Den Finanzmärkten stehen fundamentale Veränderungen bevor. Diversifikation global und Anlageklassen-übergreifend aufsetzen, wird daher unverzichtbar.

Die durchschnittliche Inflationsrate lag im Jahr 2020 bei lediglich 0,4 Prozent, dem geringsten Wert seit 1934. Im Jahr 2021 stieg die Inflation im Schnitt auf 4,4 Prozent an. Dabei gibt die Inflationsentwicklung durchaus Anlass zu Besorgnis: In den USA liegt sie inzwischen bei über 7 Prozent, in Grossbritannien und Deutschland bei 5 Prozent. Und – Inflation wirkt sich negativ auf Anleihen aus, ebenso wie eine hohe Inflationsrate Aktien belastet. Das zeigt das «Credit Suisse Global Investment Returns Yearbook» auf. Es wird vom Credit Suisse Research Institute in Zusammenarbeit mit der London Business School herausgegeben und deckt alle wesentlichen Anlagekategorien in 35 Ländern ab. Für die meisten dieser Märkte sowie den 90-Länder-Weltindex liegen Daten seit dem Jahr 1900, das heisst für die vergangenen 122 Jahre, vor.

Aktien sind keine Absicherung gegen Inflation

Aktienanlagen stellen keine Absicherung gegen die Inflationsentwicklung dar: Die realen Aktienrenditen korrelieren negativ mit der Inflationsentwicklung. Dennoch sind die Aktienrenditen stärker gestiegen als die Inflation – hier spiegelt sich laut den Autoren die Aktienrisikoprämie wider. Derzeit erregt jedoch nicht allein die Inflationsentwicklung Besorgnis, sondern insbesondere die Straffung der Geldpolitik und die steigenden Zinsen. Steigende Zinsen in den USA und Grossbritannien führten im vergangenen Jahrhundert zu massiv rückläufigen Anlagerenditen. US-Aktien erzielten bei Zinsanstiegen annualisierte Realrenditen von 3 Prozent, und bei Zinseinbrüchen von 9,7 Prozent. Demgegenüber erzielten US-Anleihen bei Zinsanstiegen annualisierte Realrenditen von 0,2 Prozent, und bei Zinseinbrüchen von 3,7 Prozent. Die Zinserhöhungszyklen in Grossbritannien verliefen analog zur US-Entwicklung.

Langfristige Perspektiven sprechen unverändert für Aktienanlagen

Aktien haben sich auf lange Sicht am besten entwickelt, wie die Autoren aufzeigen. So betrug die annualisierte US-Dollar-Realrendite von Aktien In den vergangenen 122 Jahren 5,3 Prozent, gegenüber 2,0 Prozent für Anleihen, und 0,7 Prozent für Schatzwechsel (T-Bills, und so weiter). Die Wertentwicklung von Aktien hat in allen 35 Märkten Anleihen, Schatzwechsel und Inflation hinter sich gelassen. Seit 1900 erzielten Aktien pro Jahr eine um 4,6 Prozent bessere Performance als Schatzwechsel, und Anleihen waren sie um 3,2 Prozent überlegen.

Die Autoren schätzen, dass die Aktienrisikoprämie zukünftig bei rund 3,5 Prozent und damit etwas unter dem historischen Wert von 4,6 Prozent liegen dürfte. Sie gehen bei einer Prämie von 3,5 Prozent aber dennoch davon aus, dass Aktienanleger ihr Anlagekapital im Vergleich zu kurzfristigen Staatsanleihen innerhalb von 20 Jahren verdoppeln dürften.

Am besten seit 1900 hat sich der US-Aktienmarkt entwickelt, mit einer annualisierten Realrendite von 6,7 Prozent. Sein Anteil am weltweiten Aktienmarkt hat sich auf erstaunliche 60 Prozent vervierfacht.

Schweizer Aktienmarkt ist der sechstgrösste weltweit

Auch die Schweiz schneidet positiv ab. Mit einem Anteil von 2,7 Prozent an den global gehandelten Werten ist der Schweizer Aktienmarkt heute der sechstgrösste Aktienmarkt der Welt. Seit 1900 haben Schweizer Aktien eine Realrendite von 4,7 Prozent erreicht, was dem Median der untersuchten Länder entspricht. Zudem ist die Schweiz bezüglich Wertentwicklung, mit einer annualisierten Realrendite in Dollar von 3,1 Prozent, der weltweit führende Staatsanleihenmarkt. Unter Berücksichtigung der Realrendite in Lokalwährung belegt die Schweiz mit einer annualisierten Rendite von 2,4 Prozent seit 1900 den ersten Rang. Darüber hinaus wies die Schweiz in den letzten 122 Jahren mit bloss 2,1 Prozent die weltweit niedrigste Inflationsrate auf.

Diversifikation global und Anlageklassen-übergreifend ist essentiell

Diversifikation trägt zur Risikominderung bei und bewirkt, dass Anleger bei einem geringeren Risikoniveau dieselbe Rendite oder bei gleichem Risikoniveau eine höhere Rendite erzielen können. Die Autoren widerlegen die Behauptung, dass sich mit zehn bis zwanzig Titeln eine breite Diversifikation gewährleisten lasse. Das aktuelle, von einer höheren Volatilität und Sektor-/Faktor-Rotation geprägte Umfeld biete aktiven Anlegern potenziell mehr Chancen als anderen. Um Alpha zu generieren, seien jedoch echtes Können und ein höheres Engagement in risikobehaftete Anlagen erforderlich.

Für die Zukunft empfehlen die Autoren allen Anlegern, das heisst auch den US-Anlegern, global zu investieren. Dies senke die Portfoliorisiken und erhöhe die Sharpe Ratios. Allerdings betonen die Autoren auch, dass dieses Vorgehen keine Erfolgsgarantie darstelle. Anleger aus kleineren Märkten und Schwellenländern könnten grösseren Nutzen aus einer globalen Diversifikation ziehen als Anleger aus Industrieländern. Dennoch sollten Anleger aus Industrieländern auch Titel aus Schwellenländern kaufen.

Die Autoren räumen allerdings ein, dass es in Zeiten von steigenden Zinsen schwer sei, Vermögenswerte mit positiver Entwicklung zu finden. Branchenrenditen, Faktorprämien und Anlagerenditen von Realwerten fielen dann geringer aus. Ihr Fazit: «Historisch betrachtet führt eine Diversifikation über verschiedene Aktien, Länder und Aktiven hinweg zu einer erheblichen Verbesserung des Risiko-Rendite-Verhältnisses. Auch in Zukunft dürfte eine solche Diversifikation äusserst vorteilhaft sein.»

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