Die Resultate sind widersprüchlich: Emissionsärmere Aktienportfolios performen besser als emissionslastige. Gleichzeitig sind Firmen mit höheren CO2-Emissionen bisher noch profitabler.

Die Beschlüsse des Klimagipfels von Paris werden sich auf die Weltwirtschaft sowie die Kapitalmärkte auswirken. Wie stark und wie rasch, weiß allerdings niemand. Beschleunigen dürfte sich der Wandel hin zu einer kohlestoffarmen Weltwirtschaft, was Folgen für die Geschäftsmodelle vieler Unternehmen und deren Marktbewertung hätte.

Der Asset Manager Union Investment hat die Auswirkungen auf die Profitabilität von Unternehmen aus den Branchen Stromsektor, Rohstoffsektor und Automobilsektor von der Universität Hamburg näher untersuchen lassen. Mit auf dem ersten Blick widersprüchlichen Ergebnis: Aktienportfolios mit emissionsärmeren Titeln haben zwar in der Vergangenheit eine bessere Performance als emissionslastige Portfolios geliefert. Andererseits konnten Firmen mit höheren Emissionen ihre Profitabilität im Vergleich zu anderen Unternehmen jedoch steigern.

Klimabelastung zu billig

Für Alexander Schindler, Vorstandsmitglied von Union Investment, ist klar, warum: „ Die nicht adäquate Bepreisung von Emissionen war bisher ein Erfolgsfaktor für Unternehmen, der vom Kapitalmarkt nicht vollständig eingepreist wurde.“ Sprich Treibhausgasemissionen sind zu billig.

Die Studie der Hamburger Professoren Alexander Bassen und Timo Busch gibt den Stand der wissenschaftlichen Literatur wieder. Erfasst sind 31 akademische Studien zum empirischen Zusammenhang zwischen Treibhausgas-Emissionen und der Finanzperformance. Demnach besteht in 45,36 Prozent eine negative Korrelation, in 39,18 Prozent eine positive Korrelation und 15,46 Prozent kein Zusammenhang.

Denken in Szenarien

Um die künftigen Emissionsrisiken in den drei ausgewählten Branchen zu eruieren, wurde zur Bewertung von gesamtwirtschaftlichen Klimafolgeschäden für Kohlendioxid- und andere Treibhausgasemissionen als mittlerer Wert 80 Euro pro Tonne CO2 angenommen und drei Szenarien hinterlegt: Im ersten Szenario trägt beispielsweise der Stromerzeuger sämtliche Kosten; im zweiten Szenario gibt er 50 Prozent der Kosten an Kunden über den Strompreis weiter und im dritten Szenario überwälzt er alle Kosten auf die Kunden.

Laut Studie hätte die Internalisierung von Klimakosten teilweise dramatische Auswirkungen auf die Unternehmen: Müssten etwa die Stromkonzerne die externen Klimakosten alleine tragen, würden Enel, EDF, Endes, E.On und RWE gar keinen Gewinn mehr erwirtschaften. Selbst bei 50 Prozent der Kosten landen die beiden deutschen Unternehmen E.On und RWE in den roten Zahlen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Rohstoffunternehmen. Bei einer Weitergabe von 100 Prozent der Klimakosten wären die Gewinne von fünf der acht untersuchten europäischen Unternehmen stark beeinträchtigt. Und auch bei den Automobilherstellern würden die Klimakosten der produzierten Autos den Gewinn bei Toyota, Renault, Hyundai und Fiat übersteigen. BMW und Daimler würden noch am besten abschneiden. Die Studie beziffert den Mehrpreis für Autos inklusive Klimakosten mit 1500 bis 2000 Euro pro Fahrzeug.

Die Autoren bleiben beim Realitätscheck bewusst vorsichtig: Aus einer Risikoperspektive werde das Emissions-Thema relevanter. Eine verursachergerechte Verteilung der externen Klimakosten hätte einen massiven Einfluss auf die Gewinnsituation von Unternehmen. Verwiesen wird auch auf die Divestmentbewegung, wo sich bedeutende Investoren vollständig aus der fossilen Energie zurückziehen.  Der Druck auf die Marktakteure wird steigen.

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