Die Corona-Pandemie und ihre Folgen stehen auch 2021 an erster Stelle der Sorgen der Schweizerinnen und Schweizer – dicht gefolgt von den Themen Umweltschutz, Klimawandel und Altersvorsorge.

Top-Sorge Nummer eins der vom Forschungsinstitut gfs.bern befragten Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ist, wie bereits im Vorjahr, die Corona-Pandemie und ihre Folgen. Die Befragten konnten jeweils fünf Top-Sorgen nennen. Das Problem hat sich in der Wahrnehmung der Befragten dieses Jahr allerdings etwas entschärft. Statt einer Mehrheit von 51 Prozent wie im letzten Jahr, zählen nun noch 40 Prozent die Pandemie zu den fünf Hauptsorgen. Für jeweils 39 Prozent der Befragten sind neu der Klimawandel (+10 Prozentpunkte, pp) sowie die Altersvorsorge (+2 pp) ebenfalls Hauptsorgen, womit sich erstmals ein Sorgen-Trio an der Spitze der Sorgenrangliste festsetzt. Fragt man nach dem am dringendsten zu lösenden Problem, ist die häufigste Antwort die Corona-Pandemie und ihre Folgen (20 Prozent), gefolgt vom Thema Umweltschutz/Klimawandel (18 Prozent).

Kosten für Gesundheit und Wohnen beschäftigen ebenfalls

Unter den fünf dringlichsten Themen für das Jahr 2021 finden sich zudem die Ausgestaltung der Beziehungen zu Europa (33 Prozent) und die Entwicklung der Kosten im Gesundheitswesen und bei Krankenkassen (25 Prozent). Auf Platz sechs und sieben liegen die beiden Sorgen mit Bezug zur Migrationsthematik (Ausländer/innen/Zuwanderung respektive Flüchtlinge/Asylfragen). Zu den zehn grössten Herausforderungen zählen immerhin 17 Prozent der Stimmberechtigten erhöhte Wohnkosten und den Anstieg der Mietpreise.

Sorge um Arbeit verliert an Bedeutung

Die Arbeitslosigkeit und die Versorgungssicherheit im Bereich der Energie bereiten jeweils 14 Prozent Sorgen. Manuel Rybach, Global Head of Public Policy and Regulatory Affairs bei der Credit Suisse, findet das bemerkenswert: «Obwohl zuweilen über eine Million Arbeitnehmende in der Schweiz von Kurzarbeit betroffen waren, verliert die einstige Top-Sorge auch in diesen ökonomisch wenig vorhersehbaren Zeiten weiterhin an Bedeutung und kommt dieses Jahr auf einen historischen Tiefstand in der Sorgenwahrnehmung.»

Mit der jüngeren Generation vollzieht sich ein Wertewandel

Klassische Sorgenthemen wie Arbeitslosigkeit oder Migration scheinen langsam in den Hintergrund zu treten, wie Rybach weiter anmerkt: «Themen, die eher postmateriellen Charakter haben, und die gesellschaftliche Gerechtigkeit als Anliegen verfolgen, haben Aufwind. Es stellt sich die Frage, ob dies der Beginn einer sukzessiven und langfristigen Neuordnung der Sorgenwahrnehmung ist, oder ob es sich bloss um ein Phänomen des Zeitgeistes handelt.» Cloé Jans, Leiterin operatives Geschäft von gfs.bern, ist überzeugt, dass es sich hierbei um einen Wertewandel handelt: «Angesichts von Themen wie Umwelt oder Gleichstellung, die gerade für jüngere Generationen nicht nur einem temporären Trend entsprechen, sondern tief in ihrer Wertelandschaft verankert sind, dürfte sich diese Entwicklung wohl auch in Zukunft so fortsetzen.»

Befragte schätzen die eigene wirtschaftliche Lage als gut ein

Zum Zeitpunkt der Befragung im Juli und August 2021 gab eine Mehrheit von 65 Prozent der Stimmberechtigten an, dass es ihr zum aktuellen Zeitpunkt wirtschaftlich gesehen sehr oder eher gut gehe. In den letzten 25 Jahren waren es nur 2016 (68 Prozent) mehr. Auch auf die Zukunft angesprochen bleibt eine klare Mehrheit der Stimmberechtigten optimistisch, dass sie ihren aktuellen Wohlstand mindestens halten (75 Prozent) oder sogar verbessern (12 Prozent) kann. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil Stimmberechtigter, der von einer Verschlechterung der eigenen Wirtschaftslage ausgeht, wieder auf das Niveau vor der Pandemie gesunken (10 Prozent). Die Zuversicht über die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes steigt im Vergleich zum Vorjahr erneut an. Aktuell sind 87 Prozent der berufstätigen Stimmberechtigten überzeugt, ihr Arbeitsplatz sei sicher – 34 Prozent davon empfinden ihn sogar als sehr sicher. Rybach erklärt dies damit, dass die Schweiz insgesamt relativ krisenresistent sei und eine hohe Resilienz aufweise – zumindest, wenn man sich an den Einschätzungen der Stimmberechtigten orientiere. Doch er ergänzt: «Während die Krisen seit Ende der 1990er-Jahre primär ökonomischer Natur waren, was mit den sehr soliden Staatsfinanzen der Schweiz einigermassen abgefedert werden konnte, geht die aktuelle Corona-Krise über rein wirtschaftliche Aspekte hinaus, und schafft auch Unsicherheit, was das gesellschaftliche Leben und das politische Funktionieren des Landes betrifft.»

Vertrauen in die Politik nimmt ab

Nach einer deutlichen Zunahme des Vertrauens in praktisch alle Akteure im Bereich Behörden und Politik im letzten Jahr, nimmt das Vertrauen 2021 wieder etwas ab. Das grösste Vertrauen von allen abgefragten Akteuren geniesst zum vierten Mal in Folge die Polizei (63 Prozent der Befragten äussern ihr Vertrauen; -7 pp), neu gleichauf mit dem Bundesrat (-5 pp). Dahinter folgt das Bundesgericht (60 Prozent) und die Schweizerische Nationalbank (51 Prozent). Neben dem Vertrauen in den Bundesrat nimmt auch jenes in das eidgenössische Parlament (Ständerat: 42 Prozent, -9 pp; Nationalrat: 42 Prozent, -6 pp) sowie in die staatliche Verwaltung (39 Prozent, -9 pp) deutlich ab. Sehr wenig Vertrauen geniessen nach wie vor die Kirchen und die EU (beide 19 Prozent).

Staat erhält gute Noten

Die Eidgenossenschaft erhält selbst in dieser fundamentalen Krise noch recht gute Noten. 57 Prozent der Stimmberechtigten sind der Meinung, dass es die Schweiz während der Pandemie besser mache als alle anderen Staaten. Und 69 Prozent finden, die Schweiz sei in der Krise solidarisch zusammengestanden. Zweifel herrscht jedoch darüber, inwiefern der Föderalismus in Zeiten von Krisen und Unsicherheit die richtige Organisationsform ist. Immerhin 63 Prozent wünschen sich unter solchen Umständen mehr Kompetenzen beim Bund und weniger bei den Kantonen. Auch beurteilt eine Mehrheit von 55 Prozent das staatliche Krisenmanagement beim Ausbruch der zweiten Welle im Herbst 2020 als ungenügend. Und gar 79 Prozent sind der Meinung, die Pandemie habe gezeigt, dass die Digitalisierung in der Politik vorangetrieben werden müsse.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »