Der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine löst neben dem menschlichen Leid auch Turbulenzen an den Kapital- und Rohstoffmärkten aus.

Die Aktienmärkte brachen mit der Invasion russischer Truppen in der Ukraine breitflächig ein, die Volatilität an den Märkten ist nach den bestürzenden Ereignissen hoch. In die entgegengesetzte Richtung geht es an den Energiemärkten. Die Rohölsorte Brent stieg am 24. Februar im Tagesverlauf über die Marke von 100 USD pro Barrel und erreichte damit den höchsten Stand seit August 2014. Die europäischen Erdgaspreise verteuern sich zeitweise um rund 30 Prozent.

Befürchtet werden Lieferausfälle von russischem Öl und Gas. So könnte es sein, dass westliche Sanktionen auch die Versicherung dieser Lieferungen treffen könnten, schreibt die Commerzbank mit Blick auf die Energiemärkte. Oder aber Russland könnte mit einem Lieferstopp auf westliche Sanktionen reagieren.

Ölmarkt preist massive Angebotsverknappung ein

Der Brent-Terminmarkt preist bereits eine massive Angebotsverknappung ein. So hat sich die Backwardation zuletzt deutlich verschärft. “Sollte es zu einem teilweisen Ausfall der russischen Öllieferungen kommen, wären die anderen großen Produzentenländer nur bedingt in der Lage, dies auszugleichen”, so die Commerzbank. Laut der Internationalen Energieagentur IEA können innerhalb kurzer Zeit nur rund 2,2 Millionen Barrel pro Tag an freien Förderkapazitäten aktiviert werden. Die USA, Japan und Australien erwägen bereits, Notfallreserven anzuzapfen, sollte es zu Versorgungsengpässen kommen.

Der Erdgas-Frontmonat am niederländischen Hub TTF stieg in Reaktion auf die russischen Angriffe zeitweise um mehr als 30 Prozent auf 118 Euro je MWh, berichtet die Commerzbank weiter. “Was für Öl gilt, gilt erst recht für Erdgas: Ein Wegfall der russischen Lieferungen wäre insbesondere für Europa kaum auszugleichen. Die europäischen Gasvorräte dürften zwar noch bis Ende des Winters reichen, der nötige Lageraufbau für den kommenden Winter wäre dann aber kaum möglich”, heißt es.

Energiemarkt

Quelle: dpn mit Daten von Gas Infrastructure Europe

Inflation durch hohen Ölpreis

BayernInvest geht von einem begrenzten Einfluss auf die globalen Volkswirtschaften aus, richtet den Blick aber ebenfalls auf die Energiemärkte. So würden insbesondere die Öl- und Gasmärkte durch physische Engpässe zusammen mit einem hohen geopolitischen Preisaufschlag weiter für Inflationsdruck sorgen, so Daniel Kerbach, CIO der BayernInvest.

“In Erwartung einer sich zuspitzenden Situation in der Ukraine haben wir bereits in den letzten Wochen Credit-Risiken zugunsten höherer Kassequoten abgebaut und unsere starke Goldposition in den Portfolien erneut erhöht. Durch den Einmarsch in die Ukraine haben wir uns heute entschlossen, den Gold-Schritt zu reversieren und die Gewinne aus dieser taktischen Erhöhung mitzunehmen. Wir bleiben jedoch konstruktiv auf Gold und raten weiterhin zu einer starken Gewichtung des Edelmetalls in den Portfolien.”
Daniel Kerbach, CIO der BayernInvest

Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel, konstatiert mit Blick auf die Energiemärkte: “Die wichtigste Frage ist, ob es durch Sanktionen zu einem Abschneiden Russlands vom internationalen Zahlungsverkehr und folglich möglicherweise zu einer Einstellung von Erdgaslieferungen kommen könnte. In diesem Fall wären Zahlungsausfälle russischer Schuldner mit Rückwirkungen auf einzelne Banken oder Gläubiger in Europa und weiter steigende Energiepreise wahrscheinlich”, schreibt er.
Trotz vergleichsweise niedriger Erdgasvorräte sei in Europa aber nicht mit Rationierungen zu rechnen. “Noch ist die Lage zu unübersichtlich, um sich neu zu positionieren. In der Vergangenheit haben kriegerische Auseinandersetzungen zumeist nur kurzfristige Rücksetzer an den Aktienmärkten zur Folge gehab”, so Mumm. Allerdings sei noch nicht absehbar, wie tief die Kurse tatsächlich rutschen können. “Solange nicht der Umfang des russischen Vormarsches und das Ausmaß der Sanktionen klar sind, sollten sich Anleger jedoch zurückhalten”, lautet sein Rat.

 

 

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