Die US-Schieferölproduktion wird durch den aktuell niedrigen Rohölpreis aus dem Markt gedrängt. Damit könnten laut OFI Asset Management in den kommenden zwei bis drei Jahren deutlich höhere Preise ins Haus stehen.

Zwischen 2008 und 2018 wurden fast 8 Millionen Barrel pro Tag Rohöl aus Schieferproduktion gefördert. Die Förderkapazitäten im Schiefergeschäft sind aber in der Regel nach 18 Monaten um 70 Prozent ausgeschöpft. Das heißt, ein Investitionsstopp wird die Förderung des Rohstoffes sinken lassen.

Rohöl steht zu Beginn der Woche deutlich unter Druck. Die US-Benchmark West Texas Intermediate (WTI) fiel auf ein 20-Jahrestief unter die Marke von 15,00 US-Dollar je Barrel. Die Nordseesorte Brent fällt ebenfalls auf rund 27,45 US-Dollar pro Barrrel.

Sobald der weltweite Verbrauch wieder das Niveau von vor der Corona-Krise erreicht hat, wird eine schnelle Steigerung der Ölproduktion daher schwierig sein. Zwar wird es in den kommenden 24 bis 36 Monaten keinen Versorgungsengpass geben, da die Lagerbestände zurzeit aufgefüllt werden. Danach werden die fehlenden Investitionen aber zum Tragen kommen, so OFI Asset Management. Denn es ist nahezu unmöglich, die Ölproduktion so schnell zu erhöhen, dass der Nachfrageüberhang am Markt ausgeglichen werden kann. Die Konsequenz: Der Pandemie könnte ein Ölschock folgen, und somit die Erholung der Weltwirtschaft abbremsen.

OPEC+ Übereinkunft nur Tropfen auf dem heißen Stein

Die Übereinkunft, die OPEC und Russland (OPEC+) übers Osterwochenende getroffen haben, ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Der Vereinbarung zufolge soll das Angebot weltweit um fast 10 Millionen Barrel pro Tag gedrosselt werden.

Allerdings wird die Reduzierung de facto weitaus größer sein. Die letzten Zahlen der Energy Information Agency (EIA) zeigen, dass die Ölförderung in den USA seit Anfang 2020 bereits um 600.000 Barrel pro Tag zurückgegangen ist. Vor allem Schieferöl- und Teersand-Anbieter werden aufgrund ihrer hohen Produktionskosten aus dem Markt gedrängt.

Die Zahl der Bohrinseln und die Zahl des Frackings sind in den letzten Wochen bereits stark zurückgegangen: Von 900 im letzten Jahr auf 500 in der letzten Woche sowie von 500 Mitte 2018 auf 185 in der letzten Woche. Diese Entwicklung dürfte sich nach Juni beschleunigen, da viele Dienstleistungsverträge zum Ende des Quartals auslaufen werden. Das dürfte dazu führen, dass einige der kleinen bis mittleren Schieferöl-Produzenten Konkurs anmelden müssen.

Konventionelle Ölproduktion seit 2008 rückläufig

Laut der IEA wurde 2008 der Höchststand der Produktion von konventionellem Erdöl erreicht. Das bedeutet, dass die Steigerung des Ölverbrauchs seit 2008 nur noch durch die unkonventionelle Ölförderung aus Schieferöl und Teersand gedeckt werden konnte. Laut dem von der IEA im November 2018 veröffentlichten Weltenergieausblick würde ein Gleichgewicht auf dem Ölmarkt im Jahr 2025 aber voraussetzen, dass Schieferöl-Anbieter die Produktion bis 2025 um 10 bis 12 Millionen Barrel pro Tag erhöhen würden. Dies scheint angesichts der aktuellen Entwicklungen aber unwahrscheinlich.

Deutlicher Verbrauchsrückgang durch Corona-Krise

Die weltweite Nachfrage nach Rohöl ist Schätzungen zufolge in den letzten Wochen um 30 bis 35 Millionen Barrel pro Tag gesunken. Ein normaler Verbrauch vor der Coronakrise lag bei 100 Millionen Barrel pro Tag. Ebenfalls bergab ging es mit den Preisen. „Der Ölpreis ist um mehr als zwei Drittel seines bisherigen Jahreswertes zurückgegangen“, sagt Benjamin Louvet, Fondsmanager bei OFI Asset Management. Denn wegen des Coronavirus unterliegt fast die Hälfte der Weltbevölkerung strengen Ausgangsregelungen. Mitte März war der Ölpreis ins Bodenlose gestürzt. Grund für den Schock war das Scheitern der Gespräche von OPEC-Ländern und Russland zu Förderkürzungen.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »