AQR Capital Management hat die Performance verschiedener Strategien zur Risikominimierung und -diversifizierung in der jüngsten Krise untersucht. Antti Ilmanen, Partner bei AQR, erläutert die Ergebnisse.

Herr Ilmanen, AQR hat die Investment-Strategien Defensive Equities, Risk Parity, Alternative Risk Premia und Trend-Following untersucht und gezeigt, dass sich diese Strategien gut für das Risikomanagement langfristig ausgelegter Portfolios eignen. Was charakterisiert diese Strategien?

  • Defensive Aktien beschreibt das Investieren in Aktien mit im Vergleich zum Marktindex niedrigerer Volatilität und qualitativ hochwertigeren Rechnungslegungs-Kennzahlen. Dies lässt langfristig einen höheren risikoadjustierten Ertrag erwarten als das bloße Investieren nach Marktkapitalisierung.
  • Bei Risk Parity handelt es sich um eine Strategie, die nach gleichgewichteten Risikobeiträgen in verschiedene Asset-Klassen allokiert und dabei dynamisch umschichtet. Für diese Strategie wird ein höherer Return als bei einem 60-40 Portfolio erwartet.
  • Alternative Risikoprämien wie zum Beispiel long/short Value und Momentum, Carry und Defensive bieten eine marktneutrale Returnquelle, die diversifizierend zu traditionellen Märkten ist.
  • Trendfolge beschreibt Strategien, bei denen Long-Positionen in Märkten, die positiv performt haben, eingegangen werden und Short-Positionen in Märkten, die sich schlecht entwickelten. Dieser Ansatz tendiert dazu, besonders gut während der schlechtesten Perioden von traditionellen Märkten abzuschneiden. Im Gegensatz zu Tail-Risk Absicherungen hat diese Strategie keinen Short-Bias, wodurch positive Returns in allen Marktumfeldern erwartet werden.

Und wie haben diese Strategien in der Corona-Krise performt?

Wie sich der Markt letztendlich von der Coronavirus-Krise erholt, wird man erst in der Zukunft beurteilen können. Kurze, scharfe Downturns können extrem schmerzhaft für institutionelle Investoren sein. Trotzdem zeigen unsere Analysen, dass vor allem graduelle und langanhaltende Drawdowns den Investor in der Fähigkeit, seine langfristigen Investmentziele zu erreichen, beeinträchtigen.

Bevor wir eine Strategie in Betracht ziehen, muss diese langfristige, robuste empirische Evidenz über Regionen und Asset-Klassen hinweg aufzeigen. Basierend auf unserem Research und ökonomischer Theorie denken wir, dass Investoren ihren Portfolien risikomitigierende Strategien wie die oben genannten beimischen sollten. Dies kann helfen dem Risiko eines langanhaltenden Downturn-Szenarios entgegenzuwirken und gleichzeitig eine potenzielle Diversifikation bei kurzfristigen Dislokationen zu erreichen.

Während der komplette Zyklus dieser Krise noch nicht vollständig absehbar ist, haben einige dieser Strategien erwartungsgemäß recht gut abgeschnitten. Zum Beispiel waren unsere Trendfolge-, Defensive Aktien- und Tail-Risk Strategien sehr gut positioniert und haben während des Markt-Downturns outperformt. Risk Parity hat ebenfalls besser als ein 60-40 Portfolio im Zeitraum der schlimmsten Krisenphase abgeschnitten. Und nicht zuletzt haben auch unsere Fixed Income-Strategien, welche darauf abzielen, Exposure zu Risikoprämien in Fixed Income-Assets zu bieten, besser als der Wettbewerb abgeschnitten, da unsere Strategien weniger von passivem Credit Exposure abhängen. Innerhalb der unterschiedlichen Alternativen Risikoprämien haben Value und Carry Verluste erlitten (das heißt günstige Aktien wurden noch günstiger und einige Carry-Strategien haben sich mehr wie Risikoinvestments verhalten), die größer waren als die korrespondierenden Gewinne in den Faktoren Momentum und Defensive.

Wie können institutionelle Investoren wie zum Beispiel eine Pensionskasse diese Asset-Klassen ins Portfolio integrieren?

Für globale Investoren ist die Diversifikation der Konzentration des Aktienrisikos im Portfolio die größte Herausforderung. Für deutsche Investoren besteht die Haupt-Herausforderung in niedrigen erwarteten Returns, da sie tendenziell eine größere Anleihenallokation haben. So kann man zum Beispiel von einem Portfolio mit einer 30-prozentigen Allokation zu globalen Aktien und 70 Prozent Bunds in der nächsten Dekade kaum einen positiven realen Return erwarten.

Die zuvor genannten Strategien können sowohl zur Return-Verbesserung, zur Risikodiversifikation, und teilweise sogar zu einer Tail-Risk Absicherung beitragen. Diese Aussage basiert auf einer langfristigen empirischen Evidenz. Allerdings können auch an sich gute Strategien mit einer robusten langfristigen Performancehistorie eine herausfordernde Zeit durchleben, wie wir es zum Beispiel gerade bei Value im Aktienbereich sehen. Daher ist es für den Investor besonders wichtig, die Allokation so zuzuschneiden, dass er an der Strategie auch während eines Drawdowns festhalten kann. Wenn traditionelle Portfolios wenig Return erwarten lassen, macht es für den Investor Sinn, sich liquide und illiquide alternative Investmentstrategien anzusehen und gegebenenfalls einen Teil seiner Anleihenallokation in Alternative Risikoprämien, Trendfolge sowie Private Assets umzuwandeln.

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