Deutschland ist im nächsten Lockdown, wenngleich in einem Lockdown “light”. So stark wie beim totalen Herunterfahren der Aktivitäten in der ersten Jahreshälfte dürfte die Wirtschaft dieses Mal nicht leiden, so die Prognose von Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt bei Union Investment.

Die deutsche Wirtschaft hat in Folge der Corona-Krise in der ersten Hälfte des Jahres 2020 eine Vollbremsung hingelegt. Satte 10,1 Prozent schrumpfte das BIP im 2. Quartal gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres. Dagegen wirkt der Einfluss der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise auf die Volkswirtschaft nahezu mild: Der BIP-Rückgang im 1. Quartal 2009 fiel mit -4,7 Prozent aus heutiger Sicht vergleichsweise moderat aus.

Doch auch die Gegenbewegung im Jahr 2020 spricht Bände: Gegenüber dem Vorquartal stieg das deutsche BIP im 3. Quartal 2020 um 8,2 Prozent. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, trugen sowohl der höhere private Konsum, gestiegene Investitionen in Ausrüstungen als auch höhere Exporte dazu bei. Nach dem historischen Einbruch im 2. Quartal erscheint das Wachstum somit zunächst zwar beachtlich. Aber ein Blick auf den Vorjahreszeitraum dämpft die Stimmung. Im Vergleich zum 4. Quartal 2019, dem Zeitraum vor dem Ausbruch der globalen Corona-Krise, liegt das bereinigte BIP im Berichtsquartal immer noch 4,2 Prozent niedriger.

Erneuter Dämpfer durch Teil-Lockdown

Und nach Einschätzung von Dr. Zeuner dürfte dies nun auch das vorläufige Ende des Aufschwungs sein. Denn der Teil-Lockdown wird zu einem erneuten, deutlichen Dämpfer des BIPs führen. “Die Ungewissheit, ob sich das Pandemiegeschehen in den Griff bekommen lässt, ist hoch”, betont der Volkswirt. Direkt betroffen von den Einschränkungen seien zwar nur etwa drei Prozent der Wertschöpfung in Deutschland. Hierzu zählen vor allem Branchen wie Restaurants, Hotels oder auch Freizeitanbieter. Doch Investitionen und Konsum werden wohl infolge der Unsicherheit leiden.

“Investitionen und Konsumfreude bleiben vorerst unter Druck, solange nicht klar ist, ob die Eindämmungsmaßnahmen Erfolg zeigen”, ist Dr. Zeuner überzeugt. Die kommenden Monate dürften somit schwierig bleiben. Im 4. Quartal 2020 sei daher erneut mit einem “spürbaren Rückgang” des BIP zu rechnen.

Anlass zur Zuversicht

Trotz der Einschränkungen durch den Teil-Lockdown gibt aber auch Gründe für mehr Zuversicht. Denn anders als im Frühjahr 2020 bleiben weite Teile der Wirtschaft offen. Hierzu zählen etwa das verarbeitende Gewerbe und auch der Einzelhandel. Der wirtschaftliche Rückschlag dürfte dadurch deutlich geringer ausfallen als im 2. Quartal.

“Begrüßenswert ist auch, dass die staatlichen Unterstützungshilfen für besonders betroffene Branchen nun zielgerichteter sind”, führt Dr. Zeuner aus. Die Hilfen orientieren sich diesmal am jeweiligen Umsatz und nicht an den Fixkosten. Dies macht es in vielen Fällen realistischer, die jeweilige Existenz abzusichern und die wirtschaftlichen Folgekosten zu mindern.

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