Der Jahresausblick 2018 ist bei den Anlagestrategen fast unisono positiv, jedenfalls was Wachstums- und Aktienkurserwartungen angeht. Das gilt auch für die Asset Manager der Schweizer Pictet Gruppe. Aber es mischen sich Zwischentöne ein.

„Peak im momentum (noch) nicht eingepreist“, so überschreibt Luca Paolini, Chefstratege von Pictet Asset Management, sein Resümee der Anlageerwartungen für 2018. Das deutet auf eine gewisse Ambivalenz der Anlagebedingungen im kommenden Jahr hin. Noch ist das Momentum intakt – getrieben durch ein robustes und synchrones Wachstum. Allerdings wird der Wachstums-/Inflations-Mix ungünstiger, da zum mindesten die USA in die Spätphase des Konjunkturzyklus eintreten. Und auch auf geldpolitischer Seite ist der Hochpunkt der globalen Liquidität absehbar, wenngleich noch nicht erreicht. Für das Gewinnwachstum der Unternehmen ist ebenfalls eine Verlangsamung vorgezeichnet. Die Renditen für globale Aktien, so schätzt Paolini, werden in 2018 nur noch einstellig sein.

Aufgestaute Nachfrage nach Aktien

Dennoch: “2018 verspricht, ein weiteres gutes Aktienjahr zu werden”. Grund: Das globale wirtschaftliche Wachstum wird 2018 breiter gelagert sein als in den abgelaufenen Jahren, gestützt auf ein solides Wachstum von staatlichen und unternehmerischen Investitionen sowie ein gesundes Maß an Konsumausgaben. Dabei sollten auch die aufstrebenden Länder gut abschneiden, da sie zudem von niedriger Inflation und der Erholung der Rohstoffpreise profitieren. Die geplanten drei Zinsschritte der Fed in den USA dürften nach Paolinis Meinung den „Enthusiasmus für Aktien“ kaum trüben, da die realen Zinsen in Europa und Japan weiter negativ bleiben werden. Fazit: „Es gibt noch immer eine aufgestaute Nachfrage nach Aktien“.

Regional besteht allerdings eine deutliche Abstufung: Der US-Aktienmarkt erscheint relativ teuer; allerdings könnten dort steigende Gewinne, ein schwacher Dollar sowie Trumps Steuergesetz dagegenhalten.

Bessere Aussichten sieht man bei Pictet aber bei europäischen, japanischen und EM-Aktien. „Besonders hell scheint die Sonne für Aktien der Eurozone“, so die Erwartung. Das Wirtschaftswachstum wird dort doppelt so hoch sein wie im langfristigen Durschnitt, die Inflation liegt unter dem geldpolitischen Ziel und die EZB ist nicht bereit, von ihrer Geldexpansion abzugehen. Eine ähnlich lockere Geldpolitik spricht auch für japanische Aktien.

Im Hinblick auf die Erholung der Rohstoffpreise mit ihrem positiven Effekt für EM-Aktien favorisiert man bei Pictet besonders russische Aktien. Sie dürften von dem Preisauftrieb des Öls besonders profitieren. Hinzu kommt, dass russische Aktien ebenso wie die russische Währung relativ billig erscheinen und die Zentralbank durch Zinseinschnitte die wirtschaftliche Besserung unterstützt.

Sektoral werden Aktien bevorzugt, die bislang zurückgeblieben sind, und die in der Spätphase des Zyklus am besten abschneiden: Finanz-, Energie und Bergbauaktien.

Ungünstige Anleihe-Performance und absteigender Dollartrend

„Was gut ist für Aktien“, so Paolini, „wird nicht gut sein für Anleihen“ – besonders nicht für Anleihen aus Industrieländern. 10-Jahres-US-Anleiherenditen sollen danach auf 3% klettern. Vorsicht wird zudem bei Credits angemahnt wegen exzessiver Bewertung und niedrigerer Kreditqualität. Demgegenüber werden europäische Unternehmensanleihen zwar als etwas attraktiver, gleichzeitig aber als relativ teuer eingeschätzt. Einziger Lichtblick: Anleihen aus Emerging Markets. Dort werden bessere Ertragserwartungen gesehen, allen voran russischen Anleihen. Dafür spricht bei den meisten dieser Länder eine relativ inflationsfreie wirtschaftliche Erholung. Bei russischen Anleihen, die 7,6 Prozent Rendite bieten, komme die fallende Inflation hinzu, relativ hohe Realzinsen, eine schwache Währung sowie eine vertrauenswürdige Zentralbank.

Fazit: „Die Ära des einfachen und relativ risikofreien Geldverdienens mit Anleihe-Investments ist vorüber“.

Relativ dezidiert und ungewöhnlich ist die Aussage zum US-Dollar: Im mittelfristigen Trend wird ein weiterhin schwacher Dollar gesehen, wenngleich der künftige Abwärtstrend in wesentlich geringerem Tempo verlaufen soll als bisher. Das unterscheidet sich deutlich von anderen Prognosen, die im Grundsatz auf einen eher stabilen Dollar setzen. Dies hat insbesondere Auswirkungen auf EM-Anleihen in lokaler Währung. Da die meisten EM-Währungen deutlich unter ihrem fairen Wert gehandelt werden, dürften EM-Anleihen von dem erwarteten Abwärtstrend des US-Dollar erheblich profitieren.

Und auch Rohstoffe bieten positive Aussichten für das kommende Jahr.

Zurück zu den Zwischentönen. Die werden deutlich, wenn es um die Risiken geht. Lässt man externe Einflüsse wie Nordkorea, China, Trumps Protektionismus oder Italiens Wahl außer acht, die nicht vorhersehbar sind, glaubt Paolini, ein wesentliches Risiko könnte in einer mangelnden Investoren-„Erdung” liegen. Im Klartext: Das Wirtschaftsvertrauen könnte besser sein als die tatsächlichen Makrodaten und Aktien wären so überkauft wie seit 1999 nicht mehr.

Wann, so könnte man andersherum fragen, wird ein Peak des Momentum eingepreist?

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