Umweltbilanz zum Besseren gewendet haben.»

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