Laut der jährlichen „Reserve Manager“ Umfrage der Schweizer UBS bleiben Handelskriege die größte Gefahr für die Weltwirtschaft. Diese Einschätzung vertritt die Mehrheit der befragten Devisenmananger aus 30 Zentralbanken.

Der Umfrage zufolge hatte die Corona-Krise bisher nur einen moderaten Einfluss auf das Devisen-Management. Weiterhin sind es vor allem mögliche Handelskriege, die den Zentralbanken mit Blick auf die Weltwirtschaft Sorgen bereiten. Das ist ein zentrales Ergebnis der jährlichen Umfrage unter Reserve Managern in 30 Zentralbanken, die von der Großbank UBS in diesem Jahr zum 26. Mal durchgeführt wurde. Die Befragung erfolgte von Juli bis September 2020.

Das Thema Handelskriege treibt den Reserve Managern nicht erstmals Sorgenfalten auf die Stirn. Das Risiko eskalierender Handelsspannungen rangiert vielmehr bereits zum dritten Mal in Folge auf Platz 1. In der aktuellen Umfrage bejahten 81 Prozent der befragten Verantwortlichen der Zentralbanken, dass sie dies im Hinblick auf die Weltwirtschaft am meisten befürchten. Danach folgen mit jeweils 72 Prozent eine weltweite Rezession in Kombination mit deflationären Trends sowie die politischen Entwicklungen in den USA. Letzterer Punkt hat somit deutlich an Gewicht gewonnen: 2019 sorgten sich nur 30 Prozent der Befragten um die US-amerikanische Politik.

Corona Krise bisher mit moderaten Folgen

Die Corona-Krise beeinflusste die Befragten bisher indes nur moderat. Rund 58 Prozent gaben an, dass die Krise “mäßige” Auswirkungen auf die Investitionstätigkeiten hatte. Schwere Auswirkungen erlebten 19 Prozent und sehr schwere 16 Prozent der Umfrageteilnehmer.

Mit 41 Prozent erwartet ein Großteil der Umfrageteilnehmer im Jahr 2020 einen Anstieg des globalen Bruttosozialprodukts von mehr als 6 Prozent. Es treiben vor allem staatliche Subventionen gegen die Pandemie. Etwa 90 Prozent der Befragten gehen zudem davon aus, dass  vor allem die entwickelten Märkte nach der Krise in einer besseren Ausgangslage sein werden. Die Erholung wird der Einschätzung zufolge U-förmig verlaufen. Allerdings dürften große Volkswirtschaften weitere Shutdowns erleben, bis ein Impfstoff gefunden ist.

Die gravierendsten langfristigen Folgen durch die Pandemie sehen die meisten Befragten mit 78 Prozent in einer globalen Wirtschaftsflaute. 66 Prozent sehen die Gefahr von unüberschaubaren Schulden und 59 Prozent befürchten deflationäre Tendenzen und ein verringertes Investmentumfeld.

Strategische Allokation der Devisenreserven

Die Hälfte der Befragten gab an, dass sie während des Lockdowns im März Risiken in ihren Portfolios abgebaut hatten. Unter denen, die bereits in Aktien investiert waren, haben 40 Prozent während des Abschwungs nachgekauft. 16 Prozent erhöhten ihre Investments in Alternative Anlagen. Zudem gaben 75 Prozent der Befragten an, dass die Krise den Trend zu ESG Investments weiter stützt. Insgesamt änderte die Hälfte der Teilnehmer ihre strategische Asset Allokation in den letzten zwölf Monaten und weitere 56 Prozent sagten, dass sie in den nächsten 12 Monaten erneut Änderungen in der Allokation vornehmen wollen.

Lediglich 3 Prozent der Befragten erwägen, in illiquide Anlageklassen wie Infrastruktur oder Immobilien zu investieren. Zum Vergleich: Im Vorjahr überlegten dies 24 Prozent. 13 Prozent haben kürzlich passiv verwaltete Vermögenswerte in aktive Verwaltungsstrategien verschoben oder erwägen dies, verglichen mit 19 Prozent im Jahr 2019.

Gold ist unter den befragen Zentralbanken wieder gefragt. 41 Prozent der Teilnehmer integrieren Goldbestände in die Strategische Asset Allokation ihrer Reserveverwaltungsportfolios, während 59 Prozent Gold getrennt behandeln.

Zinserhöhungen in weiter Ferne

Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve erwarten  44 Prozent der Umfrageteilnehmer erst 2023 und 22 Prozent erwarten, dass die Fed erst nach 2023 aktiv wird. Bei der EZB sind dagegen 61 Prozent überzeugt, dass eine Zinserhöhung erst nach 2023 möglich sein wird.

Die globale Dominanz des US-Dollars bleibt bestehen, so die weitere Überzeugung. 50 Prozent der Teilnehmer investierten in den vergangenen 12 Monaten in US-Dollar denominierte Anlagen. Die Nachfrage nach auf in Euro laufende Produkten bleibt indes mit 28 Prozent relativ gering. Die chinesische Währung Renminbi gewinnt weiter an Bedeutung. 33 Prozent der Teilnehmer investierten in diese Währung.
Die UBS mit rund 3.500 Mitarbeiter in 22 Ländern verwaltet ein Vermögen von rund 928 Milliarden US-Dollar. Das Angebot umfasst aktiv und passiv verwaltete Anlagestrategien sowie, traditionelle und alternative Anlageklassen. Hierzu zählen Aktien, Anleihen, Devisen, Hedgefonds, Immobilien-, Infrastruktur- sowie Private-Equity-Anlagen.

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